Screenshot  Credit Youtube Universitätsklinikum Freiburg
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"Kokosöl ist kein Superfood, sondern das reine Gift"

von Gina Buhl

23 AUGUST 2018

Health

In ihrem Vortrag über "Kokosöl und andere Ernährungsirrtümer" erklärt eine deutsche Ernährungsprofessorin Superfoods für Mist – und erntet damit Millionen Views auf Youtube.

Kokosöl gehört mittlerweile zum Basic-Kücheninventar eines jeden Foodies: Es soll Viren, Bakterien und Pilze im Körper unschädlich machen, dabei helfen eine makellose Haut zu bekommen und eine figurschonende Alternative zu anderen Ölen sein. So zumindest die weit verbreitete Meinung vieler (selbsterklärter) Health-Gurus, die mit instagram-tauglichen Rezepten und Pinterest-Pics dafür gesorgt haben, dass das einst unbekannte Öl in den letzten Jahren einen riesigen Hype erlebt hat.

"Alles völliger Quatsch"

Nun könnte das Superfood durch den Vortrag der Professorin Karin Michels, die in Freiburg im Breisgau das Institut für Prävention und Tumorepidemiologie leitet, allerdings einen Kratzer ins Image bekommen: Die Medizinerin, die in Harvard und Cambridge promovierte, hält von diesen Annahmen nämlich überhaupt nichts: "Um das Kokosöl ranken sich die wildesten Geschichten. Es soll weniger dick machen, mittelkettige Fettsäuren enthalten, die gesünder sein sollen, und Laurinsäure enthalten, die auch toll sein soll. Alles völliger Quatsch", so die Medizinerin in ihrem Vortrag, den sich auf Youtube mittlerweile über eine Million Menschen angesehen haben.

Das schlimmste Nahrungsmittel der Welt?

Dann holt sie aus: "Kokosöl ist eines der schlimmsten Nahrungsmittel, die Sie überhaupt zu sich nehmen können. Das Öl ist gefährlicher als Schweineschmalz." Es gebe keine Studien, die positive Effekte an Menschen zeigen. Stattdessen erzählt Michels von Studien, die belegen würden, dass Kokosöl ganze 92 Prozent gesättigte Fettsäuren enthalte. "Gesättigte Fettsäuren gehen direkt in ihre Herzkranzgefässe und führen zum sicheren Herztod. Kokosöl ist das reine Gift." Okay, das sitzt.

"Superfoods sind unnötig"

Für andere vermeintlich gesunde Hype-Foods wie Goji-Beeren und Chiasamen hat Michels übrigens auch nicht viel mehr übrig, wie sie erläutert: "Wer sich in einer Smoothie-Bar einen Shot irgendwelcher Superfoods in sein Getränk mixen lässt und dafür extra zahlt, soll sein Geld lieber sparen." Die exotischen Zutaten hätten einen langen Reiseweg hinter sich, seien voller Pestizide – und ohnehin unnötig. "Die meisten Menschen, die auf Superfoods schwören, sind Menschen, die sich ohnehin schon gesund ernähren", so Michels. Die aufgenommenen Vitamine und Spurenelemente würden bei diesen Menschen einfach ausgeschieden.

Die Kommentarspalte unter dem Youtube-Video sind mittlerweile geschlossen. Auf der Facebook-Seite der Uniklinik Freiburg diskutieren aber diverse "Ernährungsexperten" wie verrückt über die steile These der Professorin und werden sich – wie man sich vorstellen kann – nicht wirklich einig. Was auch immer die Wahrheit über Kokosöl ist, die Geschichte dieses Vortrags zeigt, dass das Thema Ernährung für manche zu einer Art Ersatzreligion geworden ist.

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