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Die 6 grössten Irrtümer zur Klimastreik-Bewegung

von Gloria Karthan

13 MÄRZ 2019

Life

Am Freitag wird auf der ganzen Welt erneut fürs Klima demonstriert. In Zusammenhang mit den Klimastreiks stösst Redaktorin Gloria Karthan immer wieder auf haarsträubende Behauptungen. Hier räumt sie damit auf.

Die vergangenen Wochen wurde viel über unser Klima geschrieben, gesagt und gepostet. Anlass dazu gaben die 16-jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg und die von ihr angestossene "Fridays for Future"-Bewegung. Was vergangenen Sommer vor dem Schwedischen Reichstag in Stockholm begann, hat sich zu einer globalen Schülerbewegung entwickelt. Am Freitag, 15. März, wird auf der ganzen Welt gestreikt, allein in der Schweiz werden rund 100'000 Demonstrantinnen und Demonstranten erwartet.

Die Schülerstreiks führen zu hitzigen Diskussionen – in den Kommentarspalten, den Sozialen Medien und am Zmittagstisch. Manche Aussagen sind schlichtweg irrsinnig – etwa, dass es sowas wie die Klimaerhitzung gar nicht gibt. Andere basieren auf Missverständnissen oder schlicht Unwissen. Zeit für eine Richtigstellung.

  • "Auf die Strasse gehen bringt eh nichts"
    Schülerdemos sind nichts Neues – das zeigen Beispiele wie die Studentenbewegungen der 1960er-Jahre oder die Demo gegen den Irakkrieg, an der 2003 Zehntausende Schüler (notabene mit ihren Lehrern) teilnahmen. Proteste lenken die Aufmerksamkeit auf ein Thema und bringen wichtige Debatten in die Politik und Gesellschaft – das haben die vergangenen Wochen gezeigt. Sogar bürgerliche Ständeräte befürworten jetzt eine Abgabe auf Flugtickets. Vielen bleibt auch gar nichts anderes übrig, als auf die Strasse zu gehen: Manche Streikende sind noch unter 18. Sie können also weder abstimmen, noch Politiker wählen, die sich für ihre Begehren einsetzen – während täglich über ihren Kopf hinweg Dinge entschieden werden, die sich auf ihre Zukunft auswirken.
  • "Die Streikenden sind alles Heuchler"
    Oft liest man in den Kommentarspalten, die Schülerinnen und Schüler würden für etwas kämpfen, wofür sie gar nicht selbst stehen. Um sie ernst nehmen zu können, dürften sie keine Markenturnschuhe tragen, müssten immer nachhaltig reisen und sich vegan ernähren. Ein Trugschluss. Klar ist jeder Schritt zu einem nachhaltigen Lifestyle zu unterstützen. Bei den Klimademos gehts allerdings ums grosse Ganze. "System change, not climate change", wird skandiert. Die Anreize, seinen eigenen Konsum einzuschränken, sind schlicht zu klein. Warum soll ich mich ändern, während alle anderen fröhlich weiter konsumieren? Damit die Klimaziele auch nur annähernd erreicht werden können, braucht es einen Systemwandel. Siehe nächster Punkt.
  • "Selber handeln bringt mehr als demonstrieren"
    Kürzlich hat ein Facebook-User geschrieben, es bringe mehr, wenn man bei Verlassen des Raumes das Licht ausschaltet und den Zug zur Arbeit nimmt, statt fürs Klima auf die Strasse zu gehen. Viele Schweizer und Schweizerinnen unterschätzen leider die Grösse ihres ökologischen Fussabdrucks, während sie die positiven Auswirkungen ihres Avocado-Verzichts und ihrer Velonutzung masslos überschätzen. Nur 100 Unternehmen sind für fast drei Viertel der industriellen Treibhausgas-Emissionen weltweit verantwortlich. Lasst uns unbedingt weiterhin das Velo nehmen, wenig Fleisch essen und nicht stundenlang duschen. Dennoch brauchts den Klimanotstand sowie Konzerne, die Verantwortung übernehmen.
  • "An einer Schülerdemo haben Erwachsene nix verloren"
    Bei der grossen Klimademo am 2. Februar lief ich kurze Zeit neben SP-Nationalrätin Jacqueline Badran her. Sie war sehr berührt, dass so viele Leute gekommen waren, und meinte zu ihrer Begleitung: "Das ist unfassbar toll. Wenn man mir vor zwanzig Jahren gesagt hätte, dass einmal so viele Leute – Junge und Ältere gemeinsam – fürs Klima auf die Strasse gehen – Ich hätts nicht geglaubt." Ganz egal, wie alt: Jede Person, die am Freitagnachmittag fürs Klima auf die Strasse geht, setzt sich dafür ein, dass unsere Erde – wohlgemerkt die einzige – bewohnbar bleibt. Und das sollte einem der Ärger mit dem Abteilungsleiter oder der Chefin schon wert sein.
  • "Was soll die kleine Schweiz schon bewirken?"
    Die Entwicklungsländer seien das grösste Problem, da müsse man ansetzen, heisst es von Seiten der Kritiker. Dabei ist Deutschland der sechstgrösste Treibhausgas-Verursacher der Welt, und pro Kopf verbraucht ein Schweizer fast zehnmal mehr CO2 wie ein Bewohner Bangladeschs und 36-mal mehr als jemand in Äthiopien. Klar, China und die USA sind noch viel grössere Klimasünder. Doch die Schweiz verfügt sowohl über das Kapital als auch das Know-how, um mit gutem Beispiel voran zu gehen und andere Länder beim Systemwandel zu unterstützen.
  • "Die Streikenden haben schlichtweg naive Forderungen"
    Bis 2030 soll die Schweiz ihre Emissionen auf null reduzieren, fordert die Klimastreik-Bewegung. Ein ehrgeiziges Ziel. Und das ist auch gut so. Es braucht extreme Forderungen, denn die Zeiger der Klimaerhitzung stehen nicht auf fünf vor Zwölf, sondern genau genommen auf zehn nach Zwei. Ausserdem: Wie viele Männer und sogar Frauen haben die Einführung des Frauenstimmrechts anfangs für absurd gehalten? Eben.
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