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Was sich Klimastreikende von Schweizer Medien wünschen

von Friday Magazine

23 SEPTEMBER 2019

Life

Am Montag besuchte die Klimastreik-Bewegung verschiedene Medienhäuser und suchte den Dialog mit Journalistinnen und Journalisten. Wir haben nachgefragt, wo die Jugendlichen Verbesserungspotenzial sehen.

Im Rahmen ihrer Action Week hat die Klimastreik-Bewegung am Montag den sogenannten Media Action Day ins Leben gerufen. Die Jugendlichen starteten um acht Uhr morgens vor dem Gebäude der "Neuen Zürcher Zeitung", um bei Kaffee und Kuchen mit Journalistinnen und Journalisten über die Klimakrise zu sprechen und wie man angemessen über dieses Thema berichtet. Auf Post-its klebten sie Wünsche an die Medienhäuser an die Aussenwände.

Am Nachmittag kamen die Streikenden vor dem Tamedia-Gebäude an, in dem sich auch die Friday-Redaktion befindet. Wir haben mit vier Vertreterinnen und Vertretern der Bewegung gesprochen und sie gefragt: Was wünscht ihr euch von den Schweizer Medien? Das haben sie geantwortet:

Fakten nicht als Meinung ausgeben

Ich wünsche mir, dass die Medien angemessen über die grösste Krise, der wir Menschen wir uns je stellen mussten, berichten. Zum Glück hat sich die Berichterstattung im letzten Jahr verbessert. Aber noch immer werden wissenschaftliche Fakten als Meinung dargestellt und Klimawandel-Leugner dürfen zu Wort kommen. Ausserdem gehts ständig um individuelle Verhaltensveränderungen, statt um die Fehler in unserem System. Die beste Berichterstattung über die Klimaerhitzung gibts mit Abstand beim "Guardian" – da können sich die Schweizer Medienhäuser noch eine Scheibe abschneiden. Völlig daneben finde ich, dass Menschen, die klar durch Lobbying beeinflusst wurden, Meinungstexte verfassen dürfen und so Unwahrheiten verbreiten. Matthias, 22

Bewegung nicht verniedlichen

Ich wünsche mir, dass wir eine Stimme bekommen und erhört werden. Die Fakten sollen es ungeschönt in die Zeitung schaffen und die Bewegung nicht verniedlicht werden – so à la "die Klimajugend kämpft ein bitzeli um ihre Zukunft". Die Dringlichkeit sollte endlich bei den Menschen ankommen. Paula, 15

Text-Praktikantin Anaïs und Redaktorin Gloria im Gespräch mit den Klimastreikenden.
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Text-Praktikantin Anaïs und Redaktorin Gloria im Gespräch mit den Klimastreikenden.

Klimakrise statt Klimawandel schreiben

Momentan passiert in den Schweizer Medien einfach zu wenig. Es wird zwar darüber berichtet, aber im Vergleich zu der riesigen Auswirkung mit der wir konfrontiert sind, steht die Berichterstattung in keinem Verhältnis. Sie bekommt nicht genug Raum und Regelmässigkeit: Konkret kann das in der Berichterstattung schon anfangen mit dem Wortlaut. Statt "Klimawandel" Klimakrise schreiben – das ist eine kleine Änderung, die aber wahnsinnig viel auslösen kann bei den Menschen, die das lesen. Ausserdem sollen die Fakten mitsamt den Auswirkungen erläutert werden, damit die Leserin oder der Leser das durchdenken muss. Mir fehlen auch Möglichkeiten, die aufzeigen, wie man damit umgehen kann. Cool wäre auch, wenn mehr positive Beispiele in den Medien stattfinden – so könnte vermieden werden, dass es den Leserinnen und Lesern vor lauter Schreckensnews irgendwann ablöscht. Samira, 22

Der Rolle bewusst werden

Ich wünsche mir, dass sich die Medien und die Journalistinnen und Journalisten überlegen, was ihre Rolle in der Klimakrise ist und wie sie einen Beitrag dazu leisten können, dass wir diese Krise gemeinsam lösen können. Neben dem Staat sind sie schliesslich die einzige Macht, die die ganze Bevölkerung informieren kann. Matthias, 19

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