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Karl Lagerfeld will einfach nicht abtreten

von Christina Duss

6 DEZEMBER 2018

Fashion

Der Stardesigner ist 83 Jahre alt – und sein Alter macht sich immer deutlicher bemerkbar. Sollte er seinen Posten nicht einem jüngeren Talent überlassen?

Auf Karl Lagerfeld ist Verlass, zumindest in Sachen Kulisse: Seine Chanel Metiers d’Art 2018/19 Show am Dienstagabend in New York war dem alten Ägypten gewidmet – die Show fand im ägyptischen Flügel des Met-Museums statt. Vor dem Tempel von Dendur, der aus dem Jahr 10 v. Chr. stammt, liefen die Models in glitzernd bestickten Kleidern über den Laufsteg, darunter auch Pharrell Williams als eine Art Streetstyle-Pharao. Der Musiker ist eine von Lagerfelds Musen – bald sollen wir seine Design-Kooperation mit dem französischen Modehaus zu sehen bekommen. Ja, das Unternehmen hat durchaus zeitgeistige Ideen: Kurz vor der Show in New York erklärte das Unternehmen etwa, dass man zukünftig auf exotisches Leder und Pelz verzichten werde.

Der König auf Lebzeiten

Trendweisend ist Chanel allerdings schon lange nicht mehr. Karl Lagerfeld, seit 1984 bei Chanel, regiert in einer Modewelt, die sich in einer Sphäre ausserhalb der aktuellen Hypes befindet: Guccis Alessandro Michele ist der kleine Prinz, der weiss, wie seine Untergebenen ticken, Karl Lagerfeld ist der König, der im Halbdunkeln auf dem Thron döst.

Und der König ist alt geworden. Das fällt nun von Show zu Show immer mehr auf. In New York liess er sich am Arm seiner wichtigsten Designerin Virginie Viard und neben seinem Göttibuben Hudson Kroenig über den Catwalk helfen. Lagerfeld machte kleine Schrittchen, gemäss eigenen Angaben ist er jetzt 83 Jahre alt, er wirkt nicht mal mehr wie ein aktiver Pensionär. Wie lange will er sich das noch antun?

Bleibt er oder kommt die Kronprinzessin?

Viele vermuten, dass sich der Designer, der bei Chanel einen Vertrag auf Lebzeiten hat, dem Modehaus bis ans Ende seines Lebens vorstehen wird. Und doch spricht gerade vieles dafür, dass ganz grosse Veränderungen anstehen: Dieses Jahr hat das Modehaus praktisch unbemerkt von der Öffentlichkeit eine private Holding-Firma mit Sitz in London eröffnet, die nun als neuer Hauptsitz des Unternehmens fungieren wird. Insider sehen darin bereits Zeichen dafür, dass sich Chanel mit seinem London-Schachzug fit für das nächste Kapitel macht: Karl Lagerfelds Kronprinzessin und Nachfolgerin soll niemand geringeres als Phoebe Philo werden, die ehemalige Star-Designerin von Céline. Die Beweislage bleibt aber weiterhin dürftig. Einziges Indiz: Philo soll kein grosser Paris-Fan ein und könnte deshalb vielleicht Chanel nach London gelockt haben.

Vor Kurzem hat das Unternehmen zum ersten Mal in seiner 108-jährigen Geschichte offizielle Zahlen veröffentlicht. Der Umsatz betrug im Jahr 2017 9,6 Milliarden Schweizer Franken. Das sind 12 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Chanel ist noch immer ein Selbstläufer. Läge da sogar noch mehr drin, wenn man wieder eine pointiertere modische Richtung einschlagen würde?

Was auch immer geschieht: Man wünscht sich wirklich nicht, dass sich der grosse Karl Lagerfeld seine Standing Ovations im Rollstuhl abholen muss.

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