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Das grosse Q&A zum Thema Kaffee

von Marie Hettich

23 FEBRUAR 2020

Health

Wie viel Kaffee ist zu viel Kaffee? Und ist Kaffee vor dem Schlafengehen wirklich tabu? Thomas Rosemann, Professor für Hausarztmedizin an der Uni Zürich, beantwortet 10 Fragen zu unserem Kaffeekonsum.

  • Ist Kaffee gesund?
    "Definitiv! Das ist mittlerweile sehr gut belegt. Kaffee senkt unter anderem das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten sowie für Tumore. Vor einigen Jahren hat eine Studie ergeben, dass Kaffeetrinken das Bauchspeicheldrüsenkrebs-Risiko erhöhe – mittlerweile wissen wir aber, dass das Gegenteil der Fall ist: Auch hier sinkt das Risiko. Die Studie damals hatte nicht berücksichtigt, dass Kaffeetrinker oftmals auch rauchen – und die Zigaretten das sind, was das Krebsrisiko signifikant erhöht."
  • Sollte man lieber koffeinfreien Kaffee trinken?
    "Das kommt ganz darauf an, ob man die stimulierende, kreislaufanregende Wirkung des Koffeins spüren möchte oder nicht. Die vielen gesundheitlichen Benefits, die sich entfalten, wenn man über eine lange Zeit regelmässig Kaffee trinkt, sind bei koffeinfreiem Kaffee ganz genauso gegeben wie bei herkömmlichem. Schwangeren Frauen wird empfohlen, weitestgehend auf Koffein zu verzichten."
  • Warum wirkt Kaffee bei jeder Person anders?
    "Zunächst ist entscheidend, wie gross und schwer ein Mensch ist: Bei einem grossen Mann mit höherem Blutvolumen verdünnt sich die Koffeinmenge stärker als bei einer kleineren Frau. Man muss auch wissen, dass der Koffeingehalt je nach Zubereitungsweise des Kaffees stark variiert: Filterkaffee ist beispielsweise deutlich stärker als Espresso, weil die Kontaktzeit zwischen dem heissen Wasser und dem Kaffee länger ist. Ausserdem verstoffwechseln Menschen Koffein unterschiedlich: Manche bauen es innerhalb einer halben Stunde ab und manche brauchen einige Stunden dafür."
  • Wirkt sich Koffein je nach Zyklusphase anders bei Frauen aus?
    "Dazu sind mir keine Untersuchungen bekannt. Ich möchte nicht ausschliessen, dass es bestimmte Zyklusphasen gibt, in denen Koffein noch einen Ticken stimulierender wirkt – aber die Unterschiede sind sicher sehr gering."
  • Wie viel Kaffee ist zu viel Kaffee?
    "Prinzipiell kann jeder Mensch so viel Kaffee trinken, wie er will. Wer sich etwas Gutes tun und die gesundheitlichen Benefits optimal ausschöpfen möchte, sollte im Idealfall etwa vier Tassen am Tag trinken. Wenn man acht bis neun Tassen trinkt, nehmen die Benefits wieder ab und man hat dasselbe Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten und Krebs wie ein Nicht-Kaffee-Trinker. Aber schädlich ist Kaffee nie – selbst bei Menschen, die literweise Kaffee zu sich nehmen, sind mit Sicherheit keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit zu erwarten."
  • Kann man eine Koffein-Überdosis erleiden?
    "Ja, das kann passieren – gerade wenn man zum Typ zählt, der Koffein sehr langsam verstoffwechselt. Eine Koffein-Überdosis äussert sich häufig durch allgemeines Unwohlsein, Herzrasen, Übelkeit oder auch Schwitzen. Allzu lang dürften die Symptome aber nicht anhalten, da Koffein wasserlöslich ist und man es rasch wieder ausscheidet."
  • Gibt es kaffeesüchtige Menschen?
    "Sucht impliziert ja immer etwas Negatives – und das trifft beim Kaffee schlichtweg nicht zu. Kaffee ist ein reines Genussmittel. Dementsprechend ist es falsch, Kaffee auf eine Stufe mit Zigaretten oder Alkohol zu stellen."
  • Ist Kaffee vor dem Schlafengehen tabu?
    "Studien haben gezeigt, dass Koffein nach der unmittelbaren Einnahme sogar schlaffördernd wirkt. Wer also einen Espresso trinkt und sich kurze Zeit später ins Bett legt, sollte sehr gut einschlafen können. Wenn man noch eine Weile wach bleibt, wirkt der Espresso – vor allem wenn die Person das Koffein langsam verstoffwechselt – eher anregend. Dann könnte es schwierig werden mit dem Einschlafen."
  • Stimmt es, dass Kaffee Angst auslösen oder verstärken kann?
    "Es kann sein, dass man die anregende Wirkung von Koffein als negativ empfindet. Die physischen Reaktionen nach einer Tasse Kaffee ähneln ja der einer Angstreaktion – dann kann es passieren, dass man den erhöhten Puls unbewusst mit Angstgefühlen in Verbindung bringt. Aber mir wäre keine einzige seriöse Studie bekannt, die einen Zusammenhang zwischen Kaffee und Angstreaktionen festgestellt hat. Wie bei allem gilt: Was einem nicht gut tut, sollte man bleiben lassen."
  • Muss das Glas Wasser zum Kaffee sein?
    "Man ist früher immer davon ausgegangen, dass Kaffee ausschwemmend wirkt – man hat zum Beispiel auf den Intensivstationen den Kaffee nicht zur Flüssigkeitszufuhr gezählt. Das hat man mittlerweile korrigiert: Kaffee gilt heute als Flüssigkeit. Von daher muss man den Kaffeekonsum auch nicht mit Wasser ausgleichen. Aber es schadet natürlich auch nicht."
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