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Können wir uns endlich mal in echt supporten?

von Karin Zweidler

17 OKTOBER 2017

Life

Feminismus ist trendy, Insta-Feeds platzen vor #Girlpower. Das ist schön, findet Redaktorin Karin Zweidler. Noch besser fände sie es, wenn die Parolen auch im echten Leben gelten würden.

"Girls support girls" steht rot und fett auf ihrem Jutebeutel. Ja!, denke ich, genau!, sprinte mit Anflügen von Wir-Gefühl im Bauch zur Besitzerin, die mir gerade in der Innenstadt entgegen schlendert, gebe ihr ein Taschen-Kompliment mit auf den Weg und meine es gut. Statt kurz zurückzulächeln, scannt mich die Frau am Beutel von oben bis unten, presst ein wenig erfreutes, dafür ziemlich abschätziges "Ähm..., danke" raus und meint es: nicht so gut. Anscheinend sind wir nicht im gleichen Team.

Feminismus ist trendy, schon länger. Mein Insta-Feed trägt Frida-Kahlo-Socken, platzt vor #girlpower und feiert die Frau. Who run the world? Na, Girls! Und zwar alle zusammen. Wir finden uns gegenseitig toll, kämpfen zusammen für Gleichheit, sind gemeinsam stark: In Hashtags, auf Shirts und so, dass es alle sehen. Das ist wunderbar. Oder wärs – wenn wirs auch im echten Leben durchziehen würden.


Wir sind lieber streng als nett miteinander

Dort haperts aber leider noch. Abseits von Instagram sind Frauen statt nett oft lieber erstmal streng miteinander. Neue Girls auf der Bildfläche machen misstrauisch.

Beispiele dafür? Gibts genügend. Etwa der Geburtstagsapéro, an dem ich niemanden kenne und mich im Vorfeld am meisten vor den abschätzig-urteilenden Blicken der eingeschworenen Frauenclique fürchte. Die beste Freundin eines Ex-Freundes, die mit allen über alles, nur mit mir über nichts reden wollte. Fange ich Gespräche in neuen Runden an, haben viel zu viele – vor allem wenn auch Männer da sind – nicht wirklich Bock drauf. Und das Schlimmste: Auch ich erwische mich bei Gedanken wie "Die hält aber viel von sich", wenn die Wahnsinns-Frau im freizügigen Outfit neben mir exzentrisch tanzt und sich dabei pudelwohl fühlt. Können wir das bitte alle sofort lassen?

Comfortzone statt Battlefield

Ich verstehe diese Dynamik nämlich nicht. Oder nur halb. Sehen wir uns gegenseitig als Bedrohung, machen das also alles vor allem wegen den Männern? Weil die andere schöner oder klüger sein könnte, besser ankommen oder uns den Freund wegschnappen könnte? Vielleicht. Haben wir es von klein auf beigebracht bekommen, andere Frauen zu be- und verurteilen? Vielleicht.

Sicher ist: Es ist nicht wirklich klug. Wir müssen nicht jede andere Frau toll finden, nur weil wir selber eine sind. Wir dürfen sie sogar richtig blöd finden. Aber wir könnten damit warten, bis es einen guten Grund dafür gibt. Wir könnten wohlwollend sein, statt verurteilend. Uns gegenseitig eine Chance geben und es uns endlich grosszügig sagen, wenn wir einander toll, klug, beeindruckend finden. Wir könnten Comfortzone füreinander sein, statt Battlefield. Denn wir wollen ja schlussendlich alle eins: #girlpower. Und zwar nicht nur auf Taschen und in Instafeeds – sondern auch im echten Leben.

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