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"Jede Person sollte sich sterilisieren lassen dürfen"

von Alisa Fäh

9 JANUAR 2019

Life

Eure Reaktionen auf unsere Story über die verweigerte Sterilisation bei einer jungen Frau haben gezeigt: Die Geschichte ist kein Einzelfall.

Eine 28-Jährige hat vor zwei Jahren ein Kind bekommen und weder sie noch ihr Mann wünschen sich weiteren Nachwuchs. Dennoch verwehrt ihr ein Arzt nach dem anderen eine Sterilisation, wie sie in einem längeren, emotionalen Thread auf Twitter erzählte. Häufigste Begründung: Sie sei noch zu jung, der Kinderwunsch könne sich auch später noch entwickeln.

Wir haben euch nach eurer Meinung gefragt und sind von den Reaktionen ergriffen. Danke für eure Kommentare!

"Mein gesamtes Umfeld kann das nicht akzeptieren"

Viele von euch haben ähnliche Erfahrungen wie die Twitter-Userin gemacht. Der ausbleibende Kinderwunsch treffe aber nicht nur bei Ärzten auf Unverständnis, wie Userin Sandy schildert: "Mein gesamtes Umfeld kann das weder akzeptieren noch glauben. Immer wieder heisst es, wenn du älter bist, siehst du das anders."

Dass der Wunsch nach einer Sterilisation bei Frauen einfach ignoriert wird, kann auch weitere Folgen haben, wie Userin Nat schreibt: "So viele Frauen bekommen auf diesem Wege noch ein Kind "untergeschoben"; obwohl sie das nie wollten."

Voicesinmyhead

"Mir wurde die Behandlung verweigert, bis ich ein bestimmtes Alter erreicht habe."

Die Entscheidung zu einer Sterilisation kann auch gesundheitliche Gründe haben: Userin Voicesinmyhead leidet unter starken Monatsblutungsschmerzen. Mit 28 wollte sie sich darum die Gebärmutter entfernen lassen – konnte ihre Gynäkologin aber erst fünf Jahre später davon überzeugen: "Glücklicherweise gilt diese Entfernung als krankheitsbedingt und wird somit von der Krankenkasse übernommen. Aber genau hier liegt doch der Fehler: Meine Schmerzen sind als Krankheit anerkannt, aber da von der Gesellschaft erwartet wird, dass ich als gebärfähige Frau Kinder haben will/muss, wurde mir die Behandlung verweigert, bis ich ein bestimmtes Alter erreicht habe."

Userin ivana hat eine andere Erfahrung gemacht: Darüber, dass ihr die Ärzte die Sterilisation vor Jahren verweigert haben, ist sie heute glücklich: "Ich habe mit 18 und 20 schon Kinder bekommen und war überzeugt, keins mehr zu wollen. Mit 30 kam der Kinderwunsch dann nochmal – ich habe nun drei Kinder und bin unendlich dankbar dafür, dass die Ärzte mich damals abblitzen liessen."

Auswirkungen auf Hormone

Userin Pferdeschweif versteht, dass Frauen über ihren Körper selbst bestimmen möchten – hat aber auch einen gesundheitlichen Einwand: "Wenn man das Ganze aus der Hormonperspektive anschaut, müssten die Ärzte eigentlich eine Gebärmutter-Entfernung respektive eine "Unterbindung" ablehnen oder zumindest so lange wie möglich hinauszögern, wenn es sich nicht unmittelbar um eine "akute" Erkrankung handelt, da der ganze Östrogenspiegel damit verbunden ist..."

Bei euren Geschichten schwingt eine Aussage immer mit: Frauen werden mit ihrem Wunsch nach einer Sterilisation oft nicht ernst genommen – das muss sich dringend ändern. Dafür fand Userin snickers passende Worte: "Jede Person sollte sich sterilisieren lassen dürfen, wenn sie das möchte. Unabhängig von Geschlecht und Alter. Alles andere ist Bevormundung, und dies sollte es in unserer freien Welt doch echt nicht mehr geben."

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