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Ja, ich bin Feministin – und liebe Make-up

von Alisa Fäh

4 DEZEMBER 2018

Life

Textpraktikantin Alisa schminkt sich leidenschaftlich gern – und muss sich darum so einiges anhören. Make-up und Feminismus sind widersprüchlich? Absoluter Quatsch, findet sie.

"Wie kannst du Feministin sein und gleichzeitig Make-up lieben?" werde ich oft vorwurfsvoll gefragt. Was ich mich dann frage: Warum muss sich das gegenseitig ausschliessen? Wer Make-up mag, kann sich gleichzeitig auch für wichtige und ernste Themen interessieren. Lipgloss, Lidschatten und Co. ändern meine Einstellung zu Gleichberechtigung und Sexismus nicht. Ich setze mich unter anderem für Lohngleichheit ein und trage dabei falsche Wimpern. Wo liegt da denn bitte das Problem?

Indem ich mich "schön" mache, würde ich mich dem gesellschaftlichen Ideal anpassen, wird mir gern an den Kopf geworfen. So "selbstbewusst und unabhängig" könne ich unter dem ganzen Make-up also gar nicht sein. Mir wird Oberflächlichkeit unterstellt – oberflächlich ist es doch aber, von meinem Äusseren auf meine Werte und Haltung zu schliessen. Ich stimme zu, wenn man sagt, wir sollten uns keinem Schönheitsdiktat unterwerfen und uns von der Beautyindustrie keine Makel einreden lassen. Aber ich finde auch, dass Frauen selbst über ihren Körper bestimmen sollen – dazu gehört auch Make-up. Was auf meinem Gesicht stattfindet, geht niemanden etwas an. Warum muss das immer noch kommentiert werden? Ich möchte tun und lassen, was ich will, und dabei nicht bevormundet werden. Weder von Männern noch von Frauen.

Ich kann mich auch ungeschminkt leiden

"Du hast das ganze Make-up doch gar nicht nötig": Was mein Grosi vielleicht tatsächlich als Kompliment meint, ist trotzdem unangebracht. "So gefällst du mir viel besser, du solltest dich weniger schminken" hat ein Typ mal zu mir gesagt, als ich nach dem Knutschen ohne Lippenstift und mit abgetragener Foundation dastand. Was mich daran aufregt: Die Annahme, dass Frauen sich schminken, um Unsicherheiten zu verstecken und Männern zu gefallen. Nein, ich verstecke nichts – ich kann mich auch ungeschminkt gut leiden. Und ich suche keine Aufmerksamkeit. Wenn ich vor dem Spiegel sitze, überlege ich kein einziges Mal, ob ein Mann meinen Highlighter wohl schön findet.

Der wahre Grund, warum ich mich gern schminke: Weil es mich fasziniert, verschiedene Texturen, Tools und Techniken auszuprobieren. Weil ich es spannend finde, welches Konturpuder am besten mit meiner Haut verschmilzt und welcher Glitzer-Lidschatten die ganze Nacht hält. Weil mein Beautyritual am Morgen der Moment ist, in dem ich mir Zeit nur für mich selbst nehme und das dazu noch entspannend ist – Schminken ist bitzeli wie Malen nach Zahlen, nur im Gesicht. Und vor allem: Weil es eine Möglichkeit ist, mein Aussehen an meine Stimmung anzupassen. Ob ich mich super glowy schminke oder mir einen fetten Lidstrich ziehe, entscheide ich jeden Tag aufs Neue.

You do you, boo

Wer es nervig findet, Make-up aufzutragen, soll keine weitere Minute vor dem Spiegel verbringen. Wenn Wimperntusche nur ein lästiger Teil der Morgenroutine ist, dann ab in den Müll damit. Aber ob man sich schminkt oder nicht – dafür soll niemand ein schlechtes Gewissen eingetrichtert bekommen. Selbstbewusst und unabhängig können wir nämlich mit oder ohne Glitzer im Gesicht sein.

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