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Neue Studie zum Intervallfasten sorgt für Diskussionen

von Gina Buhl

29 AUGUST 2019

Health

Abnehmen mit Intervallfasten ist angesagt. Doch wie sinnvoll sind die Essenspausen wirklich? Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Graz haben das jetzt untersucht.

Das Prinzip des Intervallfastens ist easy: Es gibt Phasen von Essenspausen und es gibt Zeitfenster, in denen quasi alles gegessen werden darf. Die bekannteste Form ist die 16:8-Methode. Bei dieser darf acht Stunden lang alles gemampft werden – danach wird 16 Stunden lang gefastet.

Scrollt man durch Foren und Insta-Feeds, stösst man schnell auf unzählige Menschen, die diese Methode ausprobiert haben und von zahlreichen positiven Effekten berichten: Gewichtsverlust, bessere Stimmung, mehr Energie, um nur ein paar zu nennen. Der Haken: Wissenschaftliche Studien zum Essensverzicht sind bisher eher umstritten und rar.

Neue Studie, neue Diskussionen

Forschende der Universität Graz haben nun eine Studie veröffentlicht, die für neuen Diskussionsstoff sorgt. Das Team um Frank Madeo vom Institut für Molekulare Biowissenschaften wollte herausfinden, wie sich eine strengere Form des Intervallfastens – das alternierende Fasten – auf den Körper auswirkt.

Dafür teilten sie 100 gesunde, normalgewichtige Menschen in zwei Gruppen auf und baten sie, sich ein halbes Jahr folgende Vorgaben zu halten: Die 50 Teilnehmenden der ersten Gruppe sollten einen Tag lang fasten und einen Tag normal essen. Die anderen 50 durften wie gewohnt weiter essen.

Blutdruck, Knochendichte, Insulinwerte

Im Anschluss wählten die Forschenden 25 von ihnen aus, die sich über vier Wochen an das Fastenprogramm der Gruppe eins hielten. So wollten sie kurzfristige und langfristige Effekte des Fastens untersuchen. Die Forschenden beobachteten nicht nur den Zuckerwert der Teilnehmenden (damit sie nicht schummeln konnten), sondern erhoben auch tausende Daten von Gewichtsverlust, über Knochendichte und Blutdruck bis zu den Insulinwerten.

Bereits nach vier Wochen positive Effekte

Das Beeindruckende: Schon nach vier Wochen einer solchen Intervallfasten-Diät gabs jede Menge gesundheitliche Pros für die fastenden Teilnehmenden: Die Menge des sogenannten viszeralen Fetts (das Fett, das das Organe umgibt) verringerte sich. Dieses Fett gilt als besonders gefährlich, weil es den Zuckerstoffwechsel stört und den Blutdruck erhöhen kann. Durch diesen Fettabbau stieg selbst an Nicht-Fastentagen der Anteil von Ketonen. Warum das die Forschenden freut? Weil in vorangegangenen Studien gezeigt werden konnte, dass diese Nebenprodukte des Körpers, die bei einer geringer Kohlenhydrataufnahme entstehen, die Stimmung aufhellen und Entzündungen hemmen können.

Was noch sank war die Menge einer bestimmten Eiweissform, die im Verdacht steht, den Alterungsprozess zu beschleunigen – und der Cholesterinspiegel. Ach und: Die Teilnehmenden nahmen auch ab – dreieinhalb Kilo in vier Wochen.

Neue Standardmethode für Übergewichtige?

"Mich hat überrascht, dass die Probanden dieses doch recht harte Regime mit einem Tag Essen und einem Tag Fasten erstaunlich gut durchgehalten haben", so der Biochemiker und Studienleiter Frank Madeo gegenüber dem "Spiegel". Er sei ausserdem erstaunt gewesen, dass bloss vier Wochen ausreichten, um das Bauchfett zum Schmelzen zu bringen. Dass sich die Herzfunktionen selbst bei gesunden Menschen verbessert hatten, stufe er als grossen Erfolg ein.

Sein Team sei absolut begeistert von den Ergebnissen. "Wir können uns gut vorstellen, dass alternierendes Fasten zum Standard in der Gewichtsreduktion werden könnte."

Andere Forschende sind kritisch

Wissenschaftler, die nicht an der Studie beteiligt waren, stehen dieser Euphorie kritisch gegenüber. Der Gewichtsverlust und die Verbesserung von Stoffwechselparametetern sei "zu erwarten" gewesen und der Kalorienreduktion zuzuschreiben, sagt etwa Tilman Kühn vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg gegenüber dem "Stern".

Auch Jürgen König, Leiter des Departments für Ernährungswissenschaften an der Universität Wien, ist nicht begeistert. Denn mit nur 100 Teilnehmern insgesamt sei die Untersuchung nicht repräsentativ. Zudem sei nicht klar, ob die positiven Effekte wirklich auf das Fasten zurückgehen oder allein auf die Kalorienreduzierung. "Dazu wäre eine Kontrollgruppe erforderlich gewesen, die mit einer anderen Form des Fastens ein ähnliches Ausmass an Energiereduktion erreicht, wie die Gruppe mit alternierendem Fasten."

Scheint, als wäre die Frage zu den nachweisbaren gesundheitlichen Vorteilen des Fastens noch nicht beantwortet. Daran ändert auch die aktuelle Studie nichts.

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