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Netflix

Die neue Netflix-Serie "Insatiable" ist ein Skandal

von Sonja Siegenthaler

14 AUGUST 2018

Entertainment

Eine Unterschriftenaktion sollte schon im Voraus den Start der Netflix-Serie "Insatiable" verhindern. Trotzdem ist sie nun online – Modeassistentin Sonja hat reingeschaut.

Die neue Netflix-Serie "Insatiable" polarisiert. Der Grund dafür ist schnell zusammengefasst: Die Protagonistin ist ein unglückliches, übergewichtiges Mädchen, das durch einen komischen Zufall 35 Kilos abnimmt. Als schlanke Frau liegt ihr dann die Welt zu Füssen. In einer Zeit, in der die Body-Positivity-Bewegung Frauen jenseits des unrealistischen Schönheitsideals Selbstvertrauen vermitteln will, ist das nun definitiv kein zeitgenössischer Plot.

Ich war neugierig und habe mir die erste Episode angeschaut. Mein Fazit: Diese Serie sollte es nicht geben. Wegen des unsäglichen Body-Shamings – und diesen vier weiteren Gründen:

  • Die Serie bedient Klischees Patty, übergewichtig und unbeliebt, sitzt zu Beginn der Serie vor einer Tankstelle und isst genüsslich ihren Schokoriegel, als ein Obdachloser sie nach Geld und ihrem Riegel fragt. Und was tut sie? Sie schlägt dem Obdachlosen mitten ins Gesicht, um ihren heissgeliebten Riegel zu verteidigen. Das Klischee von dicken Personen wird von A bis Z bedient: Niemand will mit ihnen befreundet sein, sie sind verfressen und haben keinerlei Selbstdisziplin.
  • Der Frauenkörper wird sexualisiert Weil Patty dem Obdachlosen die Nase gebrochen hat, wird sie verklagt. Da sich ihre Familie keinen Anwalt leisten kann, sind sie auf einen kostenlosen Beistand angewiesen. Hier kommt Bob ins Spiel: Pattys Mami bittet den Anwalt um Hilfe. Als dieser nicht sofort einwilligen will, bleibt der Mutter keine andere Möglichkeit, als ihren tiefen Ausschnitt in Szene zu setzen, Bob tief in die Augen zu schauen und "Bitte, Mister Armstrong, können Sie uns nicht helfen?" zu hauchen. Bei Weitem nicht der einzige Vorfall dieser Art: Den vorgeladenen Zeugen bringt Patty mit lasziven Blicken und zweideutigen Anspielungen gar zu einer Falschaussage. Die Moral der Geschichte: Setze deinen Körper richtig ein und du erreichst alles. Urgh.
  • Die Serie ist voller sexistischer Sprüche Von Bob fallen Sätze, die für mich als Frau degradierend sind, im Zehn-Minuten-Takt: "Hübsche junge Frauen brauchen keinen Vergleich im Gericht" sagt er seiner Klientin, als sich diese nach dem Stand des Gerichts erkundigt. Oder: "Könntest du bitte einfach nur rumstehen und schön aussehen in deinem Kleid, das ich dir gekauft habe?!" sagt er zu seiner Frau – gespielt von Alyssa Milano. Sehr ironisch: Die Schauspielerin rief vergangenes Jahr die #metoo-Bewegung ins Leben.
  • Frauen werden als Lügnerinnen dargestellt Als eine zielstrebige Missenanwärterin wegen Bobs gut gemeinten Rat den Sieg verpasst, behauptet deren enttäuschte Mutter einfach, er habe ihre Tochter sexuell belästigt. Sexuelle Gewalt erfinden, um sich zu rächen – da klatschen die Gegner der #metoo-Bewegung freudig in die Hände.




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