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Illustration: John Lisle

"Im Bewerbungs-Gespräch unbedingt das Gehalt ansprechen"

von Marie Hettich

4 JUNI 2018

Job & Budget

Was kommt im Bewerbungsgespräch gut an – und was überhaupt nicht? Wir haben bei jungen Schweizer Firmen und jenen Leuten nachgefragt, die entscheiden, wer eingestellt wird.

Wie liefen eure bisherigen Bewerbungsgespräche ab?

2014 Votes
  • Immer total locker – bisher hatte ich echt Glück! 40%
  • Mal so, mal so. 46%
  • Ich fand alle Gespräche furchtbar – aber ich bin auch jedes Mal supernervös. 13%
Jeannine Glausen, HR-Chefin beim Onlineshop Dicitec Galaxus

Was ist schlimmer beim Bewerbungssgespräch: den Kaugummi im Mund lassen oder dich mit dem falschen Namen ansprechen? Ich finde beides nicht schlimm – ausser die Person macht mit dem Kaugummi Blasen.

Womit schiesst man sich bei dir sofort ins Aus? Wenn ein Kandidat im Gespräch keine einzige Frage stellt.

Die fieseste Frage, mit der man von dir rechnen muss? Was sind deine Schwächen?

Was soll man darauf antworten? "Ich bin ungeduldig" oder "Ich neige zu Perfektionismus" wirkt abgedroschen. Besser ist es, Schwächen zu nennen, die der Bewerber in einer berufsbegleitenden Weiterbildung korrigieren kann.

Gibts Kleidungsstücke, die man besser nicht tragen sollte? Wir sind alle sehr locker, was die Kleidung anbelangt. Im Sommer kommt sogar die Geschäftsleitung mit kurzen Hosen und Flipflops ins Büro.

Tim Schaerer, Projektleiter bei der Social Content-Werbeagentur Monami

Dir ein Kompliment für dein Outfit machen – ja oder nein? Nein. Es sei denn, mein Outfit ist wirklich glorios.

Wie schlimm sind die sagenumwobenen Lücken im Lebenslauf wirklich? Schlimm? Spannend!

Ein Ratschlag für alle, die unglaublich nervös sind? Einfach sich mich nicht nackt vorstellen, bitte.

Das künftige Gehalt ansprechen: Go oder No-Go? Go! Unbedingt sogar. Gehört schliesslich zum Job – wie ein regelmässiger Team-Grillplausch.

Sollte man persönliche Anekdoten ins Gespräch einbauen? Ja. Es geht schliesslich primär um einen Menschen, der gut mit anderen Menschen auskommen muss.

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Illustration: John Lisle
Kim Petri, Creative Director und Inhaberin der Wellness-Studios Schminkbar

Wie viele Minuten Verspätung sind okay? Keine. Pünktlichkeit ist ein Must.

Was tun bei einem Blackout? Es direkt ansprechen: "Entschuldige, ich bin so nervös, dass ich doch tatsächlich ein Blackout habe."

Das Beste, was eine Bewerberin oder ein Bewerber je gemacht hat? Grossartig war die Idee einer Lehrstellenbewerberin, die sich ein T-Shirt drucken liess, auf dem stand: «Ich will hier in der Schminkbar arbeiten.» Sie bekam die Lehrstelle dann auch.

Und das Unmöglichste? Während des Vorstellungsgesprächs hat eine Bewerberin mal einen gespritzten Weisswein an der Bar bestellt.

Was wird unterschätzt? Ein fester Händedruck.

Was wird überschätzt? Dass man sich stark schminken und stylen sollte. Natürlichkeit ist bei uns sehr gefragt und willkommen.

Alisée de Tonnac, CEO und Mitbegründerin von Seedstars, einer Organisation, die Start-ups in Schwellenländern fördert

Was findest du unverzeihlich? Arroganz.

Und was unwiderstehlich? Wenn jemand eigenständig denken kann, flexibel und ein optimistischer Mensch ist.

Etwas, das über Bewerbungsverfahren gesagt wird, deiner Meinung nach aber gar nicht stimmt? Dass ein Topzeugnis alle Türen öffnet.

Welche Fragen sollte man dir stellen? Die kommen einem doch ganz automatisch in den Sinn, wenn man sich mit einem Unternehmen zuvor auseinandersetzt.

Bist du vor dem ersten Aufeinandertreffen selbst nervös? Nervös nicht, aber ich neige wie viele dazu, meine eigenen Fähigkeiten zu unterschätzen. Das kriegt man aber in den Griff – ich bin dran!

Astrid Koehli, HR-Chefin beim Brillenlabel Viu

Bei einer heftigen Erkältung lieber kommen oder absagen? Kommen und sich kurz zusammenreissen.

Auf welche drei Eigenschaften legst du besonders viel Wert? Teamfähigkeit, Selbstständigkeit, Verantwortungsbereitschaft.

Wie damit umgehen, wenn man furchtbar aufgeregt ist? Sich bewusst machen, dass wir auch nur Menschen sind – und den Bewerber von uns ja genauso überzeugen wollen.

Etwas, für das es von dir immer einen Pluspunkt gibt? Wenn der Bewerber bereits eine Viu-Brille auf der Nase hat. Das zeigt, dass er hinter dem Produkt steht.

Eine Frage von dir, die viele überrascht? Wofür brauchst du einen Chef?

Stellst du die Frage «Wo siehst du dich in fünf Jahren»? Nein – das weiss ich selbst noch nicht.

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