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"Ich komme monatlich mit 2000 Franken aus"

von Marie Hettich

6 MÄRZ 2019

Life

Wir haben mit drei Millennials gesprochen, denen ihre Freiheit wichtiger ist als ein üppiges Einkommen.

"Wenn eine hohe Rechnung ins Haus flattert, wirds stressig"
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David, 27, aus Frauenfeld TG

"Mein Leben als Freelancer hat zwei Nachteile: Ich muss mich konstant darum kümmern, dass etwas läuft – sonst kann es schnell passieren, dass man in eine unproduktive Chill-Phase reinrutscht, die einem psychisch nicht guttut. Zudem wirds richtig stressig, wenn eine hohe Rechnung ins Haus flattert, ich aber gerade wenig Geld auf dem Konto habe. Dann muss ich schauen, wie ich mir so schnell wie möglich etwas dazuverdienen kann. Eigentlich arbeite ich so viel wie die meisten anderen auch, nur werde ich eben nicht für alles bezahlt: Fürs Schreiben und für Tontechnik- Jobs bekomme ich Geld, alles andere mache ich ehrenamtlich. Ich bin zum Beispiel Mitbetreiber in einem Club und bei einem Festival im OK. Zudem mache ich Musik und Medienkunst. Diese kreative Arbeit, bei der es nur um die Freude oder die Erfahrung geht, ist mir extrem wichtig. Deshalb könnte ich mir niemals vorstellen, irgendwo mehr als 60% angestellt zu sein. Mein Vater hat immer so viel gearbeitet – ihm blieb kaum Zeit für irgendetwas anderes."

"Der ständige Konsum fehlt mir überhaupt nicht mehr"
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Caroline, 27, aus Dübendorf ZH

"Ich komme monatlich mit 2000 Franken aus. Anfangs musste ich mich daran gewöhnen, so wenig Geld ausgeben zu können. Mittlerweile fehlt mir dieser ständige Konsum überhaupt nicht mehr. Seit drei Jahren jobbe ich drei bis viermal die Woche sechs Stunden lang in einem Suppen-Take-away. Jeden Morgen und jeden Abend habe ich viel Zeit für mich, kann malen, Gitarre spielen oder einfach spazieren gehen. Nach meiner KV-Lehre war ich für ein halbes Jahr in Südamerika unterwegs – da hat sich etwas in mir verändert. Mir wurde bewusst, wie stark wir Schweizer uns über unseren Job und den Lebenslauf definieren. Obwohl ich nach dem Trip noch verschiedene Berufe ausprobiert habe, bin ich nirgendwo so richtig angekommen. Seit ich viel Zeit zur freien Verfügung habe, bin ich ganz bei mir, habe viel mehr Energie und sprudle vor Ideen. Auch finde ich toll, dass in meiner Agenda immer Platz für spontane Projekte bleibt: Gerade organisiere ich zum Beispiel eine Retreat-Woche für Frauen mit."

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"Es braucht mehr Managerposten mit Teilzeitpensum"
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Bianca, 29, aus Illnau ZH

"Am 4. Dezember 2018 sind mein Freund und ich in ein Flugzeug nach Bangkok gestiegen. Seither reisen wir durch Asien – einen Rückflug haben wir noch nicht gebucht. Diese grenzenlose Freiheit fühlt sich grossartig an. Noch im Sommer letzten Jahres sah mein Leben ganz anders aus: Ich war bei einem grossen Finanzdienstleister als HR Marketing Manager angestellt – ein toller Job mit viel Verantwortung. Als aber mein Freund seine Stelle kündigte und plötzlich die Idee hatte, unser Erspartes auf den Kopf zu hauen und reisen zu gehen, war ich sofort begeistert. Nach sechs Wochen Bedenkzeit war klar: Ich kündige auch. Gerade habe ich noch keine Ahnung, wie es in der Schweiz beruflich weitergehen wird. Ich wünsche mir, dass Firmen mehr Managerposten im Teilzeitpensum anbieten, denn ich kann mir nicht vorstellen, keinen Ausgleich zu meinem Arbeitsalltag zu haben. Dafür sind mir meine Hobbys wie das Kochen oder Wandern viel zu wichtig."

Das Thema interessiert dich? Wir haben mit Wirtschaftswissenschaftlerin Betty Zucker über Millennials, die weniger arbeiten möchten, und mit SP-Nationalrat Wermuth über die 35-Stunden-Woche gesprochen. Zum Text gehts hier.

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