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Ich habe online einen Bluttest gekauft

von Gloria Karthan

16 FEBRUAR 2019

Health

Jede fünfte Person in der Schweiz hat eine Nahrungsmittel-Intoleranz. Redaktorin Gloria hat sich selbst mit einem Kit aus dem Internet getestet.

Meine Verdauung und ich verstehen uns eigentlich recht gut. Mein Magen grummelt höchstens, wenn ich Hunger habe und mein Darm scheint recht happy damit zu sein, was ich mir täglich einverleibe. Doch das riesige Angebot an gluten-, laktose- und fructosefreien Produkten verwirrt mich: Irgendwas muss ich doch schlecht vertragen!

Mich nur aus Neugier beim Arzt für einen Check anzumelden, scheint mir dann doch zu heftig. Aber im Internet gibts mittlerweile sogar Anbieter von Bluttests für zu Hause. Der Nahrungsmitteltest "myNutrition 100" des Berlin Startups Lykon soll meine Reaktion auf die hundert häufigsten Nahrungsmittel testen und mir sagen, was davon ich vertrage und was meinen Körper belastet.

Bei Lykon gibts scheinbar keinen Test, den es nicht gibt: Man kann seine Blutzucker-, Leber- oder Schilddrüsenwerte checken lassen, es gibt Testpakete extra für Frauen, Vegis und Sportler und sogar einen Bluttest für gesunde Haut, Haare und Nägel.

Der Bluttest

Das Prinzip dahinter ist recht easy: Für umgerechnet 112 Franken bekomme ein Kit mit Lanzetten (das sind die, die so hinterhältig pieksen), Alkoholtupfern, Blutauffangröhrli und Pflastern zugeschickt. Im Paket ist ein Rücksendecouvert, damit kann ich meine Blutprobe ins Labor nach Genf schicken. Sticker mit meinem persönlichen Code sorgen dafür, dass meine Probe nicht verwechselt wird.

Meine Redaktionskollegin Sonja meldet sich freiwillig, mir in den Finger zu pieksen und wir sind beide recht erstaunt, wie viel Blut da aus dem Finger ins Auffangröhrli tropft. Klick – das Röhrchen wird verschlossen, Pflaster drauf und fertig.

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Im Labor werden mit meinem Blut keine klassischen Unverträglichkeiten wie Allergien oder Intoleranzen getestet, sondern sogenannte IgG4-vermittelte Unverträglichkeiten. Bei einer solchen bildet der Körper lebensmittelspezifische Antikörper in hohen Konzentrationen, die auf Dauer zu Beschwerden und Unwohlsein führen können. Der Verzicht auf besagte Lebensmittel verspricht dann ein besseres Wohlbefinden und soll Entzündungen im Körper verringern.

Das Testverfahren wird meist von Heilpraktikern angeboten und ist nicht unumstritten. "Wir ordnen unseren Test in den Bereich der Komplementärmedizin ein und gehen davon aus, dass sich das Testverfahren weiter etablieren wird", schreibt Lykon dazu.

Das Ergebnis

Rund eine Woche später habe ich die Ergebnisse im Posteingang: Kuhmilch und Ei rufen in meinem Körper eine starke Reaktion hervor, darum sollte ich davon die Finger lassen. Mittelstark reagiere ich auf Joghurt, Ziegenmilch, Mozzarella sowie Mandeln und Haselnüsse.

Lykon rät, dass ich die Lebensmittel mit starker Reaktion für die nächsten drei Monate meiden soll. So könne sich mein Körper erholen und meine Beschwerden (die ich ja nicht hatte) bildeten sich zurück. Die Lebensmittel mit mittelstarker Reaktion soll ich nur noch einmal pro Woche essen. "Damit sich aus dieser leichten keine starke Reaktion entwickelt und sich die IgG4-Antikörper wieder zurückbilden können", schreibt der Anbieter.

Glück gehabt, denke ich, als ich mein Resultat sehe. Ich esse sowieso so oft es geht vegan und muss meine Ernährung daher gar nicht umstellen. Mandeln und Haselnüsse esse ich nur ganz selten, da sie wegen meiner Pollenallergie eine Kreuzreaktion auslösen und darum im Mund so komisch kribbeln.

Mit dem Ergebnis kann ich also sehr gut leben – ich bin froh, dass ich eh schon auf die Dinge verzichte, die ich scheinbar nicht vertrage und bei für mich wichtigen Lebensmitteln wie Soja, Linsen und Getreide weiterhin beherzt zugreifen kann.

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