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Ich habe mir meine berufliche Zukunft gebastelt

von Antonia Kaestner

15 JUNI 2018

Job & Budget

Die Übungen der US-Karriere-Coach Zeva Bellel sollen Frauen helfen, die bei der Berufsplanung nicht weiterkommen. Praktikantin Antonia Kaestner hat sie getestet.

Ich bin 19 und gerade mit meinem ersten Uni-Jahr fertig geworden. Seit mindestens drei Jahren stellt man mir beinahe jeden Tag Fragen zu meinem Studienfach und meinen Lebenszielen. Alle wollen wissen, wie denn mein grosser Schlachtplan aussieht. Was aber, wenn ich keinen habe? Natürlich könnte es mir egal sein, aber ich hätte schon ganz gern mal eine zündende Idee. 

Der "Guide to Great Goal Setting" von Karrierecoach Zeva Bellel soll jungen Frauen wie mir, die beruflich gerade nicht mehr weiterwissen, helfen: "Visualisierungen lockern den Zielsetzungsprozess auf, das macht ihn zu einem Erlebnis, statt einer Pflicht", sagt die Autorin. Wie ich als immer alles überdenkender Mensch mit den Aufgaben umgehen soll? "Du kannst nichts falsch machen und die Übungen wiederholen", sagt Zeva. Es geht darum zu träumen, nicht einen Test zu bestehen.

Also los: Zu den drei Aufgaben gehört ein Brief an sich selbst, ein persönliches Wappen und ein Visionboard, wovon Letzteres am hilfreichsten für mich war. Es ist ganz einfach: Du schneidest aus Magazinen aus, was dich inspiriert und anspricht, dann arrangierst du alles auf einem A3-Blatt Papier. Insgesamt hast du dafür 45 Minuten Zeit.

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Am Schluss untersuchst du anhand von Fragen, die Zeva Bellel zusammengestellt hat, was die Collage über dich aussagen könnte. Etwa: Was überrascht dich an deinem Visionboard? Welche Schnipsel magst du besonders, welche verwirren dich? Welche Aspekte würdest du gern weiterverfolgen? Und wie und wo kannst du dafür Platz schaffen? Ziel ist es, konkrete Karriere-Schritte oder Challenges für sich selbst aus dem Bastel-Board abzuleiten.

Was habe ich daraus mitgenommen?
  • Mir hat das Basteln so viel Spass gemacht, dass ich definitiv wieder mehr mit den Händen arbeiten will. Ich sitze für die Uni viel zu viel am Laptop. Challenge: Jede Woche ein Bastel/DIY Projekt.
  • Der Spruch "Me Unlimited" hat mir so gut gefallen, dass er zu einem zentralen Objekt meiner Collage geworden ist. Er erinnert mich daran, dass ich an meinem Selbstbewusstsein arbeiten muss. Dazu gehört auch, mich Dinge zu trauen, die ich sonst nicht machen würde und einfach mal loszulassen, wie es der im Wasser schwebende Mensch tut. Challenge: Jeden Tag etwas tun, zu dem ich normalerweise nein sagen würde oder das ausserhalb meiner Komfortzone liegt.
  • Beim Kleben entstand eine ganze Ecke zu Flüchtlingen, Armut, und Menschenrechten. Aktivismus spielt in meinem Leben zur Zeit nur eine bedingte Rolle, aber ich würde gern wieder mehr soziale Vorhaben planen. Challenge: Ein Fotoprojekt zum Thema Menschenrechte oder Aktivismus starten.
  • Einer meiner Lieblings-Schnipsel ist ein fettgedrucktes "&", welches ich zwischen die Worte "Teilchenphysik", "Musikerin", "Chemie" und "Fotograf" platziert habe. Ich will nicht nur eine Sache sein, sondern viele, also in den Naturwissenschaften arbeiten UND Musik machen UND fotografieren UND Aktivistin sein. Challenge: Diese Vielseitigkeit mit Stolz betrachten, Menschen davon erzählen und keine Angst davor haben, nicht in eine Schublade zu passen.

Ich werde auf jeden Fall noch mehr Vision-Boards erstellen und freue mich schon darauf. Hier ein paar Tipps für euch, falls ihr es ausprobieren wollt: Tee, Guetsli und gute Musik (ich habe Halsey gehört), helfen beim Entspannen und Geniessen. Ausserdem ist es wichtig zu wissen, dass das Aussehen deines Visionboards ganz stark davon abhängt, welche Magazine du dir dafür ausgesucht hast.

Was das Ziel meines beruflichen Lebens sein soll, weiss ich immer noch nicht. Aber für den Moment fühle ich mich immerhin ein bisschen weiser bezüglich meiner selbst.


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