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"Ich habe heute Geburtstag – schrecklich!"

von Emmanuel Coissy

25 DEZEMBER 2018

Life

Nigel wird heute, am 25. Dezember, 27 Jahre alt. Hier erzählt der Student aus Genf, wie schwierig es ist, seinen Geburtstag zu feiern.

"Als ich klein war, kaufte meine Mutter einmal einen Weihnachtsstollen anstelle eines Kuchens. Da war ich ganz schön beleidigt, schliesslich hatte ich Geburtstag. Warum also musste man mich unbedingt daran erinnern, dass auch Weihnachten ist? Ich mag dieses Fest nicht. Vielleicht, weil ich am 25. Dezember geboren bin und mit Weihnachten weniger schöne Erfahrungen verbinde. Manchmal habe ich zwei Geschenke bekommen, aber öfter nur eins, dafür ein grosses.

Das Traurigste ist aber, dass ich diesen Moment nie mit meinen Freunden teilen kann. Das war bereits in meiner Kindheit der Fall. Alle sind ander­weitig verpflichtet, sind mit der Familie zusammen. Am Tag X vergessen dich die Leute, sie Besseres zu tun. Verständlich, trotzdem fühle ich mich am 25sten jeweils ziemlich einsam.

Dazu kommt, dass alles geschlossen ist. Keine Bar, kein Restaurant hat an diesem Tag offen, man kann überhaupt nichts unter­nehmen. Es gibt genau zwei solche Tage im Jahr: den 1.  August und den 25.  Dezember. Offen haben nur Läden, in denen man an Weihnachten nicht un­bedingt landen will – einmal endete ich ganz allein bei McDonald’s. Schrecklich!

Etwas hat sich nun fundamental verändert

Mein Geburtstag verschwindet in der Versenkung. Das spüre ich auch anhand kleiner Details, die andere gar nicht bemerken. Wenn mir zum Beispiel ein Freund Happy Birthday wünscht, bedanke ich mich – und fühle mich natürlich gezwungen, ihm frohe Weihnachten zu wünschen. Ich möchte aber an dem Tag der Einzige sein, dem man etwas wünscht! Natürlich könnte ich ein Fest an einem anderen Tag organisieren. Im Sommer ... wieso nicht. Aber eigentlich finde ich, dass das keinen Sinn macht. Ich bin an Weihnachten geboren und das muss ich akzeptieren.

Etwas hat sich aber in den letzten fünf Jahren fundamental verändert: Es gibt das Motel Campo. Der Genfer Club, in dem hauptsächlich Electro gespielt wird, veranstaltet jedes Jahr in der Nacht vom 24. auf den 25.  Dezember eine Party. Absolut jeder ist dort und die Stimmung ist super. Ich treffe dort Freunde, bin mit Leuten zusammen, die glücklich sind, sich amüsieren und das weihnachtliche Familientreffen vergessen wollen. Da feiere ich die ersten Stunden meines Geburtstags. Früher erlebte ich Weihnachten als etwas, was meinem Geburtstag im Weg steht. Heute, dank dem Motel Campo, freue ich mich sogar auf die Feiertage."

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