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"Ich bin nicht schwul, nicht bi und schon gar nicht hetero"

von Henry Arnaud

21 FEBRUAR 2019

Entertainment

Heute startet "Boy Erased", ein Filmdrama über einen Teenager, der von seiner Homosexualität "geheilt" werden soll. Wir haben Hauptdarsteller Lucas Hedges zum Interview getroffen.

Lucas, warum zwingen im Film die Eltern ihren Sohn dazu, sich in einem Umerziehungscamp von seiner Homosexualität "heilen" zu lassen? Paradoxerweise weil sie ihn lieben. Sie wollen nur sein Bestes und denken, dass sie es mit einer Krankheit zu tun haben. Deshalb schicken sie ihn in eine sogenannte Konversions-Psychotherapie. Da werden die Jungs in speziellen Einrichtungen – die sind wie Gefängnisse – eingesperrt, wo man versucht, ihnen die Homosexualität auszutreiben. Das Schlimme ist: In gewissen US-Staaten sind diese Orte noch immer legal.

Wie lässts sich gegen diese Verletzung der Menschenrechte vorgehen? Die einzige Lösung sehe ich darin, dass es gar nicht so weit kommt. Dass man unterschiedliche Sexualitäten akzeptiert. Vor Kurzem hat mir ein Betroffener gesagt, dass sich eigentlich die Eltern, die sich weigern, die Homosexualität ihrer Kinder zu akzeptieren, in eine Therapie gehörten. Er hat absolut recht.

Lucas Hedges

Ich kann als Schauspieler nur in düstere Rollen eintauchen, weil ich weiss, dass ich zuhause jederzeit in Sicherheit bin.

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Lucas spielt in "Boy Erased" Jared, der sich zu Jungs hingezogen fühlt

Hast du über das Thema auch schon mit deinen eigenen Eltern gesprochen? Klar. Aber die Story von "Boy Erased" hat nichts mit meiner eigenen zu tun. Ich habe das Glück, Eltern zu haben, die mich immer bedingungslos geliebt haben. Ich kann als Schauspieler nur in düstere Rollen eintauchen, weil ich weiss, dass ich zuhause jederzeit in Sicherheit bin. Mein Götti ist schwul und viele andere Freunde meiner Eltern auch – ihre sexuelle Orientierung war nie ein Problem.

Du spielst sehr überzeugend einen Homosexuellen und in der Öffentlichkeit zeigst du dich mit deiner Freundin Taylor. Bist du bisexuell? Ich bin nicht schwul, nicht bi und schon gar nicht hetero. Ich glaube ganz fest, dass Menschen das Recht haben, die Liebe dort zu finden, wo sie gerade auftaucht.

Zum Film:

Jareds Vater (Russell Crowe) ist Pastor, seine Mutter (Nicole Kidman) ebenfalls streng gläubig. Als die beiden merken, dass ihr Sohn homosexuell ist, zwingen sie ihn zu einer Konversionstherapie. Jared nimmt an der Therapie teil, doch er erkennt, wie falsch das alles ist und dass er sich nicht ändern wird – er muss sich zwischen seiner Freiheit und seiner Familie entscheiden.

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