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Hilfe, ich schnarche!

von Luise Philine Pomykaj

18 DEZEMBER 2018

Life

Schnarchen gilt als echter Liebeskiller. Beauty-Assistentin Luise über ihre Leidensgeschichte, die ein Mini-Happy-End hat.

Seit meiner fiesen Mandelentzündung ist etwas noch fieseres passiert: Ich schnarche. Wie gerne würde ich geräuschlos in einem seidenen Gewand - wie das von Grace Kelly in “Das Fenster zum Hof” -, zum Bett schreiten, mich elegant hinlegen und dann ebenso geräuschlos schlafen. Stattdessen bin ich ein Mähdrescher: Laut schnarchend, wahrscheinlich mit offenem Mund und einer kleinen Sabberpfütze neben mir auf dem Kopfkissen, raube ich meinem noch sehr neuen festen Freund den Schlaf.

"Du musst das unbedingt in den Griff kriegen"

Anfangs sagte er am nächsten Morgen noch liebevoll: “Na das war ja wieder ein Konzert gestern Nacht”. Vor kurzem kam aber auch schon ein: “Sollten wir mal irgendwann zusammenziehen, musst du das vorher bitte unbedingt in den Griff kriegen”. Ich verstehe ihn. Auch ich liebe nichts mehr, als mich in weiche Kissen fallen zu lassen, einzuschlafen und zu träumen. Wie in Watte gepackt - und geräuschlos. Es gibt dagegen nichts Schlimmeres, als nicht schlafen zu können, weil jemand neben einem grunzende, röchelnde Geräusche von sich gibt.

Ich sorge mich um meine Sexiness

Ich sorge mich nicht darum, das mein Freund in morgendlichen Meetings kaum die Augen offen halten kann, dass etwas mit meiner Atmung nicht stimmt, oder dass der Oberarm-Schmerz vom auf der linken Seite liegen (einem Versuch, mein eigenes Schnarchen zu verhindern) jetzt für immer bleibt. Es ist etwas viel Banaleres: Ich mache mir Gedanken um meine Sexiness und Gesellschaftsfähigkeit. Es ist so ein bisschen wie in der Folge von "Sex and the City, in der Carrie neben Mr. Big versehentlich furzt und sie an diesem Abend keinen Sex mehr miteinander haben. “Ich habe gefurzt”, sagt Carrie danach zu ihren Freundinnen. “Du bist ein Mensch”, antworten diese. Worauf Carrie sagt: “Ich möchte aber nicht, dass er das weiss."

Ich weiss, dass das sexistisch ist. Frauen sollen in unserer Gesellschaft anmutig, feminin und elegant sein - gemäss "Sex and the City" selbst bei Körpergeräuschen. Und trotzdem muss ich ganz ehrlich gestehen: Auch ich bin in vielen Bereichen sehr darauf bedacht, der gesellschaftlichen Vorstellung von Weiblichkeit zu entsprechen. Ich bin sogar stolz darauf, dass ich nicht auf Kommando rülpsen kann. Und ich lade beim Essen immer nur so viel auf die Gabel, dass ich noch antworten kann, falls mich jemand über den Tisch hinweg etwas fragt. Auf solche Dinge lege ich Wert.

In getrennten Betten schlafen

Und auch laute Schnarch-Geräusche sind nun mal für mein Empfinden zu unelegant – auch im Flugzeug oder neben der besten Freundin. Ich fühle mich unbehaglich und ich finds schlimm, keine Kontrolle über mein eigenes Verhalten zu haben. Nachdem ich neulich auf einer Zugfahrt einen Arbeitskollegen darum bat, mich zu wecken, sollte ich schnarchen und dieser entgegnete: "Meine Freundin und ich schlafen deshalb schon lange nicht mehr in einem Bett", kam dann die Panik. Wie furchtbar! Ich bekam natürlich kein Auge zu.

Vor lauter Grübelei darüber, dass auch mein Freund und ich bald in getrennten Betten schlafen würden, obwohl doch alles noch so neu und schön ist, brach ich dann neulich sogar einen Streit vom Zaun. Auf meine entschuldigende Whatsapp-Nachricht am nächsten Morgen, in der ich gestand, dass mein Gezicke wohl mit der Schnarch-Panik zu tun hatte, besänftigte er mich: Er möge mich auch mit Schnarchen und freue sich auf unsere gemeinsame Zeit.

Genau da dachte ich, dass es mir andersrum genau gleich gehen würde: Dass ich ihn selbst dann noch anziehend fände, wenn er nächtelang neben mir schnarchte. Und ich merkte, dass meine Schnarch-Ängste immerhin schon mal ein bisschen weniger wurden.

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