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Ich will heiraten und Kids – und bin trotzdem Feministin

von Anna Janssen

5 JUNI 2019

Life

Text-Praktikantin Anna möchte mal heiraten, Kinder kriegen und dann auch ein paar Jahre zuhause bleiben. Warum sie findet, dass das mit dem Feminismus vereinbar ist.

Ich bin für Lohngleichheit und gegen Sexismus. Aber ich weiss seit Jahren, dass ich zum richtigen Zeitpunkt gerne heiraten, Kinder kriegen und – wenn das für meinen Partner und mich finanziell drinliegt – auch ein paar Jahre zuhause bleiben möchte.

Meine Mutter war auch mit uns Kids daheim, jetzt im Nachhinein schätze ich die vielen gemeinsamen Erinnerungen sehr. Und mit einer Heirat zeigt man meiner Ansicht nach, dass man den Partner fürs Leben gefunden hat – und nicht den dritten Teenie-Boyfriend.

Frauen wollen unterschiedliche Dinge

Als ich einer Freundin aus Berlin von meinen Zukunftsvorstellungen erzählte, reagierte sie geschockt und meinte: "Aber dann war die ganze Arbeit des Feminismus ja umsonst!" Ich finde: Das eine hat mit dem anderen doch überhaupt nichts zu tun.

Denn was ist schon eine wahre Feministin? Wieso sollte eine Frau, die eine traditionelle Rollenverteilung möchte, das Gegenteil einer Feministin sein? Frauen wollen nun mal unterschiedliche Dinge: Nicht jede will und kann Karriere machen und nicht jede will und kann Mutter sein – und das ist doch auch okay.

Ich koche, mein Freund räumt ab

Im Duden lautet die Definition von Feminismus: "Richtung der Frauenbewegung, die, von den Bedürfnissen der Frau ausgehend, eine grundlegende Veränderung der gesellschaftlichen Normen (z. B. der traditionellen Rollenverteilung) und der patriarchalischen Kultur anstrebt." Exakt das verstehe auch ich unter Feminismus – und trotzdem ziehe ich für mich persönlich eine eher traditionellere Rollenverteilung vor.

Dass beide Partner im Haushalt mithelfen und man die Aufgaben aufteilt, finde ich gleichzeitig selbstverständlich. Ich koche zum Beispiel oft und gerne, dafür räumt mein Freund die Küche auf und bezieht regelmässig unser Bett.

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Feminismus bedeutet für mich, dass Frauen und Männer die Wahl haben, traditionelle Rollenmuster zu verlassen oder beizubehalten – und dabei keine Nachteile aufgrund ihres Geschlechts haben. Weder schlechtere Bezahlung von Frauen im Job, noch fehlende Wickeltische in Männertoiletten.

Das heisst: Ich kann Hausfrau und Mutter sein, wenn ich das will – genauso sollte sich ein Mann problemlos dafür entscheiden können. Und wenn ich mich zwischendrin umentscheide, will ich beruflich die gleichen Möglichkeiten haben wie Papas. Wie jeder sein Leben gestaltet, sollte eine individuelle Entscheidung sein.

Heiraten sei nicht mehr modern

Als in einem Kurs an der Uni gefragt wurde, wer gerne mal heiraten möchte, wurde ich ziemlich blöd angeschaut, als ich mich meldete. Das sei doch voll nicht mehr modern, hiess es von den anderen Studierenden.

Oft traue ich mich gar nicht zu sagen, dass ich Feministin bin. Insbesondere in Gesprächen mit Frauen, die sich feministisch stark engagieren, fühle ich mich mit meinem Wunsch nach dem klassischen Familienbild verunsichert. Aber auch Männer entgegneten mir schon, dass ich doch nicht das eine und das andere haben könne. Völliger Schwachsinn!

Sicherlich reicht es nicht, einfach nur zu sagen, dass man Feministin ist, wenn man vor jeglichem Sexismus die Augen verschliesst. Aber genauso, wie es falsch ist, wenn Männer uns vorschreiben, wie wir Frauen zu sein haben, finde ich es auch nicht richtig, wenn andere Frauen das tun. Anstatt zu urteilen, sollten wir uns gegenseitig unterstützen und uns über jedes Engagement in Richtung Gleichberechtigung freuen.

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