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Gretas Rede hat mich komplett umgehauen

von Gloria Karthan

24 SEPTEMBER 2019

Life

Die 16-jährige Klimaaktivistin hat den Vereinten Nationen die Leviten gelesen. Und damit bei Redaktorin Gloria für feuchte Augen gesorgt.

Greta Thunbergs Rede am UN-Klimagipfel in New York begann mit einer zurückhaltenden Message. "Wir behalten euch im Auge." Das Publikum, in dem Staatschefs wie Donald Trump und Angela Merkel sassen, reagierte mit zögerlichem Applaus. Und lachte leise. Die Wangen der 16-Jährigen erröteten.

"Ich sollte nicht hier sein", fuhr Greta fort und zog die Augenbrauen hoch. "Ich sollte in der Schule sein. Auf der anderen Seite des Ozeans." Mit rotem Kopf und zittriger Stimme fragte die Klimaaktivistin: "Wie könnt ihr es wagen?" Noch nie hatte ich Greta Thunberg so in Rage gesehen. "Mit euren leeren Aussagen habt ihr meine Kindheit und meine Träume gestohlen."

Rede in Dauerschleife

Als Gretas Augen wässrig wurden, spürte auch ich einen dicken Kloss im Hals. Und einen noch grösseren in der Magengrube. "Wir befinden uns am Anfang eines Massenaussterbens. Und ihr redet nur über Geld und das Märchen vom ewigen Wirtschaftswachstum." Gänsehaut.

Begeistert schickte ich das Video an meine Redaktionskolleginnen. Zu Hause habe ich mir die Rede jedesmal, wenn sie mir in den Feed gespült wurde, nochmal reingezogen. Und war dabei immer den Tränen nahe.

Wie unglaublich ist das, was da grad passiert, bitte? Ein 16-jähriges Mädchen setzt sich seit über einem Jahr pausenlos für eine lebenswerte Zukunft auf diesem Planeten ein. Und jetzt weist diese 16-Jährige auch noch die allermächtigsten Menschen auf diesem Planeten darauf hin, dass sies verkackt haben. Und zwar so richtig.

Alle Augen auf Greta

Dass Gretas Reden inhaltlich top und ihre Aussagen on point sind, ist nicht neu. Schon, als sie damals am WEF mahnte, man solle angesichts der Klimakrise endlich in Panik geraten, ging ihre Ansage um die Welt. Doch das Echo, dass sie auf ihre Rede am Montag erhalten hat, übertrifft alles. In ihren bisherigen Reden, die sie stets solide, aber total sachlich vorgetragen hatte, fehlte ein entscheidender Faktor: Emotion.

Über 60 Staatschefs (und via Social Media der Rest der Welt) hatten die Augen auf Greta gerichtet. Und sie zeigte sich so verletzlich wie nie. Man sah sie ihr erstmals so richtig an: Die Wut, Traurigkeit und Verzweiflung, die in dieser jungen Frau schlummern. Und die sie tagtäglich quälen.

Ein völlig anderes Level

Wer sich intensiver mit der Klimakrise auseinandersetzt, erfährt solche Emotionen zwangsläufig am eigenen Leib – so gings mir jedenfalls. Wenn ich mir die neusten Klimaberichte anschaue, bin ich genauso wütend, traurig und verzweifelt wie Greta. Auch mir ist regelmässig zum Heulen zumute. Unvorstellbar: Wenn das Thema mich schon so extrem mitnimmt, wie muss es da Greta Thunberg gehen?

Ich bin über 10 Jahre älter als die schwedische Klimaaktivistin. Auch ich habe schon die Fassung verloren, als ich mich Klimawandel-Leugnern stellen musste. Und in meinem Fall waren es entfernte Bekannte oder irgendwelche Facebook-User – nicht der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.

Donald Trump machte sich nach Gretas Rede übrigens auf Twitter über sie lustig. Wie erwachsen von ihm. Immerhin sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Klimagipfel, man habe den Weckruf der Jugend nun gehört. Tragisch, dass dafür ein ganzes Jahr und vier Millionen Streikende nötig waren.

Manche Medien werfen der Klimaaktivistin Kalkül vor. Dass Gretas Emotionen fake sind, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Und selbst wenn es so wäre: Entscheidend ist, wie die Rede ankam. Mich hat sie jedenfalls umgehauen.

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