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Er brach sein Studium ab, um Gemüse zu retten

von Gloria Karthan

3 SEPTEMBER 2019

Food & Home

Mit dem Verein Grassrooted hat der Zürcher Dominik Waser letztes Jahr 120 Tonnen Gemüse und Früchte vor der Biogasanlage bewahrt. Und dafür sein Studium vertagt.

Ich wurde nicht als Ökokind erzogen und hatte keinen Bezug zur Landwirtschaft. Das ist kein Vorwurf an meine Eltern. Wir alle werden in der Schweiz so sozialisiert, dass alles ständig verfügbar ist – so kommts zwangsläufig zu Überschüssen.

Ich finds dennoch daneben, wenn wir jungen Menschen sagen: "Die Alten sind an allem schuld." Aber ich wünsche mir von der Generation meiner Eltern mehr Unterstützung und dass sie unsere Wut darüber versteht, dass wir jetzt die Leidtragenden sind.

Das Studium kann warten

Ich wollte Umweltingenieur werden, im Studium kam dann die Idee zu Grassrooted. Unser Verein nimmt Bauern Überschussware ab und verkauft sie weiter. Schon bei unserer ersten Aktion vertrieben wir 30 Tonnen Tomaten, die der Detailhandel nicht mehr wollte. Das Medienecho war riesig – täglich bekamen wir Anfragen von Landwirten, die tonnenweise Rüebli oder Süsskartoffeln nicht los wurden.

Der Essensretter rettet Rüben
Karla Hiraldo Voleau

45 Prozent des Schweizer Food fällt zu Hause an.

Kurz darauf habe ich mein Studium abgebrochen, und ich bin froh darüber. Ich bin erst 21, mir bleibt noch genug Zeit dafür. Im vergangen Jahr habe ich mehr über das System der Landwirtschaft gelernt, als es vielleicht im ganzen Studium der Fall gewesen wäre. Niemand findets geil, Essen wegzuschmeissen.

Und doch fallen 45 Prozent des Schweizer Food Waste zu Hause an. In Landwirtschaft ist es genauso viel, nur redet niemand davon. Wie kann es sein, dass für einen Bio-Aufstrich Randen aus Ungarn importiert werden, während Schweizer Bauern jährlich hunderte Tonnen Randen wegschmeissen müssen? Das Problem ist, dass Konsumenten, Landwirte und Grossverteiler sich gegenseitig die Schuld zuschieben, statt dieses kaputte System zu kitten.

Tomate auf dem Tisch
Karla Hiraldo Voleau

Grassrooted kauft Biobauern Überschussware ab und verkauft sie kiloweise oder als Gemüseabo.

Hier kommt Grassrooted ins Spiel: Wir vermitteln zwischen den Beteiligten und machen durch Verkaufsaktionen aufs Thema aufmerksam. Wir kaufen regionalen Biobauern Ware ab, die sie nicht los wurden, und verkaufen diese kiloweise oder als Gemüseabo.

15 Stunden Arbeit

Ich bin aber nicht ständig am Packen von Gemüseboxen – der Grossteil meiner Zeit geht für das Organisieren drauf. Momentan schlafe ich sehr wenig. Nebst Grassrooted bin ich auch beim Klimastreik aktiv.

Und ich kandidiere für den Nationalrat, weil es mehr junge Menschen in Bern geben muss. Zurzeit arbeite ich etwa 15 Stunden pro Tag, sieben Tage die Woche. Das liegt auch daran, dass ich nicht nein sagen kann. Diese Themen sind zu wichtig.

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