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Ist dieses Gillette-Model zu dick?

von Marie Hettich

11 APRIL 2019

Health

Auf Social Media ist eine Debatte über das neue Gillette-Model Anna O'Brien entfacht. Wir haben die Expertin Dr. Erika Toman gefragt, was sie von den Fotos hält.

Gazellenartige Wesen, die verträumt am Strand entlang schweben: so kennen wir die Werbung von Gillette Venus. Vom Body-Positivity-Trend war bei der berühmten Rasierermarke lange überhaupt gar nichts zu spüren.

Doch jetzt ist alles anders. In der Bio des Insta-Accounts heisst es plötzlich: "No retouching. No restrictions. No one way to have beautiful skin or to show it off." (auf Deutsch etwa: "Keine Fotoretusche. Keine Einschränkungen. Es gibt nicht nur einen Weg, schöne Haut zu haben und sie zu zeigen.")

Und plötzlich sind im Venus-Feed auch stark tätowierte oder vernarbte Frauen zu sehen. Ausserdem: Anna O'Brien.

Die US-Amerikanerin ist Plus-Size-Model und Vloggerin, 33 Jahre alt, auf Insta hat sie über 300'000 Follower.

Das Pic von Anna wird, seit es vor einer Woche online ging, hoch- und runterdiskutiert: Die einen feiern Gillette dafür – die anderen sind empört darüber, wie man einen übergewichtigen Körper so verharmlosen könne.

Anna, die von all dem Trubel natürlich mitbekommen hat, postete am Mittwoch auf ihrem eigenen Insta-Account ein Pic mit den Worten: "Unglaublich, was in den letzten fünf Tagen los war. Das einzige, was ich zu sagen habe: Mir geht es gut."

Dass ein Model zu dünn sein kann, wissen wir mittlerweile. Aber kann es auch zu dick sein – trotz Body-Diversity-Trend? Und: Kann man nur durch den Anblick eines Körpers auf die gesundheitliche Verfassung des Menschen schliessen?

Dr. Erika Toman, die in Zürich das Kompetenzzentrum für Essstörungen und Adipositas leitet, sagt: "Anna O'Brien ist nicht einfach nur mollig – sie ist stark übergewichtig. Das ist ganz klar ungesund, das sieht man sofort."

Körperliche und psychische Beschwerden

Dr. Toman schätzt den BMI von Anna auf etwa 45 – gesund ist bei jungen Frauen ein Body-Mass-Index zwischen 18 und 24. "Selbst wenn die Frau aufgrund ihres Alters aktuell noch wenige Beschwerden haben sollte, wird sie in ein paar Jahren sicher welche haben – sowohl körperliche als auch psychische", so die Expertin.

Prinzipiell befürwortet es Toman, wenn verschiedene Körpertypen in der Werbung gezeigt werden; das Extreme findet sie bedenklich: "Models sollten normale Körper haben, für die es kein krankhaftes Denk- und Essverhalten braucht, um sie zu erreichen – weder in die eine noch in die andere Richtung."

Hohles Gillette-Statement

Gillette hat sich in der Zwischenzeit auf Social Media ebenfalls gemeldet – mit einem ziemlich hohlen Statement: "Venus ist dazu verpflichtet, Frauen aller Formen, Grössen und Hauttypen zu repräsentieren, da ALLE mit schöner Haut es verdient haben, gezeigt zu werden. Wir lieben Anna O'Brien, weil sie (...) ihre Haut liebt, egal was die 'Regeln' dazu sagen."

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