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Das grosse Q&A zum Schweizer Frauenstreik

von Marie Hettich

31 MAI 2019

Life

Wahrscheinlich habt ihr es schon mitbekommen: Am 14. Juni findet der schweizweite Frauenstreik statt. Hier gibts einen Überblick mit den wichtigsten Fragen und Antworten.

Noch zwei Wochen, dann streiken Frauen in der ganzen Schweiz. Doch wofür und wogegen genau? Das haben wir haben Zita Küng gefragt, die als selbstständige Juristin und Organisationsentwicklerin arbeitet. 1991 war sie Leiterin des Stadtzürcher Gleichstellungsbüros – im Jahr des ersten Schweizer Frauenstreiks, als sich hunderttausende Frauen an Protest- und Streikaktionen beteiligten.

Worum gehts nochmal beim Frauenstreik? Um alle Lebensbereiche, in denen wir Frauen diskriminiert werden. Die drei Hauptthemen: Erwerbsarbeit, unbezahlte Care-Arbeit – also die Kinderbetreuung, den Haushalt oder Krankenpflege – und Gewalt an Frauen.

In Sachen Feminismus tut sich doch seit einiger Zeit sehr viel. Warum brauchts da auch noch einen Streik? Offenbar ist vielen der Geduldsfaden gerissen. Alle Anträge, Aktionen und Demonstrationen, etwa was Lohngleichheit betrifft, wurden abgeblockt. Ich finde, es sind Taten, nicht nur Deklarationen gefragt.

Kann ich auch streiken, wenn ich happy mit meinem Arbeitgeber bin? Ja, natürlich! Beim Streik gehts darum, sich mit dem zu verbinden, um das es insgesamt geht. Ausserdem kann man den anderen streikenden Frauen auf der Strasse ja davon erzählen, was im eigenen Unternehmen gut läuft.

Wie könnte so ein Streiktag aussehen? Erstens: Die Arbeit niederlegen, die man an einem gewöhnlichen Tag tun würde – sei es im Rahmen der Erwerbsarbeit oder zuhause. Zweitens: Diese Entscheidung nach aussen hin, zusammen mit anderen Frauen, auf der Strasse sichtbar machen.

Gibt es "softe" Streiks? Gibt es. Etwa länger Mittagspause machen oder früher gehen.

Wenn ich mir den Tag freinehme – ist das dann auch ein Streik? Jede Frau muss selbst abschätzen, wie ungehorsam sie sein kann oder möchte. Wenn ich den Eindruck habe, dass ich es mir leisten kann oder weiss, dass in meinem Team viele Frauen dasselbe machen, dann nehme ich mir nicht frei. Wenn ich unsicher bin, dann nehme ich mir eben einen Ferientag – ich finde, die einzig richtige Art und Weise gibt es nicht.

Welche Konsequenzen kanns im schlimmsten Fall geben, wenn ich nicht freinehme? Es gibt keine Regeln oder Gesetze speziell für den Frauenstreik, deshalb ist das unklar. Aber beim Streik 1991 hat es praktisch keine negativen Auswirkungen gegeben. Einige Arbeitgeber hatten zwar gedroht, die Streikenden zu entlassen, aber das ist nicht passiert. Nur einer einzigen Frau wurde gekündigt – und das konnte die Gewerkschaft rückgängig machen.

Was ist, wenn mir nach dem Streik zwar nicht gekündigt wird, ich aber danach ständig Bad Vibes von meinen Vorgesetzten spüre? Das ist natürlich nicht auszuschliessen. Falls es wirklich so sein sollte: Mit dem oder der Vorgesetzten in Ruhe darüber sprechen und versuchen, das Vertrauen wieder herzustellen.

Wie können sich Männer am Streiktag verhalten? Ich finde, das Beste, was Männer machen können, ist die Frauen in ihrem Umfeld zu fragen, wo sie am 14. Juni deren Hilfe brauchen können. Männer sind am Frauenstreiktag nicht als Protagonisten, sondern als solidarische Unterstützer gefragt, die die Kinderbetreuung übernehmen oder einen zu Streik-Aktivitäten oder zur Demo begleiten.

Ist es okay, wenn ich nicht streiken will? Sicher. Aber ich finde es schon wichtig, sich mit dem Streik zumindest auseinanderzusetzen und sich eine Meinung zu bilden.

Ich habe einen Job, bei dem ich unmöglich einfach fehlen kann, weil Menschen direkt davon betroffen wären. Welche Möglichkeiten habe ich? In Berufen, die mit Pflege oder Kinderbetreuung zu tun haben, muss der 14. Juni im Voraus gut geplant werden: Vielleicht könnten die Arbeitspläne umgestellt werden, vielleicht könnten andere einspringen. Vielleicht trägt man zur Arbeit auch einfach einen Streik-Button, um sich mit dem Streik zu verbinden.

Kann ich als Schülerin oder Studentin auch streiken? Ja – die Frauenstreik-Themen betreffen jede Frau. Und: Auch im Bildungswesen findet Diskriminierung statt.

Ich wohne auf dem Land und will streiken. Muss ich in die Stadt fahren? Auf keinen Fall! Es ist gut, in der eigenen Umgebung herauszufinden, was die Themen sind, und dort sichtbar zu werden.

Warum ist der Frauenstreik genau am 14. Juni 2019? Der erste Frauenstreik am 14. Juni 1991 fand auf den Tag genau zehn Jahre nach der Einführung des Verfassungsartikels "Gleiche Rechte für Mann und Frau" statt – trotzdem hatte sich für die Frauen nämlich kaum etwas verbessert. Der Termin dieses Jahr folgt dem Unmut ganz vieler Frauen, weil alle Anstrengungen für Verbesserungen seit Jahren regelmässig auf allen Ebenen – in Politik, Wirtschaft, Kirche, Kultur, Sport, und so weiter – abgeblockt werden.

Habt ihr noch Fragen zum Frauenstreik, die ihr Zita Küng gern stellen würdet? Dann kommentiert hier – wir kümmern uns darum.

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