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"Ich streike, weil Mütter unbezahlte Arbeit leisten"

von Miriam Suter

14 JUNI 2019

Frauenstreik

Anlässlich des heutigen Frauenstreiks haben uns drei Schweizer Frauen erzählt, warum sie auf die Strasse gehen. Den Anfang macht Franziska*, eine junge Mutter aus Zürich.

"Ich habe zwei kleine Kinder, sie sind fünf und zwei Jahre alt. Mein Mann arbeitet unregelmässig, er ist abends viel weg. Die strukturelle Ungleichheit zwischen Männern und Frauen habe ich ehrlich gesagt erst so richtig am eigenen Leib erfahren, als ich Mutter wurde. Vorher war mir nie so richtig bewusst, dass ich nicht die gleichen Chancen habe im Leben – und auf dem Arbeitsmarkt. Wenn man ein Kind bekommt, werden plötzlich Themen wie Mutterschutz relevant. Oder der Fakt, dass die Frau halt das Pensum reduziert und der Mann nicht. Ich bin eine grosse Verfechterin der Elternzeit. Bei unserem ersten Kind hatte er gerade mal zwei Tage frei. Bei unserem zweiten Kind haben mein Mann und ich dafür gesorgt, dass wir sie uns quasi selber finanzieren können: Er hat einen unbezahlten Urlaub von sieben Monaten genommen und das war sehr schön. Wir hatten genug Zeit, die Familien-Werdung gemeinsam zu erleben. Nach unserem ersten Kind war das für uns beide Bedingung.

Der Mann kriegt nicht mal mit, wo die Windeln verstaut sind

Neben der Kinderbetreuung übernehmen Frauen zum grössten Teil den "mental load": Arzttermine für die Kinder vereinbaren, mit den Kindern hingehen, Geburtstage von Freunden im Kopf behalten, Geschenke organisieren und so weiter. Und dann kommt natürlich noch der ganze Haushalt hinzu. Das ist eine krasse Mehrfachbelastung. Vielleicht will ich damit aber auch die Kontrolle behalten über das bisschen Privatleben, das mir geblieben ist. Ganz ehrlich, irgendwann habe ich gedacht: “So, das ist es jetzt. Das ist dein Leben”. Man ist nach der Geburt plötzlich auf sich alleine gestellt und es geht sehr schnell, dass man für alles alleine verantwortlich ist. Und der Mann kriegt nicht mal mit, wo zuhause die Windeln verstaut sind – wie sollte er auch, wenn er den ganzen Tag weg ist?

Frauen leisten unbezahlte Care-Arbeit

Frauen, die den Streik unnötig finden, weil sie sich nicht diskriminiert fühlen, möchte ich fragen: Hast du Kinder oder musstest du schon einmal kranke Eltern oder Grosseltern pflegen? Sobald es zur “Care”-Arbeit kommt, sind es einfach zum allergrössten Teil Frauen, die sie erledigen. Und zwar unbezahlt. Dazu kommt, dass solche Arbeit, die im Hintergrund stattfindet, von der Gesellschaft viel zu wenig geschätzt wird. Man ist dann das Hausfraueli, total diskreditierend. Ich streike am 14. Juni, weil ich es wirklich wichtig finde, dass in der Schweiz endlich etwas passiert in Sachen Gleichstellung. Ich finde, der Frauenstreik hat einen sehr guten Vibe. Das könnte etwas Historisches werden."

Franziska*, (34), Zürich

*Name von der Redaktion geändert

Beim heutigen Frauenstreik gehts um alle Lebensbereiche, in denen Frauen diskriminiert werden. Die drei Hauptthemen: Erwerbsarbeit, unbezahlte Care-Arbeit – also die Kinderbetreuung, den Haushalt oder die Krankenpflege – und Gewalt an Frauen. Als nächstes erzählt uns Annabelle* ihre Geschichte.

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