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Warum Pyjama-Partys Frauenfreundschaften stärken

von Irène Schäppi

27 JULI 2019

Life

Unsere Beauty-Chefin Irène hat spontan bei einer Freundin übernachtet und dabei festgestellt: Sleepovers sind besser für die Freundschaft als jeder After-Work-Apéro.

In der zweiten Klasse fand ich Übernachtungspartys bei Schulfreundinnen Horror. Weil ich, sobald das Licht gelöscht wurde, sofort ganz fest Heimweh bekam – Heulkrämpfe inklusive. Dass meine Eltern mich mitten in der Nacht holen kommen mussten, war damals klar.

Zum Glück hatte ich den Dreh mit den Sleepovers als Teenager endlich raus und konnte von Mitternachtspartys mit meiner damaligen BFF nicht genug bekommen: Wir stopften uns mit Pizza voll, schauten Beverly Hills 902010 (hach, Dylan!) und tanzten spätnachts zu Take That. Wir gegen den Rest der Welt.

Warum überhaupt fremdschlafen?

Mit 20 war dann aber Schluss mit dem Übernachten bei Freundinnen. Wir fühlten uns zu erwachsen dafür. Nach dem Umzug in die erste WG war es einfach nicht mehr cool zu zweit oder zu dritt im Pyjama abzuhängen – Freundinnen auf Cüplis im Terrasse treffen, fühlte sich viel mehr nach Sex and the City an.

Pyjama-Partys sind für die meisten Erwachsenen schlicht kein Thema mehr. Weil es viel einfacher ist, gegen 23 Uhr ein Uber zu bestellen. Weil es nervt riesige Taschen mit Kosmetikprodukten und Pyjamas, sowie einem Outfit für den nächsten Tag, zuerst ins Büro und dann zur Sleepover-Location zu schleppen. Und warum überhaupt fremdschlafen, wenn das eigene Bett halt doch am bequemsten ist?

Frauenfreundschaften brauchen Sleepovers

Auch meine positiven Gedanken zu Pyjama-Partys hielten sich, aus genannten Gründen, in den letzten 20 Jahren in Grenzen. Mittlerweile weiss ich aber: Alles Quatsch. Denn anstatt wie Cinderella nachts beim zwölften Glockenschlag heimzufahren, bin ich letzte Woche spontan bei einer Freundin, ihrem Sohn und ihrem Hund geblieben. Und hatte dabei so etwas wie eine Erleuchtung: Frauenfreundschaften brauchen Sleepovers. Denn mit meiner Entscheidung an jenem Abend fremdzuschlafen, hatten meine Soulsister und ich auf fast schon magische Weise viel mehr Zeit. Die von Erwachsenen oft benutzte Ausrede: "Ich muss jetzt gehen, weil ich morgen früh raus muss", hatte in dieser Nacht plötzlich keine Kraft mehr. Auch das Kind musste nicht mehr ins Bett gebracht werden. Weshalb wir dann um Mitternacht eine Rösti in Kokosfett frittiert, im nur von Strassenlampen beleuchteten Zimmer Tarotkarten gelegt und Pläne für ein Leben nach #mercuryretrograde geschmiedet haben.

Sie schaffen mehr Nähe

Überhaupt schienen wir noch offener miteinander zu sprechen: Anstatt uns, wie sonst beim Kafi vor der Arbeit oder dem After-Work-Apéro, kurz über unser Leben upzudaten, konnten wir mitten in der Nacht tiefer gehen: Wir sprachen über Ängste die Finanzen oder unseren Job betreffen. Die amerikanische Autorin Deborah Tannen und Sozio-Linguistin erklärt dieses Phänomen so: "Die Stille der Nacht und das damit oft verbundene Gefühl der Geborgenheit schafft eine intimere Atmosphäre, die es einem leichter macht, sich jemandem anzuvertrauen."

Und ja: Selbst gewöhnliche Einschlafrituale wie das Abschminken oder Zähne putzen fühlten sich an diesem Abend irgendwie – ich kann es nicht anders formulieren – liebevoller an. Natürlich könnte man jetzt argumentieren, dass man dieses Feeling auch mit einer Freundin in den Ferien erleben kann. Deborah Tannen findet aber: "Normalerweise findet diese Routine daheim alleine oder zusammen mit einem Partner oder Familienmitglied statt. In einem besonderen Rahmen wie einem Sleepover fungieren Einschlafrituale allerdings wie eine Metabotschaft der Nähe und schaffen es, dass wir uns unseren Freundinnen instinktiv noch verbundener fühlen."

Mitternachtsparty statt Apéro

Auch hier kann ich nur zustimmen. Denn obwohl ich in dieser Nacht nicht wirklich super geschlafen habe – und am nächsten Morgen dementsprechend müde arbeiten ging – war mein Herzli wie auf Zuckerwatte gebettet. Ein Gefühl, das sich in mir sofort wieder ausbreitet, sobald ich an dieses spontane Sleepover und besagte Freundin denke. Weshalb ich sie und meine anderen Soulsisters demnächst statt auf einen Apréro zu einer Mitternachtsparty bei mir zu Hause einladen werde. Und das ist sogar unter der Woche möglich, wie ich jetzt aus eigener Erfahrung weiss.

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