Frau_Diskriminierung
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Frauen, wann habt ihr euch zuletzt diskriminiert gefühlt?

von Friday Magazine

8 MÄRZ 2019

Life

Sexuelle Belästigung, Lohnungleichheit, Beleidigungen: Diskriminierung hat viele Gesichter. Wir erzählen, wann wir uns das letzte Mal aufgrund unseres Frauseins respektlos behandelt gefühlt haben – und sind gespannt, was ihr zu erzählen habt.

Immer schön Platz machen

Vor ein paar Tagen habe ich auf dem Portal "Bento" ein Video entdeckt: Was passiert, wenn eine Frau eine Stunde lang versucht, geradeaus zu gehen, ohne irgendwem auszuweichen? Das Ergebnis: Die ihr entgegenkommenden Männer weichen keinen Zentimeter aus. Frauen dagegen machen schon Meter vor ihr einen grossen Bogen um sie. Seit gestern mache ich dasselbe in Zürich – und bin schockiert. Allein heute Morgen sind auf meinem kurzen Arbeitsweg vier (!) Männer (und null Frauen) in mich reingerannt. Einer hat mich sogar angeschnauzt, ob ich nicht aufpassen könne. Dass in unseren Köpfen so fest verankert ist, dass Frauen anderen Platz machen müssen, Männer dagegen gemütlich ihren Weg gehen können, macht mich stinksauer und traurig zugleich.

Gina Buhl, Redaktorin

"Lesen können Sie doch?"

Neulich rief ich wegen einer Frage zu einem Vertrag bei einem Institut an und musste mir folgenden Satz anhören: "Lesen können Sie doch, als Beauty-Assistentin, oder?" Nicht nur war die rhetorische Frage in so einem Kontext unglaublich anmassend – mit der abschätzigen Betonung meiner Job-Bezeichnung gab mir die Dame am Telefon zu verstehen, dass sie von meinem Job rein gar nichts hält. Nach ihrem Spruch fühlte ich mich klein und überhaupt nicht mehr so selbstständig und erwachsen wie damals, als ich den Vertrag abschloss. Ich bin mir sicher: Wäre ich ein Mann, wäre sie anders mit mir umgegangen.

Luise Pomykaj, Beauty-Assistentin

Die Rechnung bekommt der Mann

Da ich verdiene und mein Freund noch studiert, lade ich ihn einmal die Woche zum Znacht ein – so auch vergangenen Samstag. Als ich nach dem Abräumen nach der Rechnung fragte, wurde sie ganz selbstverständlich meinem Freund hingelegt. Und das war keine Ausnahme – es passiert ständig. Wie das bei mir ankommt: Ich bin eine Frau, verdiene deshalb wenig bis überhaupt nichts und kann es mir deshalb auch nicht leisten, meinen Partner einzuladen. Ich weiss natürlich, dass das Servicepersonal keine bösen Absichten hegt und habe in meinem Leben in punkto Sexismus auch schon weitaus Schlimmeres erlebt. Dennoch zeigen solche kleinen Gesten, wie tief die traditionellen Geschlechterrollen noch verankert sind – auch bei jungen Leuten und auch bei Frauen.

Gloria Karthan, Redaktorin

Der Milliarden-Unterschied

Im Februar habe ich an einem feministischen Workshop mit der Ökonomin Mascha Madörin teilgenommen. Der Workshop war super – aber auch grausam ernüchternd. Mascha Madörin hat nämlich ausgerechnet, wie viel Schweizer Frauen pro Jahr weniger verdienen als Schweizer Männer. Das Ergebnis: 108 Milliarden Franken. 108 Milliarden Franken! Diese absurd hohe Summe kommt durch die Lohndiskriminierung von Frauen zustande. Und durch die unzähligen, harten Arbeitsstunden von Frauen, für die sie weder beklatscht noch bezahlt werden: das Betreuen der Kinder, das Putzen, Waschen, Einkaufen und Kochen, das Pflegen der kranken Schwiegermutter. Und währenddessen sichern sich die Männer gemütlich ihre Rente.

Marie Hettich, Redaktorin

"Ufschlüsse, du blondi Tusse!"

Vor Kurzem im vollgestopften Tram: Ich und ein Herr steigen gleichzeitig ein, beide bleiben aus Platzgründen nahe am Ausgang stehen, er rempelt mich an. Mein erster Gedanke: Das war bestimmt nicht mit Absicht. Schliesslich hat der Typ auch eine grosse Coop-Tasche in der Hand. Dann stösst er mich plötzlich in Richtung Gang, mitten in die Menge rein und schreit: "Ufschlüsse, du blondi Tusse!" Ich antworte ihm, er könne genauso gut zur Seite rutschen. Worauf er die Hand zu einer Faust ballt. Als ich aussteige, höre ich, wie er mir hinterherschreit: "Fuck you!" Und: "Ich hoffe, du stirbst, du Drecksweib!" Völlig schockiert gehe ich weiter.

Irène Schäppi, Beauty Director

Widerliche Facebook-Messages

Als ich vor Kurzem meine Nachrichten-Anfragen im Facebook-Messenger anschaute, fiel mir etwas auf. Ein Typ – dessen Profil sogar öffentlich ist – hat mir über Monate hinweg Nachrichten geschrieben: Es fing noch einigermassen freundlich an, kippte aber, nachdem ich nicht antwortete, schnell zu "Wieso bisch du so nes langweiligs, dumms Bünzli?" In der dritten Nachricht erklärte er dann ausführlich, wie er mich "leidenschaftlich mit Zunge, Finger und Schwanz befriedigen" will. Darauf folgten immer mal wieder random Nachrichten, Videos und Memes. Mir wurde beim Lesen schlecht. Ich habe mich so dermassen gedemütigt gefühlt – ich frage mich, was sich dieser wildfremde Mann herausnimmt, mir so etwas zu schreiben.

Anna Janssen, Textpraktikantin

Habt ihr euch in letzter Zeit ebenfalls diskriminiert gefühlt? Erzählt uns davon!

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