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Daniel Schaffer on Unsplash

EU-Politikern sind Vegi-Burger zu fleischig

von Gloria Karthan

9 APRIL 2019

Food & Home

Vegetarische Burger sollen bald Veggie-Disks heissen. Laut eines EU-Ausschusses ist der alte Name zu verwirrend.

Der Markt mit Ersatzprodukten für Vegis und Flexitarier boomt – wöchentlich entdeckt man neue Leckereien in den Kühlregalen der Detailhändler. Fast schon ein Evergreen sind die "Veganen Knusperstäbchen nach Meeresart" der Migros. Das sind panierte, längliche Stäbchen auf Sojaprotein-Basis, die echten Fischstäbli so zum Verwechseln ähnlich schmecken, dass sie direkt Kindheitserinnerungen hervorrufen. Warum die nicht einfach "vegane Fischstäbchen" heissen? Weil das verboten ist.

Der Landwirtschaftsausschuss der EU will jetzt noch einen Schritt weitergehen und Begriffe wie "Steak", "Wurst", "Schnitzel" und "Burger" ausschliesslich für Produkte aus Fleisch erlauben. Den Abgeordneten reiche es nicht aus, wenn fleischlose Produkte zusätzlich durch "Veggie" oder "vegetarisch" gekennzeichnet werden. Das sei zu irreführend.

"Die Leute müssen wissen, was sie essen", sagt der zuständige französische Abgeordnete Eric Andrieu zum "Guardian". Die Hersteller müssen sich also vielleicht bald neue Namen überlegen. Doch der Landwirtschaftsausschuss hat glücklicherweise bereits gebrainstormt: Vegetarische Burger könnten unter dem Namen "Veggie-Disk" vertrieben werden. Null irreführend.

In der Schweiz orientiert man sich am EU-Recht. "Wir sind immer wieder erstaunt, dass Organisationen wie Proviande den Konsumentinnen und Konsumenten offenbar nicht zutrauen, zum Beispiel unter veganer Wurst das zu verstehen, was sie eben ist: Eine vegane Wurst", sagt Laura Lombardini, Geschäftsführerin der Veganen Gesellschaft Schweiz. Offenbar habe man Angst, der Fleischkonsum könnte abnehmen.

Auf Anfrage verweist Proviande, die Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft, an den Schweizer Fleischfachverband. Man könne zu diesem Thema kein Statement abgeben. Eine Antwort vom SFF auf unsere Mail steht noch aus – Bereits vor drei Jahren verlangte der SFF aber im Zusammenhang mit der Revision des Lebensmittelgesetzes, dass die Begriffe "vegetarisch" und "vegan" nicht in Verbindung mit den jeweiligen Fleisch-Bezeichnungen verwendet werden dürften, da dies einem Widerspruch gleichkomme. Das war damals bei der "NZZ" zu lesen.

Sojamilch verboten, Kokosmilch erlaubt

Seit 2017 gibt es so ein Namensverbot in der EU bereits für vegane Milchersatzprodukte, welches auch in der Schweiz angewandt wird. "Swissmilk sorgt sich ebenfalls sehr um eine angebliche Verwechslungsgefahr", sagt Laura Lombardini von der VGS.

In der Praxis sprechen zwar alle von Mandelmilch, Sojajoghurt und veganem Käse. Schaut man ins Regal, findet man dann unsinnige Bezeichnungen wie "Soyog", "vegane Geniesserscheiben" und "Qvark". Schräg: "Kakaobutter" und "Kokosmilch" sind genauso in Ordnung wie "Sonnenmilch".

Wie der Namenskrimi zwischen vegetarischen Konsumenten, Lobbyisten und Politikern weitergeht, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Vielleicht müssen Vegis in Zukunft eine "Tofu-Platte" und einen "veganen Bratschlauch nach Olma-Art" auf den Grill legen. Nicht, dass noch jemand in die Irre geführt wird.

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