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Alles, was du aktuell zum Thema Finanzen wissen solltest

von Marie Hettich

2 APRIL 2020

Job & Budget

Wer hat aufgrund der Corona-Krise zu kämpfen? Was müssen diese Menschen wissen? Und was können alle anderen tun? Wir haben mit einer Finanzexpertin telefoniert.

Frau Spreiter, wen trifft die Corona-Pandemie finanziell? Menschen, deren Arbeitgebende auf Kurzarbeit umgestellt haben, müssen eine Lohneinbusse hinnehmen. Einigen Leuten wurde sogar gekündigt – und ALV-Gelder sind ebenfalls tiefer als das bisherige Einkommen. Vor allem Selbstständige stehen durch die Corona-Krise vor einer Herausforderung – beispielsweise Coiffeure oder Musikerinnen, deren Bookings komplett weggebrochen sind.

Wie sollten Selbstständige jetzt vorgehen? Unter gewissen Umständen können sie einen Corona-Erwerbsersatz beantragen. Aber dieser reicht nicht immer aus, um alle Rechnungen zu bezahlen. Der Bundesrat arbeitet konstant an weiteren Lösungen – man sollte also auf dem Laufenden bleiben.

Was taugen die sogenannten Überbrückungskredite, die der Bundesrat beschlossen hat? Ich finde die Massnahme sehr sinnvoll. Die Überbrückungskredite kommen für alle Firmen, Betriebe und Einzelunternehmen – also Freelancer – in frage, die sich nicht in Liquidation befinden, vor dem 1. März 2020 gegründet wurden und ihren Jahresumsatz angeben können. Ihnen wird von der Bank ein Kredit über maximal 10 Prozent des Jahresumsatzes gewährt. Kredite bis 500'000 Franken sind zinsfrei und der Bund bürgt zu 100 Prozent. Ausserdem wird das Ganze sehr unkompliziert und rasch abgewickelt – den Antrag auszufüllen, dauert keine zehn Minuten.

Heisst aber, das frisch gegründete Start-up hat Pech, weil es noch keinen Jahresumsatz angeben kann? In dem Fall besteht die Möglichkeit, den Umsatzerlös via Nettolohnsumme zu schätzen. Die Höhe des Kredits ist dann allerdings sehr begrenzt. Auch hier gilt: Abwarten, was der Bundesrat an weiteren Massnahmen beschliessen wird. Es braucht gerade viel Geduld und Vertrauen – ich finde, die Regierung macht einen sehr guten Job.

Schiebt man ein finanzielles Problem nicht einfach auf, wenn man einen Kredit beantragt? Aktuell haben viele gar keine andere Wahl. Wichtig ist, nur so viel aufzunehmen, wie man braucht. Und sich gleichzeitig schon Gedanken darüber zu machen, wie man den Kredit ab nächstem Jahr wieder abbezahlt. Wie es aktuell aussieht, muss die Summe innert fünf Jahren zurückgezahlt werden. Für die meisten ist das genug Puffer.

Michèle Spreiter

Wer seine Miete nicht mehr zahlen kann, sollte das Problem ganz offen bei der Vermieterin ansprechen.

Was tun, wenn mein Aushilfs- oder Studijob plötzlich wegfällt? Wer Rücklagen hat, kann hoffentlich einige Zeit von seinen Ersparnissen leben. Andernfalls gibt es vielleicht die Möglichkeit, in einer anderen Branche einen Aushilfsjob zu finden – der Online-Handel boomt zum Beispiel gerade sehr stark. Stellenvermittlungsbüros oder das RAV können hier gut beraten.

Wenn man ein Familienmitglied oder eine enge Freundin, der es finanziell gut geht, um Geld fragt: Was gibts zu beachten? Gerade für Menschen, die keinen Kredit bekommen, kann das natürlich eine Option sein. Man sollte in so einem Fall aber ganz genau klären, ob es sich um ein Geschenk handelt oder ob das Geld zurückbezahlt werden muss. Wenn ja, sollten die Konditionen und der Zeitraum für die Rückzahlung vereinbart werden – am besten mit einem schriftlichen Darlehensvertrag. Sonst kann es zu unangenehmen Missverständnissen kommen.

Was kann ich machen, wenn ich meine Miete nicht mehr zahlen kann? Der Bundesrat hat die Zahlfrist für Mieten, die zwischen dem 13. März und 31. Mai fällig wurden beziehungsweise werden, von 30 auf 90 Tage verlängert. Ich würde das Problem bei meinem Vermieter, meiner Vermieterin, ganz offen ansprechen. Es kann sein, dass ein weiterer Aufschub oder sogar eine Mietreduktion drinliegt.

Michèle Spreiter

Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um sich mal intensiv mit dem Thema Finanzen auseinanderzusetzen.

Haben Sie einen Tipp für privilegierte Menschen, deren Geld sich auf dem Konto gerade anhäuft, weil die Ausgaben für Wellness, Ausgang oder Ferien wegfallen? Mit Wertschriftenanlagen sollte man nichts überstürzen. Aktien kommen nur für Menschen infrage, die Geld übrig haben, das sie auch in den nächsten Jahren nicht brauchen werden – weder für irgendetwas Unvorgesehenes noch für den Kauf einer Immobilie. Ausserdem sollte man sich gut mit dem Thema auskennen und eine gewisse Risikobereitschaft mitbringen, denn ein Gewinn ist nie garantiert. Für alle, die einen Geldverlust nicht verkraften könnten, bedeutet das also: Mit dem übrigen Geld lieber ab aufs Sparkonto! Und die aktuelle Zeit nutzen, um sich mal intensiv mit dem Thema Finanzen auseinanderzusetzen.

Wie könnte das aussehen? Ich empfehle, sich eine Übersicht über die eigenen Einnahmen und Ausgaben zu schaffen und anschliessend einen Budgetplan aufzustellen. Auf budgetberatung.ch findet man zum Beispiel Tipps und Vorlagen. Auf Youtube gibts zudem einige tolle Finanz-Channels, die verschiedene Themen ganz einfach erklären. Am besten, man lässt sich zusätzlich auf der Bank individuell beraten. Extrem wichtig ist das Thema Altersvorsorge – damit sollte man sich auseinandersetzen, sobald der erste Lohn kommt.

So früh? Oh ja. Die Pensionskassen sehen sich vielfach gezwungen, ihre Leistungen zu senken, deshalb gewinnt das Thema Selbstvorsorge immer mehr an Bedeutung. Auch wenn es nur ein paar Hundert Franken sind, die man monatlich konsequent per Dauerauftrag auf ein Sparkonto überweist – je früher man damit anfängt, desto besser.

Michèle Spreiter ist Dozentin am IfFP Institut für Finanzplanung und als Leiterin Beratungscenter bei der Bank Avera tätig.

Support your locals

Nicht vergessen! Alle, bei denen es finanziell drin liegt, können Gutes tun, indem sie ab und zu Pizza beim Resti ums Eck holen oder Bücher in kleinen Bookshops zur Selbstabholung bestellen bzw. nach Hause liefern lassen. Auch einige Blumen-, Kosmetik-, Mode- oder Interior-Shops bieten neuerdings Delivery an. Und: Yoga, Pilates & Co. gibts zum Teil jetzt ebenfalls online.

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