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Fast die Hälfte aller Frauen gibt sich die Schuld für Fehlgeburt

von Gina Buhl

15 NOVEMBER 2019

Health

Eine neue Umfrage zeigt, dass 46 Prozent der Frauen, die eine Fehlgeburt erleiden, die Schuld bei sich suchen. Nicht die einzigen alarmierenden Erkenntnisse.

Jede fünfte Schwangerschaft endet vor der zwölften Woche – und trotzdem sind Fehlgeburten in unserer Gesellschaft immer noch ein riesiges Tabu. Die Ergebnisse einer Befragung, die vom Femtech Startup Ava durchgeführt wurde, zeigen nun: Das Totschweigen dieses Themas hat gravierende Auswirkungen. Denn es gibt immer noch weit verbreitete Mythen rund um Aborte.

In der heute veröffentlichten Umfrage wurden 1323 Frauen zwischen 18 und 44 Jahren aus der Schweiz, Deutschland und Österreich befragt. So gut wie jede von ihnen, nämlich knapp 95 Prozent, kennt eine Frau, die bereits eine Fehlgeburt hatte. 61 Prozent hat selbst schon eine erlitten. Fast jede befragte Frau hat sich mit ihrem Partner oder Freundinnen darüber ausgetauscht. Fast jede von ihnen hatte nach diesem Erlebnis Angst vor einer erneuten Schwangerschaft.

Frauen liegen häufig falsch

Ab der elften Woche ist die Plazenta schon voll aufgebaut, das Ungeborene rund vier Zentimeter gross. Dass Trauer bei 93 Prozent der Befragten das vorherrschende Gefühl nach der erlittenen Fehlgeburt war, ist mehr als verständlich und nur wenig überraschend. Dass sich allerdings fast die Hälfte der Frauen, 46 Prozent, selbst die Schuld für den Abort gibt, dafür umso mehr.

Würden sie sich besser fühlen, wenn mehr Informationen über Fehlgeburten zugänglich wären? Wenn mehr darüber sprechen würden? Wenn sie wüssten, dass etwa Chromosomdefekte oder Autoimmunerkrankungen hinter einem Abort stecken können? Dass die meisten Ursachen ungeklärt sind – sie aber (ausser sie konsumieren Drogen oder Medis) oft nichts dafür können? Höchstwahrscheinlich schon.

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70 Prozent sehen Stress als Ursache

Das Team von Ava wollte auch wissen, welche Faktoren ihrer Meinung nach eine Fehlgeburt auslösen können – und staunten nicht schlecht über die Antworten: 70 Prozent der Befragten gaben an, dass es am Stress liegen würde. 37 Prozent sehen intensive körperliche Betätigung als Ursache, 35 Prozent glauben, dass das Heben von schweren Gegenständen dazu führt. Nur: Damit liegen sie sehr, sehr falsch.

"Es ist traurig zu sehen, dass diese Mythen rund um Fehlgeburten noch immer bestehen, sagt Maureen Cronin, Chief Medical Officer von Ava. "Seit Jahren ist bewiesen, dass Fehlgeburten nicht durch Stress, Bewegung oder falsches Heben verursacht werden. Und doch sind diese Fehlannahmen in den Köpfen stark verankert." Es wundere sie nicht, dass rund die Hälfte der betroffenen Frauen die Schuld bei sich selber suche.

Die Befragten fühlen sich nicht ernst genommen

In der Umfrage des Femtech-Unternehmens wurde ein weiterer Aspekt deutlich: Die Frauen fühlen sich von den behandelnden Medizinern nicht ernst genommen. 81 Prozent wollten nach der Geburt wieder schwanger werden – doch über die Hälfte gab an, dass ihre Ärztin oder ihr Arzt ihnen geraten habe, einige Zyklen abzuwarten. Ausserdem hatten sie das Gefühl, nicht ausreichend unterstützt zu werden. "Es ist überraschend, dass vielen Frauen nach wie vor geraten wird, ein paar Zyklen abzuwarten, wenngleich mehrere umfassende, qualitativ hochwertige Studien zeigen, dass es keinen Grund dazu gibt", so Cronin. Tatsächlich würden aktuelle Studien sogar in die entgegengesetzte Richtung zeigen: "Frauen, die innerhalb der ersten sechs Monate nach einer Fehlgeburt erneut schwanger werden, haben ein geringeres Risiko, eine erneute Fehlgeburt zu erleiden."

Wie Ava in der Pressemitteilung erklärt, soll diese Umfrage vorherrschende Mythen aufdecken und einen Teil zur besseren Aufklärung beitragen: Wie nötig das ist, zeigen die Ergebnisse. Auch die Gesetzeslage lässt zu wünschen übrig: In der Schweiz gelten bei Krankenkassen Fehlgeburten bis zur 12. Woche in einer Schwangerschaft als Krankheit. Die betroffenen Frauen müssen also nicht nur den Verlust des Kindes verarbeiten, sie müssen auch noch alle Kosten der Behandlung selber bezahlen.

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