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"Es ist unmenschlich, uns nicht zu akzeptieren"

von Gina Buhl

17 JUNI 2018

Life

Wir wollen wissen, was die LGBTQI-Community bewegt. Unseren letzten Fragebogen beantwortet Gilliane, 20, aus Bern.

Worüber hast du dich dieses Jahr schon besonders gefreut? Dass ich meinem Dad endlich sagen konnte, dass ich bisexuell bin.

Und worüber geärgert? Dass man in der Schweiz als queere Person immer noch nicht kirchlich heiraten darf und überhaupt noch für seine sexuelle Orientierung kämpfen muss.



Fühlst du dich wohl in der Schweiz? Nein.

Würdest du gern woanders leben? Wenn ja, wo und warum? Ja, in Berlin. Dort darf man sein, wer man ist, ohne verurteilt zu werden. Ob Homo, Trans oder sonst was – die Menschen sind schon ein grosses Stück toleranter als hier.

Was ist das Mühsamste am Queersein? Es gibt immer Leute, die dich nicht akzeptieren. Das ist nicht mühsam – es ist unmenschlich.

Gibts ein Vorurteil, das dich so richtig hässig macht? Dass behauptet wird, gleichgeschlechtliche Paare sollen kein Kind erziehen können. Die Erziehung hat nichts mit dem Geschlecht zu tun, sondern mit dem Menschen und Charakter.

Was macht dich an deinem Queersein besonders happy? Es hat mich zu einem sehr toleranten und offenen Menschen gemacht. 

Wer war die erste Person, der du von deiner Queerness erzählt hast? Meinem Bruder. Der war ziemlich begeistert davon, dass wir zusammen über Frauen plaudern können.

Wie steht der Rest deiner Familie zu deiner Sexualität? Sie ist fast zu offen. Als ich mich bei meinen Eltern outete, war das für sie überhaupt kein grosses Thema – dabei hatte ich mir schon eine riesengrosse Drama-Szene ausgemalt, bei der es dann ein Happy End gibt.

Was wünscht du dir für deine Zukunft? Dass ich mir keinen Kopf darüber machen muss, ob mein sexuelle Orientierung ein Hindernis für die Wahl meines Berufs oder meiner Zukunft mit Haus und Kind ist.

Was war das Schlimmste, was du je wegen deiner Queerness 
durchmachen musstest? 
Was mich sehr traurig macht ist, dass ich meiner Grossmutter nicht sagen konnte, wer ich wirklich bin, da sie zur Generation der Null-Toleranz gehörte. Jetzt ist sie schon im Himmel und wird es nie erfahren.

Wenn du dir eine Superkraft aussuchen dürftest – welche wärs? Ich möchte Menschlichkeit regnen lassen können – überall da, wo Krieg und Intoleranz existiert.

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