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"Es gibt Tage, da find ich mich woooah!"

von Christina Duss

4 OKTOBER 2018

Entertainment

Zoë Kravitz, 29, ist in der Clique ihrer Eltern Lisa Bonet und Lenny Kravitz aufgewachsen. Nach wilden und ungesunden Jahren als Twen hat die Schauspielerin gelernt, sanftmütig mit sich zu sein.

Die meisten Stars sind kleiner und langweiliger, als man sie sich vorstellt. Zoë Kravitz ist genau so winzig und lässig-elfenhaft, wie sie auf der Leinwand («Big Little Lies», «Mad Max: Fury Road»), auf der Bühne mit ihrer Band Lolawolf oder in ihrer neuesten Beauty­kampagne zum YSL-Duft Black Opium wirkt. Letzterer ist der Grund, warum die Tochter von Sänger Lenny Kravitz und 90s-Kult-Schauspielerin Lisa Bonet uns in einem Londoner Luxushotel trifft. Sie trägt eine schwarz­weisse Bluse, eine weite Stoffhose, Sambas von Adidas, pinke Socken und eine Reihe von Silberringen, die zu den schlichten Tattoos auf ihren Händen passen. Ihre Haare sind zu hüftlangen Rastazöpfen geflochten. Cool.

Zoë, am 1.  Dezember wirst du dreissig. Kennst du dein Spirit Animal? Nein, was ist es?

Ich habs ergoogelt. Du bist ein Wal. Ooh, mein Freund liebt Wale. Ich will mehr wissen.

Wale seien sehr risikofreudig. Stimmt. Was noch? Langeweile ist für sie der Tod. Das ist grossartig. Ja! Daran ar­beite ich. Es ist wichtig, ab und zu regungslos zu sein. Ich tendiere dazu, meinen Tag vollzupacken. Wahrscheinlich, damit ich mich nicht mit mir selbst abgeben muss.

Wale haben ausserdem Probleme, sich an einen Partner zu binden. Unterschreibe ich so. Ich mein, ich hab einen festen Freund und trotzdem brauche ich eine ge­wisse Unabhängigkeit.

Wale seien auch Glückspilze, heisst es. Das sagt meine Mutter auch immer über mich. Stimmt doch: Ich habe ein wunderbares Leben, in das ich einfach rein­geboren bin. Ich habe Essen, ein Dach über dem Kopf, eine Karriere, eine Beziehung und Eltern, die mich so lieben, wie ich bin.

Deine Eltern Lenny und Lisa waren knapp zwanzig, als sie dich bekommen haben. Wie hat sich ihr junges Alter auf dein Heranwachsen ausgewirkt? Ich bin ihnen sehr nah. Das könnte tatsächlich daher kommen, dass wir auch vom Alter her nicht so weit auseinanderliegen. Ich bin dankbar, dass ich noch so viel Lebenszeit mit meinen Eltern habe. Ihre Freunde waren auch jung – und ich das einzige Kind in der Clique. Deshalb habe ich heute eine Sippe aus Verwandten und Freunden, die geholfen haben, mich grosszuziehen.

Gibts was, das dir deine Eltern immer und immer wieder eingebläut haben? Dass man nie weiss, was morgen kommt. Und man jeden Moment ehren soll.

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Mom & dad.

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Hat dich die Tatsache, dass du oft von Erwachsenen umgeben warst, geprägt? Bestimmt. Ich bin wahrscheinlich ziemlich schnell erwachsen geworden. Unter anderem, weil man mit mir normal gesprochen hat. Oft sprechen Erwachsene mit Kindern, als seien sie Idioten.

Hat dir deine Mutter jemals einen Schönheitstipp gegeben? Dass man auf seine Gesundheit achten soll, weil sie das Wichtigste sei. Sich Sorge zu tragen - damit beginnt Schönheit. Aber auch damit, eine gute Person zu sein. Es gibt viele schöne Leute, die nicht nett sind. Erkenne ich das, sehe ich ihre Schönheit nicht mehr.

Was tust du für dein eigenes Wohlbefinden? Viel schlafen, Wasser trinken, gesund essen, immer mal wieder das Handy für eine Weile weglegen. Und ich bin süchtig nach Dampfbädern.

Wie riecht ein Duft, der zu dir passt? Viele Parfums sind mir zu einseitig – zu süss oder zu herb, zu maskulin oder zu feminin. Ich mag es, wenn die Dinge eine gewisse Balance haben.

Du bist eine der ersten schwarzen Frauen, die es in die Kampagne eines Luxus-Dufts geschafft hat. Stolz? Ich wusste das nicht, als wir die Kampagne gemacht haben. Es hat diese Erfahrung umso reicher gemacht, weil die Sache auf einmal grösser als ich wurde. Es ist so wichtig, dass sich schwarze Frauen in den Me­dien wiederfinden.

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Zoë auf der Kampagne des YSL-Duftes "Black Opium"

In deiner Insta-Bio heisst es: «Versuche seit 1988 kein TOTALES Arschloch zu sein». Mit anderen Worten? (Lacht) Na ja, ich versuche ein guter Mensch zu sein, aber es gelingt nicht immer.

Was hast du in den letzten Jahren beim Filmedrehen gelernt? Dass es mehr zu lernen gibt. Und dass man im echten Leben den Boden unter den Füssen spüren­ muss. Ich glaube, das macht einen zu einer besseren Schauspielerin.

Was hast du in deinen Zwanzigern über deinen Körper gelernt? In den Zwanzigern denkt man, dass es keinen Einfluss auf den Körper hat, wenn man nur ungesundes Zeug isst, bei Sonnenaufgang schlafen geht, trinkt und raucht. Wird man älter, merkt man, dass der Körper nicht einfach alles so wegsteckt. Ausserdem vernachlässigt man zu oft seine mentale Gesundheit. Für mich war es anstrengend, mich selbst ständig in einem negativen Licht zu betrachten. Ich musste lernen, dass man sanft­mütig mit sich sein sollte.

Das fiel dir nicht immer leicht. Du hast in der Vergangenheit öffentlich über deine Ano­rexie als Teenager gesprochen. Wie hat sich dein Körperbild seither verändert? Ich war damals erschöpft und musste mit mir einen Deal machen. Das ist es nicht wert, es wird dich umbringen, sagte ich mir. Auch wenn ich starken Support um mich rum hatte, musste ich an einen Punkt kommen, an dem ich die Veränderung selbst wollte.

Hat sich mit dieser Veränderung auch deine Art, dich zu kleiden, gewandelt? Es gibt Tage, an denen ich enge, kurze Kleider anziehe und denke: Woooah! Tags darauf kann ich mir nicht mehr vorstellen, dass ich mich darin jemals wohlgefühlt haben soll.

Wie gelingt dir diese gewisse Entspanntheit in deinem Look? Es hat viel damit zu tun, dass ich mich einfach wohlfühlen möchte.

Was würdest du ändern, wenn du deine Zwanziger nochmal durchleben könntest? Nichts – diese Zeit ist doch dafür da, Fehler zu machen.

Welchen Fehler hast du denn gemacht? Leider weiss ich seinen Namen nicht mehr (lacht).

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