Gettyimages 970298804
Getty Images

Es gibt eine Hardcore-Variante von PMS

von Gina Buhl

28 SEPTEMBER 2018

Health

Fast jede zweite Frau leidet unter dem prämenstruellen Syndrom. Wie gravierend das für manche ist, haben wir von Psychotherapeutin und PMS-Expertin Ulrike Ehlert erfahren.

Alle Tage wieder: Zwischen 30 und 50 Prozent der Frauen leidet vor der Periode unter dem prämenstruellen Syndrom. Ganz schön krass: PMS kann bis zu 150 verschiedene Symptome auslösen – körperliche wie auch psychische. Bei den einen dauerts fast zwei Wochen, bei anderen nur wenige Tage.

Was genau dahintersteckt und wie schlimm die Beschwerden für manche Frauen sind, haben wir von Psychologin Ulrike Ehlert erfahren.

Frau Ehlert, mit welchem Leiden lässt sich PMS ver­gleichen? Das hängt davon ab, ob eine Frau eher körperliche oder psychische Beschwerden hat. Körperlichen Symp­tome wie Blähungen oder Bauchschmerzen lassen sich mit jenen von Reizdarm-Patienten vergleichen. Die Niedergeschlagenheit, die viele beschreiben, ist in der Regel schwächer als etwa bei einer normalen Depression.

Das Gefühlschaos ist also halb so schlimm? Auf keinen Fall. Jede empfindet das anders. Die einen merken zwar, dass sie dünnhäutig sind, stören sich aber nicht daran. Andere wiederum fühlen sich im Alltag eingeschränkt. Und dann gibts jene, die unter der sogenannten "late luteal phase disphoric disorder" leiden.

Was genau versteht man darunter? Das ist eine schwerwiegende Depression, die in der zweiten Zyklushälfte anfängt und mit dem Einsetzen der Periode wieder verschwindet. Man nennt das auch PMDD.

Die Hardcore-Version von PMS? Genau. Mit den leichten Verstimmungen des PMS hat das nur noch wenig zu tun. Es gibt Frauen, die fühlen sich sogar so schlecht, dass sie an Suizid denken.

Heisst das, dass die Mens bei manchen eine Psychotherapie notwendig macht? Ja, absolut. Die betroffenen Frauen werden nach einer Abklärung vom Psychologen oder Psychiater behandelt und müssen in gewissen Fällen auch Antidepressiva einnehmen.

Es verwundert, dass man von PMDD so wenig hört... Ja, weil es bisher kaum Forschungsergebnisse gibt. Es heisst zwar immer, dass mehr Frauen eine Depression haben – aber die Formen der Depression, die an das gebärfähige Alter geknüpft sind, werden dabei einfach ausgeblendet. Das ist bedenklich, weil wir wissen, dass Frauen, die unter PMS oder PMDD leiden, mit höherer Wahrscheinlichkeit auch Depressionen nach der Geburt und in der Menopause bekommen werden.

Warum forscht man nicht mehr daran? Es ist eben nach wie vor so, dass viele Wissenschaftsbereiche von Männern dominiert sind. Und die haben vielleicht andere Interessenschwerpunkte.

Aber das ist doch fatal, wenn man bedenkt, dass 50 Prozent der Menschheit ihre Mens bekommt. Stimmt. Aber man muss sich auch klar darüber werden, dass wirklich nur ein kleiner Teil derart darunter leidet. Wichtig ist, weder zu überdramatisieren, noch zu bagatellisieren. Frauen die sich stark eingeschränkt fühlen, sollten unbedingt mit einer Gynäkologin oder einem Psychotherapeuten darüber reden.

Noch mehr Fakten, Storys und Interviews zum Thema Mens findet ihr in unserer aktuellen Printausgabe.
Noch mehr von uns
Was hältst du von diesem Artikel?
  • :(
  • love it no Data :(
  • haha no Data :(
  • wow no Data :(
  • traurig no Data :(
  • wütend no Data :(
  • love it
  • haha
  • wow
  • traurig
  • wütend