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"Eine gewisse Traurigkeit ist immer vorhanden"

von Janine Heini

23 AUGUST 2019

Life

Die Hamburgerin Anna Schatz wünscht sich schon lange ein Kind. In ihrem neuen Buch "Wenn ich noch eine glückliche Mami sehe, muss ich kotzen" und im Interview mit uns erzählt sie ehrlich und humorvoll von ihrem Leben mit unerfülltem Kinderwunsch.

Buchcover

erhältlich ab dem 20. August

Anna, warum möchtest du unbedingt ein Kind? Sagen wir es so: Ich kümmere mich gerne um andere. Es geht mir nicht nur darum, einem Kind eine Schultüte zu basteln, sondern ihm ein bisschen die Welt zu erklären. Ich würde gern ein Kind aufwachsen sehen und miterleben, wie es sich als Mensch in der Gesellschaft entwickelt.

Weisst du denn, warum es bisher nicht geklappt hat, schwanger zu werden? Ich kann schwanger werden – ich bleib es nur nicht, das ist das Problem. Versucht habe ich schon vieles, auch Hormonbehandlungen. Eine künstliche Befruchtung kommt für mich aber nicht infrage.

Warum nicht? Vor zwei Jahren war ich auf einer Kreuzfahrt und hatte dort meine zweite Fehlgeburt. Das war für mich der entscheidende Moment zu sagen: So, jetzt akzeptiere ich die Situation, wie sie ist, und schreibe ein Buch über mein Leben mit unerfülltem Kinderwunsch. In dieser Zeit habe ich mit vielen anderen Frauen gesprochen – auch mit solchen, die sich einer künstlichen Befruchtung unterzogen haben. Da wurde mir klar: Wer so viel versucht, hofft umso mehr auf eine Schwangerschaft – und ist dann umso enttäuschter, wenn es nicht klappt. Da habe ich für mich entschieden, dass ich mich dieser Gefühlswelt nicht aussetzen will.

Hat das Kinderthema deine Partnerschaft belastet? Ich habe es nie wirklich zugelassen, dass das Thema unseren Alltag bestimmt. Natürlich belastet das eine Partnerschaft in dem Sinne, dass eine gewisse Traurigkeit immer vorhanden ist. Ich habe aber einen Partner an meiner Seite, der ein sehr positiver Mensch ist und immer die schöne Seite des Lebens betrachtet – ob da jetzt ein Kind ist oder nicht. Ich versuch mir, das ein bisschen zu eigen zu machen.

Wirst du oft auf deine Kinderlosigkeit angesprochen? Ja, ich denke, das geht fast allen Frauen ab einem gewissen Alter so. Ich würde mir wünschen, dass die Menschen sensibler mit dem Kinderthema umgehen und nicht gedankenlos Fragen stellen. Jemanden zu fragen, ob er oder sie Kinder hat, ist ja völlig in Ordnung. Nachzufragen, warum nicht, ist jedoch extrem persönlich. Bei Männern hakt da so gut wie niemand nach – ein Mann ist einfach ein Mann. Eine Frau hingegen ist Mutter oder sie wird von der Gesellschaft nicht als vollwertiger Mensch angesehen.

Welche Reaktionen haben dich am meisten genervt oder verletzt? Manche haben einfach angenommen, dass ich gar keine Kinder will und mir indirekt Egoismus vorgeworfen. Oder Sprüche wie “So bleibt dir aber auch eine Menge erspart”.

Kannst du der Kinderlosigkeit denn etwas Positives abgewinnen – hinsichtlich deines Berufs beispielsweise? Klar: Kinderlose Frauen haben sicher die grösseren Karrierechancen. Der Nachteil ist aber, dass sie oft für die arbeitenden Mütter einspringen müssen. Man hilft sich gegenseitig und das ist auch in Ordnung. Es ist jedoch keine Selbstverständlichkeit, einen Teil seiner Freizeit für andere zu opfern. Da würde ich mir mehr Wertschätzung wünschen.

Auch wenn du selbst keine Ratschläge mehr hören kannst – hast du dennoch einen für Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch? Ich würde raten, irgendwann eine Entscheidung treffen, wie weit man gehen möchte. Ob zum Beispiel künstliche Befruchtung oder Adoption in Frage kommt. Es ist wichtig, sich darüber klar zu werden – und das Thema nicht ewig vor sich herzuschieben.

Anna Schatz
Klaus Sick

Buchautorin Anna Schatz, 38

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