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Kerstin Wierzbowski

Ein Plädoyer für Mikro-Abenteuer

von Melanie Biedermann

19 AUGUST 2018

Life

Versteckte Vorlieben entdecken und ab und zu ausserhalb der Norm zu leben, macht das Leben schöner, findet Friday-Autorin Melanie Biedermann.

Der erste Sex, der erste Job, die erste eigene Wohnung - das sind die Eckpfeiler des sozialen Lebens. Wirklich spannend wird es aber erst, wenn wir mehr als Grundbedürfnisse befriedigen wollen. Wenn wir experimentieren und Grenzen ausloten.

Sicherheit ist gut, solange wir uns Möglichkeiten offen halten

Gut geölte Beziehungen, ein fixes Einkommen und das eigene Nest sind durchaus Dinge, die uns zufrieden machen, danach zu streben, erfüllt aber in erster Linie die Erwartungen anderer. Das weiss jeder, dem eine dieser Stelzen über längere Zeit fehlt. Man fühlt sich sozial am Krückstock, dezent an den Rand gedrängt: ungenügend, unsicher und angreifbar.

An einem geregelten Leben ist ja nichts verkehrt. Es gibt aber auch andere Optionen. Und damit meine ich nicht: Geh fremd, wenn du in einer glücklichen Beziehung bist. Oder schmeiss deinen Job hin, weil Selbstversorgung irgendwie spannend klingt. Ich meine: Lass deine Gedanken schweifen und frag dich, was dich interessiert.

Es gibt für alles ein erstes Mal. Und nicht selten eröffnet so eines neue Welten zwischen “Schaffe, schaffe, Hüsli baue” und Yolo-Resignation. Sie zeigen, dass andere Dinge erfüllen können, während man aufs Grosse wartet.

Da war doch mal was

Überleg: Wann hast du das letzte Mal ein neues Hobby ausprobiert? Warst du jetzt endlich im Bergsee nacktbaden? Hast du mal daran gedacht, Leute, die dir gefallen, schamlos anzugraben? Einen Tag lang kein Geld auszugeben? Oder klingt BDSM irgendwie spannend? Ist das Glitzerkleid, das ganz hinten im Schrank hängt, vielleicht was für Montag? Spontan am Flughafen das günstigste Wochenend-Ticket buchen? Was war dein Berufswunsch als Kind?

Du musst natürlich nicht alles einmal ausprobiert haben, aber denk zumindest darüber nach. Denn wer sich nur auf die Eckpfeiler und Sicherheit fokussiert, gibt ihnen zu viel Gewicht und schürt die Erwartungen an sich selber. Manchmal muss man sich daran erinnern, dass das Schema Beziehung-Karriere-Eigenheim eine Option aus vielen ist. Und es gibt sie in verschiedenen Varianten.

Ein Versuch ist selten ein Risiko

Da kommen die Experimente ins Spiel. Was wäre denn das Worst-Case-Scenario? Vielleicht probierst du statt Vanille-Glacé mal Pistache, vielleicht ein zweites oder drittes Mal, und vielleicht danach nie wieder, weil du genug probiert hast, um zu wissen, dass du andere Sorten lieber magst.

Da, auf Glacé-Niveau, beginnt das Mikro-Abenteuer. Und bald merkst du: Dasselbe gilt für Nacktbaden, BDSM, einen Schnuppertag in einem Beruf, den du als Primarschüler wolltest oder eine Nacht unterm nackten Sternenhimmel. Vielleicht merkt man währenddessen, dass man die Basis-Sicherheit gar nicht will, oder zumindest: nicht so dringend braucht wie man vielleicht dachte.

Erste Male sind wichtig: Weil sie dir zeigen, wer du sein könntest. Es ist Selbstermächtigung für Einsteiger.

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