dope saint jude
Tanya Hänni

"Hip-Hop ist genial, aber von Männern dominiert"

von Anja Glover

8 JULI 2019

Life

Am Wochenende fand das erste queerfeministische Hip-Hop-Festival der Schweiz statt. Wir haben Rapperin Dope Saint Jude aus Kapstadt zum Gespräch getroffen.

Dass Hip-Hop und Feminismus vereinbar sind, hat das erste queerfeministische Hip-Hop-Festival der Schweiz am vergangenen Wochenende bewiesen. Auf der Warmbächlibrache in Bern wurde gerappt, getanzt, gesungen und gesprayt. Die Künstlerinnen zeigten Alternativen zu diskriminierenden Aspekten der Hip-Hop-Kultur. Das Ziel: weniger Mainstream, mehr Respekt.

Wir haben mit der 27-jährigen Rapperin Dope Saint Jude gesprochen, die für den Anlass aus Südafrika angereist ist. Die Aktivistin war vor ihrer Musikkarriere als rappender Drag-King unterwegs und ist in der queerfeministischen Szene von Kapstadt fest verankert.

Dope Saint Jude, warum braucht es feministischen Hip-Hop? Passt das deiner Meinung nach überhaupt zusammen? Hip-Hop ist genial, aber die Szene wird dominiert von Männern, die mit Geld angeben, und von Frauen, die als Dekoration im Bikini tanzen. Das geht aber auch anders. Hip-Hop war schon immer aufklärerisch – wenn man über ein schwieriges Thema sprechen will, ist Rap ein gutes Medium. Ich bin eine Frau und coloured, das heisst, ich trage verschiedene Kulturen in mir, und gehöre damit mehreren Minderheiten an. Mit meiner Musik möchte ich meine Wahrheit erzählen.

Gibt es Hip-Hop-Tracks, bei denen du im Club aufhörst zu tanzen, weil die Lyrics so sexistisch sind? Das hängt von der Situation ab. Ich selbst würde diese Musik nicht auflegen, aber ab und zu tanze ich im Club mit meinen Freundinnen trotzdem weiter. Es gibt aber Tracks, die sind mir echt zu blöd, zum Beispiel einige Songs von Nicki Minaj.

Fühlst du dich in der Hip-Hop-Szene als Feministin akzeptiert? In meiner Szene werde ich sehr akzeptiert – die Leute haben es satt, diskriminierende Raptexte zu hören. Es kommt immer darauf an, wo und von wem du wahrgenommen werden möchtest. Ich selbst würde beispielsweise nicht in einem Drake-Video auftreten wollen. Das ist mir zu mainstream und zu frauenfeindlich.

Unnamed
zvg

Friday-Autorin Anja (links) mit Dope Saint Jude in Bern.

Warum bist du den weiten Weg aus Kapstadt nach Bern zum queerfeministischen Hip-Hop-Festival gekommen? Um mich von Europäern bezahlen zu lassen und dann Land in Südafrika zu kaufen (lacht). Im Ernst: Euch geht es heute unter anderem deshalb so gut, weil grosse Teile unseres Kontinents vom Rest der Welt ausgebeutet worden sind. Es ist also nur fair, wenn ich etwas zurückhole. Es ist aber auch schön zu kommen, weil meine Fans mich weltweit verstehen – es fühlt sich also ein bisschen so an, als würde ich einen Teil meiner Familie besuchen. Ausserdem finde ich, dass die Leute in Europa noch ein bisschen mehr Power und Motivation brauchen, um sich zu trauen, auch in der Kunst für Gerechtigkeit zu kämpfen.

Was ist der Unterschied zwischen der queerfeministischen Szene in Südafrika und der in Europa? Wenn du coloured oder schwarz bist in Südafrika, kommst du mit hoher Wahrscheinlichkeit aus ärmeren Verhältnissen. Das heisst, du hast nicht so viel zu verlieren. In Europa sind die Leute privilegiert – sie riskieren viel mehr, wenn sie öffentlich sagen, was sie wirklich denken.

Du bist in sehr religiösen Verhältnissen aufgewachsen. Lässt sich das mit Hip-Hop und der Queerszene vereinen? Ja, auf jeden Fall. Für mich funktioniert das prima. Ich bin nach wie vor eine sehr spirituelle Person. Gott ist für mich aber nicht ein weisser Mann im Himmel, sondern eher eine Frau oder etwas in der Natur, vielleicht ein Baum. Unsere Wahrnehmung ist zu eingeschränkt, um Gott wirklich zu verstehen.

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