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Wisst ihr, was der Digital Gender Gap ist?

von Marie Hettich

29 JANUAR 2020

Job & Budget

Eine aktuelle Studie aus Deutschland zeigt ganz klar: Frauen haben in allen Bereichen der Digitalisierung das Nachsehen.

Karlie Kloss – US-Model und Gründerin von "Code with Karlie" – sagte schon vor Jahren: "Frauen haben nur dann die Möglichkeit, die Zukunft massgeblich mitzugestalten, wenn sie programmieren können. Es ist wichtiger denn je, dass nicht nur Männer, sondern auch Frauen Technologien entwickeln – denn sie beeinflussen die ganze Welt."

Recht hat sie – und doch ist die IT-Branche bis heute eine Männerbranche. Auch im Alltag, fernab des Silicon-Valley-Vibes, zeigen sich hinsichtlich der Digitalisierung zwischen Frauen und Männern gravierende Unterschiede, wie eine deutsche Studie der Initiative D21 zeigt.

In Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit wurden über 20'000 Frauen und Männer zwischen 14 und 65 gefragt, inwiefern sie Zugang zur digitalen Welt haben, wie sie sich darin bewegen, wie viel sie darüber wissen und wie offen sie der Digitalisierung gegenüber eingestellt sind. In allen vier Bereichen lagen die Frauen hinter den Männern. Ausnahmslos.

Ein paar Beispiele:

  • 23% der Männer geben an, (mindestens) eine Programmiersprache zu beherrschen – und nur jede zehnte Frau.
  • 37% der Frauen wissen nach eigenen Angaben, wie sie ein Netzwerk einrichten – bei den Männern sinds ganze 75%.
  • Die Hälfte der Männer zwischen 25 und 44 sagt, sie seien stets an neuen Trends im digitalen Umfeld interessiert. Dasselbe trifft nur auf 29% der Frauen zu.
  • 77% der Männer zwischen 25 und 44 und nur 56% der Frauen möchten ihr Wissen im Bereich Computer, Internet und digitale Themen ausbauen.
  • Jede dritte Frau zwischen 25 und 44 hat eine Weiterbildung zum Ausbau ihrer digitalen Fähigkeiten von ihrer Arbeitgeberin bezahlt bekommen. Bei den Männern sinds 39%.
  • Weit über die Hälfte der Männer bekommen von ihrer Arbeitgeberin einen Laptop zur Verfügung gestellt – und nur 36% der Frauen.

Ähnliches Bild in der Schweiz

Das Bundesamt für Statistik misst seit 2017, wie kompetent Schweizerinnen und Schweizer im digitalen Bereich sind. Hier zeigt sich ein sehr ähnliches Bild: Ob Bildbearbeitung, Excel oder Internetskills – Schweizer Frauen liegen stets hinter den Männern.

Die Initiative D21 hat Ideen entwickelt, wie der sogenannte Digital Gender Gap verkleinert werden könnte: Erstens müssten Aus- und Weiterbildungsangebote entwickelt werden, die die Geschlechtergerechtigkeit auf dem Schirm haben. Also Angebote, die beispielsweise Rücksicht auf die teils verschiedenen Arbeits- und Lebenswelten von Männern und Frauen und den individuellen Wissensstand nehmen.

Frauen unterschätzen sich

Zweitens sollten Arbeitgeberinnen Frauen und Männer gleichermassen mit Laptops und Co. ausstatten und sicherstellen, dass alle wissen, wie damit umzugehen ist. Drittens sei es wichtig, dass schon bei der Ausbildung von pädagogischen Fachkräften das Thema Gendergerechtigkeit eine Rolle spielt. Also beispielsweise darauf geachtet wird, dass der Anteil an männlichem und weiblichem Lehrpersonal ausgewogen ist.

In der Broschüre steht übrigens, dass Frauen auch in puncto Digitalisierung eher dazu neigen, ihre Fähigkeiten zu unterschätzen, während Männer sie oft überschätzen. Hoffentlich dürfen wir es alle noch erleben, dass Männer ein bisschen selbstkritischer werden – und Frauen sich endlich mehr zutrauen.

Die Initiative D21 wurde vor 20 Jahren in Deutschland gegründet. Sie hat zum Ziel, dass "alle gesellschaftlichen Gruppen bestmöglich von den Chancen der Digitalisierung profitieren". Dementsprechend initiiert sie u.a. regelmässig Projekte, die den Frauenanteil in IT-Ausbildungen, Studiengängen und Berufen steigern sollen.

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