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Schon mal was von "Digisexualität" gehört?

von Gina Buhl

10 JANUAR 2020

Life

Laut dem US-Magazin "Paper" identifizieren sich immer mehr Menschen als "digisexuell". Was hat es damit auf sich?

Technologie ist überall und unmittelbar mit unserem Alltag verwoben: Ins Kino checken wir mit Smartphones ein, das Resti wird via Online-System reserviert und im Gym coacht uns ein virtueller Trainer.

Geht es nach der Sex-Kolumnistin Sandra Song des US-Magazins "Paper", wird auch die Art und Weise, wie wir lieben, unsere sexuelle Identität, immer technologischer. Immer mehr Menschen sollen sich gemäss der Expertin als digisexuell identifizieren.

Digisexuelle stehen nicht auf analoge Dates

Ganz so crazy wie das für manche erstmal klingen mag, ist es allerdings gar nicht: Die beiden US-Psychologen Neil McArthur und Markie L.C. Twist, die Digisexualität bereits vor drei Jahren im "Journal of Sexual and Relationship Therapy" erwähnt haben, definieren diese sexuelle Ausrichtung nämlich so: "Ein Digisexueller ist jemand, dessen primäre sexuelle Identität durch den Einsatz von Technologie entsteht." Heisst: Digisexuelle Menschen haben beim Daten im analogen Leben einfach nicht ganz so viel Spass. Aufblühen sollen sie dagegen beim Sexting oder beim Kennenlernen über Skype. Und irgendwann wird ihnen klar: Sie wollen ihre Liebe nur noch auf digitalem Wege ausleben.

Gen-Z-ler lieben längst digisexuell

Für viele Gen-Z-ler und Millennials ist diese Entwicklung bereits Alltag. Tinder gehört zur Standart-Dating-Ausrüstung, die meisten schreiben, sexten und verknallen sich vielleicht sogar ausschliesslich mit Hilfe des Smartphones. Im Gegensatz zu Digisexuellen findet der Rest ihrer Beziehung dann aber irgendwann im Real Life statt.

Auch das Benutzen von smarten Sextoys – was laut den US-Psychologen typisch digisexuell sein soll – ist längst keine futuristische Theorie mehr: Sextoy-Hersteller wie "OhMiBod" verkaufen seit einiger Zeit erfolgreich sogenannte "Teledildonics", die den Fern-Geschlechtsverkehr zwischen Menschen erleichtern sollen. Im Falle von OhMiBod ist das eine Software, die es zwei Menschen ermöglicht, ihre mit Smartphones gekoppelten Toys zwischen Pfäffikon und Thessaloniki gegenseitig zu steuern.

Ferngesteuerter Sex? Gut möglich

Teledildonics-Pionierin und OhMiBod-Gründer Suki Dunham ist sich jedenfalls sicher: "In den nächsten Jahren werden viele Paare aufgrund des knappen Wohnraums nicht immer zusammen leben können. Technik, die es ermöglicht, ferngesteuerten Sex zu haben, wird also definitiv boomen." Klingt irgendwie nicht ganz unrealistisch.

Für Susan Song und die Psychologie-Experten kann sich das Digisexuell-Sein aber noch anders zeigen: In der Liebe zu Robotern zum Beispiel. Zwar gibt es bisher erst wenige Menschen, die diese Liebe auch öffentlich ausleben (ein Japaner hat 2018 zum Beispiel ein Hologram namens Hatsure Miko geheiratet), doch auch solche Liebesgeschichte könnten sich in den nächsten Jahren häufen.

Outings eher unwahrscheinlich

"Dass sich diese Leute in nächster Zeit dazu bekennen werden, bezweifle ich", so Psychologe Neil McArthur. Das Stigma rund um die Tech-Love sei noch viel zu gross. Viele würden sofort an einsame, alte Männer mit Sex-Robotern denken und diese Vorstellung eher abstossend finden. Es müsse noch sehr viel selbstverständlicher werden, dass Liebe und Technik Hand in Hand gehen können, meint auch Tech-Gründerin Suki Dunham.

Hinter Digisexualität stecke noch weitaus mehr, da sind sich die Psychologen und die Sex-Kolumnistin Sandra Song einig. Konkrete Zahlen oder wissenschaftliche Erkenntnisse dazu gibts noch nicht – und wohl erst, wenn noch mehr Menschen über diese sexuelle Identität sprechen.

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