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Dieser Hashtag ist noch wichtiger als #MeToo

von Alisa Fäh

25 SEPTEMBER 2018

Life

Ein Tweet von Donald Trump löst eine Welle von Protesten aus: Unter dem Hashtag #WhyIDidntReport – wieder von Alyssa Milano lanciert – erklären Opfer von sexuellem Missbrauch, warum sie niemandem davon erzählt haben.

Vor einem Jahr rief Schauspielerin Alyssa Milano Opfer sexueller Belästigung dazu auf, sich unter #MeToo sichtbar zu machen. Doch wer sich traut, von sexuellen Übergriffen zu berichten, muss leider auch heute noch mit Gegenwind rechnen: Betroffenen wird oft vorgeworfen, dass sie übertreiben oder gar lügen.

So geht es jetzt auch Christine Balsey Ford: Sie wirft Brett Kavanaugh, Trumps Wunschkandidat für die Richterstelle im Supreme Court, vor, dass er sie 1982 an einer Party sexuell missbraucht habe. Trump stellt sich schützend vor Kavanaugh und zweifelt die Glaubwürdigkeit von Ford an – auf Twitter: "Sollte der Angriff auf Dr. Ford wirklich so schlimm gewesen sein, wie sie sagt, hätten schon damals entweder sie oder ihre liebevollen Eltern Anklage bei den örtlichen Strafverfolgungsbehörden eingereicht." Unglaublich.

Wieder fordert Alyssa Milano nun Frauen dazu auf, die Stimme zu erheben – diesmal unter dem Hashtag #WhyIDidntReport (auf Deutsch etwa: Darum habe ich nichts gesagt).

Alyssa Milano löst damit eine Welle von Protesten gegen Trumps Tweet aus: Unter dem neuen Hashtag solidarisieren sich Frauen mit Ford, schildern ihre eigenen Fälle sexuellen Missbrauchs – und erzählen, warum sie so lange darüber geschwiegen haben. In den mittlerweile über 675'000 Tweets wird deutlich: #WhyIDidntReport war dringend nötig. Der neue Hashtag greift tiefer als #MeToo und zeigt die vielschichtigen Gründe auf, warum viele Opfer ihr Schweigen jahrelang oder nie brechen können.

Schauspielerin Ashley Judd beispielsweise schreibt: "Als es das erste Mal passierte, war ich sieben. Ich habe es den ersten Erwachsenen erzählt, die mir begegnet sind. Sie sagten: Oh, er ist ein netter alter Mann. Er hat es nicht so gemeint. Als ich mit 15 vergewaltigt wurde, habe ich es dann nur meinem Tagebuch erzählt." "Riverdale"-Star Lili Reinhart erklärt ihr Schweigen so: "Weil ich meinen Job nicht verlieren wollte und nicht wollte, dass die Menschen denken, ich sei eine Drama-Queen.”

Viele Betroffene schildern, dass sie es aus Scham nicht geschafft haben, jemandem von ihren Erlebnissen erzählen. Auch die Furcht davor, selbst etwas falsch gemacht zu haben und so eine Mitschuld am Vorfall zu tragen, wird oft genannt.

Unter #WhyIDidntReport finden sich Tausende Geschichten von Angst, Wut, Verzweiflung. Von Frauen, denen nicht geglaubt wird. Von Frauen, die schweigen sollen – aber genau dies nun nicht mehr tun.

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