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Wie geht man mit seinem depressiven Partner um?

von Gloria Karthan

16 MÄRZ 2019

Health

Justin Bieber kämpft erneut mit Depressionen. Wie gehts dabei seiner neuen Frau Hailey? Zwei Experten erklären, was passiert, wenn ein geliebter Mensch psychisch erkrankt.

Im grossen Interview mit der US-"Vogue" erzählte Justin kürzlich von seiner Xanax-Abhängigkeit. "Es wurde ziemlich dunkel", sagte er. Nun scheint es dem 25-Jährigen erneut nicht gut zu gehen. In einem emotionalen Instagram-Post bittet er seine Fans, für ihn zu beten. "Ich habe viel zu kämpfen gehabt in letzter Zeit. Ich fühle mich wie ausgestöpselt und seltsam", schreibt er im Post, der ihn mit Kanye West und seinem Manager beim Beten zeigt.

Im "Vogue"-Interview erzählt Hailey, wie sie sich fühlte, als er vor ein paar Jahren auf Entzug war: "Ich habe damals sehr intensiv getrauert. Ich wollte einfach nur, dass er glücklich und in Sicherheit ist."

So hilft man seinem depressiven Partner

16 bis 20 Prozent aller Menschen erleben irgendwann im Leben eine depressive Episode. Wie kann man seinem Partner in dieser Phase helfen? "Hailey sollte Geduld haben, ihn unterstützen, aber ihn nicht dazu auffordern, sich zusammen zu reissen", sagt Dr. Annette Brühl, stellvertretende Chefärztin an der psychiatrischen Universitätsklinik Zürich.

Ratschläge wie "mach mal eine Pause" oder "das wird schon wieder" seien nicht hilfreich, sondern würden nur zusätzlichen Druck ausüben. "Am besten ist, ich frage, was mein Partner genau von mir erwartet", sagt Bruno Facci, Präsident von VASK Schweiz, dem Verein Angehöriger psychisch Erkrankter.

Was, wenn der Partner sich abweisend verhält oder anderen Erwartungen nicht nachkommt? "Man darf dieses Verhalten nicht als gegen einen selbst gerichtet verstehen, sondern als Teil der Krankheit. So wie Niesen ein Symptom einer Erkältung ist", sagt Annette Brühl. "Angehörige müssen sich bewusst sein, dass Depressive nicht absichtlich alles negativ sehen – sie können einfach nicht anders."

Dr. Annette Brühl

Stellvertretende Chefärztin an der psychiatrischen Universitätsklinik Zürich

Es ist die Erkrankung des Partners, nicht die eigene.

Dennoch könnten Machtlosigkeit, Wut, Ungeduld und auch Schuldgefühle auftreten. Hailey sollte laut Annette Brühl gegebenenfalls Therapeuten oder Selbsthilfegruppen aufsuchen, also ihr eigenes Befinden nicht vernachlässigen. Die Psychiaterin sagt: "Es ist die Erkrankung des Partners, nicht die eigene." Facci meint dazu: "Man muss sich nicht alles gefallen lassen und darf natürlich seine eigenen Gefühle darlegen."

Bei Justins Erkrankung handelt es sich nicht nur um eine Depression, sondern auch um eine Abhängigkeit. "Wer einen Rückfall beobachtet, sollte dem Partner keine Vorwürfe machen oder ihn verurteilen", sagt Bruno Facci vom Verein Angehöriger psychisch Erkrankter.

Laut Annette Brühl kennen Angehörige die Betroffenen meist besser als etwa Therapeuten. "Wer eine Verschlechterung bemerkt, sollte darum seinen Partner fragen, ob dieser das auch so wahrnimmt." Angehörige sollten aber nicht zum Bewacher oder Therapeuten werden. Äussere der Partner Suizidgedanken, solle man das aber stets ernst nehmen und eine Psychiaterin oder einen Psychotherapeuten informieren.

Bruno Facci

Präsident von VASK Schweiz, dem Verein Angehöriger psychisch Erkrankter

Ich kenne viele Paare, bei denen ein Partner eine psychische Erkrankung hat und die gute Wege gefunden haben, damit zu leben.

Was, wenn man keinen anderen Ausweg mehr sieht, als die Beziehung zu beenden? Wie viele Fachleute rät Annette Brühl von vorschnellen und weitreichenden Entscheidungen in Krankheitsphasen ab. "Häufig bereut man solche Entscheidungen nach Abklingen einer Phase." Eher sollten Angehörige selbst Hilfe und Beratung suchen, als in einer Krankheitsphase einen Schlussstrich zu ziehen.

"Wie das Leben selbst verläuft auch das Eheleben nicht ohne Krisen", so Facci. Er kenne viele Paare, bei denen ein Partner eine psychische Erkrankung hat und man trotzdem gute Wege gefunden habe, damit zu leben. "Mit allen damit verbundenen Auf und Abs – die es ja schliesslich in jeder Beziehung gibt."

Hier erhalten Angehörige Hilfe:

VASK, Dachverband der Vereinigungen von Angehörigen psychisch Kranker: Bei den regionalen Stellen finden Angehörige Telefonnummern, Beratungsstellen und Kurse.

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