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Das habe ich an einer Wasser-Degustation gelernt

von Stephanie Vinzens

8 AUGUST 2018

Life

Text-Praktikantin Stephanie hat höchst professionell verschiedene Wasser gekostet. 5 Facts, die sie dabei am meisten fasziniert haben.

Durch feuchtfröhliche Weindegustationen testen wir uns gern. Aber verschiedene Wasser probieren? Das erscheint vielen absurd. Im Grand Resort Bad Ragaz kann man aber genau das tun. "Momentan sind wir in der Schweiz die einzigen im Hotel- und Gastronomiebereich, die Wasser-Degustationen anbieten", so Anke Scherer, eine von zwei Wasser-Sommelières des Hotels. Sie erkennt jedoch einen Trend: "Wasser-Degustationen werden immer populärer. Diesen Herbst werden zudem erstmals auch in der Schweiz Wasser-Sommeliers und Sommelière ausgebildet."

"Ich hoffe, ihr habt nicht geraucht"

Als ich darüber nachdenke, fällt mir ein, dass auch ich schon Wasser getrunken habe, das mir nicht geschmeckt hat. Von meiner Neugierde gepackt, lasse ich mich auf eine Degustation ein. "Ich hoffe ihr habt in den letzten 30 Minuten nicht geraucht oder Kaffee getrunken", sagt Anke Scherer, bevors los geht. Denn anders als bei Wein oder Gin, sind die Unterschiede wesentlich feiner. Man muss sich konzentrieren. Auf kleinste Details achten.

In der Tat kann ich dezente Unterschiede ausmachen – auch wenn ich mir nicht immer ganz sicher bin, ob ich sie mir einbilde. Beim letzten Wasser jedoch bin ich überzeugt: Das schmeckt jetzt deutlich anders. Herber! Wieso Wasser unterschiedlich schmecken, und vier weitere Dinge, die ich an der Degustation gelernt habe:

  • Mineralien verändern den Geschmack

    Wasser ist nicht gleich Wasser. Grund dafür sind die unterschiedlichen Mineralien und ihre Konzentration. Natrium etwa schmeckt salzig, Kalzium hart, Eisen rostig und Magnesium bitter oder süss, je nach Geschmacksempfinden. Umso stärker ein Wasser mineralisiert ist, desto eher schmecken wir diese Eigenschaften auch. Während also niedrig mineralisiertes Wasser meist als harmonisch empfunden wird, schmecken hoch mineralisierte Marken eher herb. Kohlensäure kann das Wasser zudem säuerlich schmecken lassen.

    Wenn ihr jetzt eure Wasser-Etikette checken wollt: Bis 500 mg Mineralien pro Liter ist ein Wasser niedrig mineralisiert (etwa Evian), bis 1500 mg/l mittel (San Pellegrino) und ab da an hoch mineralisiert (Valser).

  • Die Kindheit ist entscheidend

    Je nachdem in welcher Region wir aufgewachsen sind und wie stark mineralisiert das Leitungswasser dort ist, entwickeln wir Vorlieben. Denn was wir gewohnt sind, mögen wir. "Ich hab mal eine Degustation in Basel durchgeführt, wo das Leitungswasser recht viel Mineralien enthält. Hoch mineralisiertes Wasser, das sonst eher polarisiert, mochte man dort wesentlich lieber", erzählt Scherer.
  • Was der Körper braucht, schmeckt uns

    Ob Wasser mit viel Mineralien auch gesünder sind? "Nicht zwingend, denn bei einer ausgewogenen Ernährung nehmen wir eigentlich schon genügend Mineralien zu uns", erklärt die Wasser-Sommelière. Meist merke der Körper selbst, was er braucht. So können sich unsere Wasser-Vorlieben auch schnell ändern – etwa bei einer Schwangerschaft, wenn wir krank sind oder viel geschwitzt haben. Also dann, wenn der Körper einen veränderten Bedarf an Mineralien hat. "Eine Schwangere, die mal an einer meiner Degustationen teilgenommen hat, fand plötzlich eine extrem hoch mineralisierte Wassermarke total gut – obwohl sie diese vorher scheusslich fand."
  • Wasser beeinflusst den Geschmack des Weins

    Im zweiten Durchgang der Degustation kommt Wein ins Spiel. Auf jeden Schluck davon folgt ein Schluck Wasser. Und tatsächlich: Der Abgang verändert sich je nach Wassermarke. Mal wirkt der Wein intensiver, mal leichter. "In unseren Restaurants kommt es hin und wieder vor, dass Pärchen dank dem richtigen Wasser eine Flasche Wein teilen können, die eigentlich nicht beiden schmeckt", erzählt Scherer. Wer etwa einen schweren Rotwein leichter machen will, kombiniert ihn mit einem mittel mineralisierten Wasser mit Kohlensäure. "Man kann den Geschmack des Weins natürlich nicht kehren, aber eben abmildern oder verstärken." Auch wer sich eine Schorle mixt kann darauf achten: Kippt man niedrig mineralisiertes Wasser in den Süssmost, schmeckt der Mix wässriger. Mehr Mineralien hingegen machen ihn spritziger.
  • Teure Wasser sind vor allem ein Hype

    "Das teuerste Wasser, dass es in Europa zu kaufen gibt, ist das Rokko No Mizu aus dem japanischen Miso-Gebirge. Es kostet in Europa 124 Euro pro Liter – in Japan 2 bis 3 Euro", so Scherer. Man bezahlt also hauptsächlich die Transportkosten und die edlere Flasche, die bei uns angeboten wird. "Es ist nicht mal Mineralwasser, sondern normales Trinkwasser", so die Wasser-Expertin. Während Mineralwasser aus einem unterirdisch abgeschlossenen Reservoir kommt, das vor Verunreinigungen geschützt ist und von da direkt in die Flasche abgefüllt werden muss, ist Trink- oder auch Leitungswasser gereinigtes, oberflächennahes Wasser – das auch deutlich weniger Mineralien enthält. Bei den meisten teuren Wasser zahle man also vor allem den Hype.

Spasuites Wasserbar 2
Grand Resort Bad Ragaz

Die Wasser-Bar im Grand Resort Bad Ragaz

Die Dauer einer Wasserdegustation wird an die Wünsche der Teilnehmer angepasst. Sie kann von einer Stunde bis zu einem halben Tag dauern, je nachdem, wie tief in das Thema eingestiegen werden will. Interessierte können sich hier melden.

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