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Facebook Laura McIntyre

Das Bild einer weinenden Geburtshelferin geht gerade viral

von Gina Buhl

17 OKTOBER 2019

Life

Ein Facebook-Post zeigt, wie extrem nervenaufreibend der Alltag von Pflegefachkräften sein kann. Der Beitrag wird seit Tagen wie verrückt geteilt und kommentiert.

"Dieses Bild stammt aus einer Nacht im Juli, in der Caty nach einem besonders harten Tag zu mir nach Hause kam. Sie war gerade bei einer Totgeburt dabei", schreibt die US-Amerikanerin Laura McIntyre vor fünf Tagen in einem Facebook-Post.

Auf besagtem Bild ist ihre Schwester Caty zu sehen. Caty sitzt in blauer Uniform mit einem grossen Glas Wasser und einem Teller auf den Knien auf einem Sessel. Sie weint.

Laura schreibt, dass Geburtshelferin Caty gerade ihre vierte Schicht in Folge absolviert habe. "Das sind etwa 53 Stunden in vier Tagen – und da sind die eineinhalb Stunden, die sie jeden Tag im Auto sitzt, noch nicht einberechnet." Selbst an einem normalen Tag habe sie bei der Arbeit keine Zeit, Mittag zu essen oder genug zu trinken, so Laura.

20'000 Kommentare

"Habt ihr schon mal darüber nachgedacht, was man auf einer Entbindungsstation täglich zu sehen bekommt? (...) Man sieht Panik und Nervosität, wenn eine Mutter Angst hat. Man sieht die Angst, wenn ein Not-Kaiserschnitt angeordnet wird. (...) Man sieht Teenager, die Kinder bekommen. Man sieht süchtige Mütter, die Kinder bekommen, die Entzugserscheinungen haben. Man sieht das Jugendamt, man sieht Bestatter."

Wie bedeutsam diese Message ist, zeigt die riesige Resonanz darauf: Innerhalb weniger Tage wird der Post über 105'000 Mal geteilt, fast 15'000 Mal kommentiert – und zig andere Pflegefachkräfte erzählen ihre Geschichte.

Dankbarkeit und Kritik an Arbeitsbedingungen

In den Kommentaren zu Lauras Post sprechen viele ihre grosse Dankbarkeit gegenüber Pflegefachkräften aus. Eine Userin etwa schreibt: "Die Liebe, die ihr euren Patienten und Patientinnen so grosszügig entgegenbringt, wird zehnfach zu euch zurückkommen." Ein anderer schreibt: "Ich war 43 Jahre lang Krankenpfleger und kann dieses absolut überwältigende Gefühlschaos, das Caty in dem Moment wohl verspürt hat, genau nachvollziehen." Er habe so viel Hochachtung für seine Berufskolleginnen und -kollegen. Tausende zeigen ihren Support mit Herzen.

Es gibt aber auch viel Kritik an den "unmenschlichen Strukturen", wie zum Beispiel eine ehemalige Pflegefachfrau schreibt: "Ich bin fertig damit. Es ist absolut fahrlässig, wie Pflegende, aber auch die Patienten aus Spargründen ihrem Schicksal überlassen werden." Eine andere schreibt: "Wie verdammt nochmal soll jemand so viel Verantwortung über Leben und Tod tragen, wenn er nicht mal zum Essen und Trinken kommt?" Eine berechtigte Frage.

Auch in der Schweiz ein Problem

Auch in der Schweiz leiden Pflegekräfte unter schlechten Arbeitsbedingungen, wie eine aktuelle Umfrage der Gewerkschaft Unia, die 2800 Angestellte in verschiedenen Pflegeberufen befragt hat, zeigt: Der konstante Spardruck und Personalmangel führe dazu, dass sie sich konstant ausgebrannt fühlten. Ausserdem bleibe neben der Arbeit keinerlei Zeit für Hobbys oder Familie. Fast die Hälfte der Pflegenden will ihren Beruf aufgeben.

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