Stocksy_txp63f437d5h0E200_Small_383271-1
Stocksy

Darum will ich ab sofort weniger meckern

von Gloria Karthan

28 JANUAR 2019

Life

Wir haben eine Meinung zu allem und jedem. Redaktorin Gloria findet, dass wir uns damit nur selber schaden, und plädiert für weniger Judgement im Alltag.

Einfach unmöglich, seinen Hund mit in eine laute Bar zu nehmen!

Ui, der Rock ist viel zu kurz – die muss doch frieren!

Boah, wieso macht sich mein Nachbar im Tram jetzt so breit?

So oder so ähnlich klingen meine Gedanken, wenn ich in der Stadt unterwegs bin. Ich bin oft am Motzen und urteile voreilig – keiner ist vor dem Richterhammer in meinem Kopf sicher. Nicht nur fremde Menschen müssen sich meinem Urteil stellen, auch meine Freunde und Familie werden schneller bewertet und schubladisiert als mir lieb ist.

Das muss aufhören, findet auch US-Autorin Gabrielle Bernstein, die in ihrem Buch "Judgement Detox" einen Sechs-Punkte-Plan zusammengestellt hat, der uns dabei helfen soll, weniger zu urteilen. Der erste Punkt ist dabei wohl der Zentralste: "Witness your judgment without judgment." Heisst so viel wie: Werde dir über dein Urteilen bewusst – ohne dich selbst dafür zu verurteilen.

Das kenne ich schon von meinem achtwöchigen Mindfulness-Kurs, den ich vor einiger Zeit gemacht habe. Ein Beispiel: Beim Meditieren juckt der Fuss und die Gedanken schweifen ab. Wer achtsam ist, bemerkt das, verurteilt sich aber nicht dafür und konzentriert sich einfach weiterhin auf den Atem.

Wer es schafft, dieses Nichturteilen vom Meditationskissen in den Alltag zu bringen, ist auf lange Sicht glücklicher und unbeschwerter – davon bin ich überzeugt. Meiner Erfahrung nach lästert und motzt umso mehr, wer grad mit sich selber nicht so happy und im Einklang ist. Auch Bernstein ist sich sicher: Wer verurteilt, überträgt Ängste und Unsicherheiten auf andere Menschen und vergiftet gewissermassen sein eigenes Leben.

Das soll jetzt nicht heissen, dass wir mit einem aufgesetzten Smileyface durch die Weltgeschichte laufen und nie mehr Kritik üben sollen. Denn Kritik, solange sie zielgerichtet angebracht und anständig formuliert ist, bringt uns schliesslich weiter. Doch ständig zu verurteilen und zu meckern – sei es im Kopf oder laut – hilft keinem, sondern sorgt bloss für schlechte Vibes.

Wenn ich von etwas frustriert bin oder mich etwas wütend macht, rufe ich mir ab sofort folgendes Zitat von Bestsellerautor Eckhart Tolle ins Bewusstsein: "Wenn du dich beschwerst, dann machst du dich selbst zum Opfer. Verlasse die Situation, verändere die Situation, oder akzeptiere sie. Alles andere ist Wahnsinn."

Übrigens: Um mich nicht sofort dafür zu verurteilen, dass ich mich beim Meditieren von einem juckenden Fuss ablenken lasse, musste ich etwa ein Jahr lang fast täglich üben. Mal sehen, wie viele Jahre es dauert, bis der Judgement Detox in meinem Alltag angekommen ist.

Noch mehr von uns
Was hältst du von diesem Artikel?
  • :(
  • love it no Data :(
  • haha no Data :(
  • wow no Data :(
  • traurig no Data :(
  • wütend no Data :(
  • love it
  • haha
  • wow
  • traurig
  • wütend