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Warner Bros

"Crazy Rich Asians" hat mich zu Tränen gerührt

von Stephanie Vinzens

3 SEPTEMBER 2018

Entertainment

Redaktorin Stephanie ist Halb-Asiatin – und hat sich am Wochenende "Crazy Rich Asians" angeschaut. Der Film hat ihre Erwartungen übertroffen.

Seit drei Wochen läuft "Crazy Rich Asians" in den US-Kinos, seit Donnerstag gibts ihn auch bei uns zu sehen – und der Erfolg des Films ist überwältigend. Die Bestseller-Verfilmung wird von Kritikern hoch gelobt und lockt zahlreiche Besucher in die Kinos. "Forbes" hat berichtet, dass der Film nach "My Big Fat Greek Wedding" die zweiterfolgreichste romantische Komödie aller Zeiten werden könnte. Als Halb-Asiatin juble ich innerlich. Denn der Erfolg zeigt Whitewashing-Verteidigern deutlich den Stinkefinger: Es wird immer schwieriger zu behaupten, Filme mit nicht-weissen Schauspielern wolle niemand sehen.

Als ich erfuhr, dass nach 25 Jahren der erste Hollywood-Streifen mit einem vollständig asiatischen Cast in die Kinos kommen soll, war ich aufgeregt. Ich las, dass Kevin Kwan, der Autor des Buches, sich gegen Produzenten wehrte, die die weibliche Hauptfigur weiss machen wollten. Und dass er seine Story schlussendlich für gerade mal einen Dollar an Warner Bros. verkauft hat – um das Mitspracherecht an der Verfilmung zu behalten. "Crazy Rich Asians" sollte also nicht bloss irgendein Film werden, sondern sowas wie der "Black Panther" für die asiatische Community.

Man sieht sich immer nur in Klischee-Rollen

Als ich den Film endlich auch bei uns schauen konnte, war ich schon nach einer Viertelstunde merkwürdig gerührt – obwohl gar nichts sonderlich Rührendes geschah. Was mich so bewegte? Endlich sah ich Schauspielerinnen und Schauspieler mit den gleichen Wurzeln wie ich auf der Leinwand. Und sie spielten keine stereotypen Kung-Fu-Meister, Geishas oder Lachnummern mit übertriebenen Akzenten. Keine unsichtbaren Nebenrollen, sondern Hauptfiguren mit vielseitigen Persönlichkeiten, die die Kinobesucher zum Lachen und Weinen brachten. Das fühlte sich wahnsinnig empowering an.

Denn Asiaten entweder gar nicht auf der Leinwand oder nur in Rollen voller Klischees zu sehen, hat durchaus was in mir ausgelöst – auch wenn mir das erst jetzt wirklich bewusst wird. Ich erinnere mich, wie ich als kleines Mädchen zu meiner Mutter sagte: "Ich könnte nie Schauspielerin werden, oder? Asiatinnen will doch niemand in normalen Rollen sehen." So war ich lange Zeit immer total happy darüber, wenn Leute mir meine Wurzeln nicht ansahen. Ich distanzierte mich von meiner Herkunft. Auch Arbeitskollegin Melanie kennts: "Weil ich als Kind ausgelacht wurde, wenn ich Chinesisch sprach, habe ich später als Teenie oft behauptet, dass ich gar keine Verbindung zu China habe. 'Crazy Rich Asians' zu sehen, hat mich richtig stolz auf meine Herkunft gemacht."

"Asian" wurde aus dem Titel gestrichen


Was aber einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt? Der deutschsprachige Verleih hat "Asians" aus dem originalen US-Titel gestrichen. Bei uns heisst der Film also "Crazy Rich". Auch das Filmplakat wurde abgeändert. Der asiatisch anmutende Hintergrund des Originals wurde durch eine 08/15-Grossstadtkulisse ersetzt. Es scheint, als halte man den Film wohl für zu "asian" für das Publikum hierzulande – dafür gibts auf Twitter und in den Berichterstattungen nun berechtigt Kritik.

Es scheint, als haben Asiatinnen und Asiaten in Europa und Amerika eine Stimme gefunden. Sie wehren sich gegen Whitewashing und setzen sich lautstark für mehr Repräsentation ein. So wird auch dem Filmbiz langsam klar, dass Filme, in denen asiatische Charaktere mit weissen Schauspielern besetzt werden, oft floppen, und Diversität an der Leinwand heutzutage in der Tat lukrativ ist. Warner Bros. soll schon an der Fortsetzung namens "China Rich Girlfriend" arbeiten und bereits die Rechte für den letzten Teil der Trilogie gekauft haben.

Asiaten brechen immer mehr aus dem Stereotyp der Vorbild-Immigranten, die sich alles gefallen lassen, aus – sowohl auf der Leinwand als auch im echten Leben. Wie grossartig, dass ich das miterleben darf.

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