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Bild Unsplash von Noah Buscher

Wie ihr in unsicheren Zeiten nicht ausbrennt

von Chiara Schawalder

4 JULI 2020

Life

Trotz Coronakrise setzen sich viele immer noch für die Gleichstellung und die Klima-Bewegung ein. Wie man sich in diesen aufwühlenden Zeiten nicht komplett überfordert, verrät Psychologin Tabea Hässler.

2020 war bisher ein sehr ereignisreiches Jahr – im negativen Sinn. Anfangs Jahr hat Australien gebrannt, die Klimakrise war wie schon 2019 präsent wie noch nie. Dann kam Corona und legte die ganze Welt lahm. Kaum taucht ein Licht am Ende des Lockdown-Tunnels auf, passiert das schreckliche Hassverbrechen an George Floyd.

Weltweit solidarisieren sich Tausende für die Black Lives Matter Bewegung. In der Schweiz jährt sich der Frauenstreik und dann wäre da auch noch der Pride-Monat. Noch nie war es so wichtig, laut zu sein und für seine Rechte einzustehen. Doch wir alle haben unser Limit. Wie können wir sicherstellen, dass wir beim aktuellen Weltgeschehen nicht ausbrennen? Wir haben die Psychologin Tabea Hässler gefragt.

Frau Hässler, was tun, wenn ich merke, dass ich psychisch erschöpft bin? Corona und die damit einhergehenden Veränderungen, aber auch die Diskussionen über bestehende Diskriminierungen und der Klimawandel lösen ein Gefühl von Verunsicherung aus. Zuerst sollte man identifizieren, was einen genau erschöpft. Ist es das Privatleben? Der Mix aus Anforderungen in Beruf, Partnerschaft, Kinderbetreuung und des Engagements? Wenn zu viele Anforderungen gleichzeitig bestehen, ist es wichtig, auch einmal Nein zu sagen. Ausserdem sollte man auch mal eine Pause machen und sich Zeit für sich selber nehmen. Hilfreich ist auch Sport und Unterstützung durch andere.

Und wie vermittle ich meine Erschöpfung am besten meinen Mitmenschen? Viele Personen, die sich erschöpft oder überfordert fühlen, schweigen aus Scham und dem Gefühl, immer stark sein zu müssen. Auch wenn es Überwindung und Mut bedarf, ist es wichtig, das Gefühl einer potenziellen Überforderung in der Familie, im Freundeskreis, aber auch auf der Arbeit zu kommunizieren. Das soziale Umfeld kann nur helfen, wenn es versteht, wo der Schuh drückt. Ein solches Gespräch wird oft als befreiend erlebt.

Wie hilft man am besten anderen, die sich leer und ausgebrannt fühlen? Ein Gespräch ist immer hilfreich. Seien Sie dabei behutsam, hören Sie aktiv zu und äussern sie Verständnis und Wertschätzung für die andere Person. Finden Sie Möglichkeiten, das Gegenüber zu entlasten. Kennen Sie aber auch Ihre Grenzen und teilen sie diese ehrlich mit. In schweren Fällen sollte man bei einer Fachperson Hilfe holen.

Der Druck auf Social Media aktiv zu bleiben ist riesig. Doch nicht alle fühlen sich wohl dabei, sich öffentlich zu äussern. Was hilft gegen das schlechte Gewissen? Es gibt ganz unterschiedliche Möglichkeiten, wie man sich für soziale Gleichheit einsetzen kann. Wenn man sich nicht öffentlich äussern möchte, kann man im privaten Umfeld Diskriminierung ansprechen oder bei unangebrachten Äusserungen über Minderheiten einschreiten. Auch mit Hilfe von Referenden und politischen Abstimmungen kann man sich für seine Anliegen einsetzen.

Viele bleiben still, aus Angst davor etwas Falsches zu sagen. Was hilft? In einem ersten Schritt sollte man sich informieren und sich so Hintergrundwissen aneignen. Fehler sind menschlich. Solange man sich respektvoll verhält, sind kleine Fehltritte nicht weiter schlimm und werden oft gutwillig korrigiert. Manchmal hilft auch ein Lächeln und die Nachfrage, wie man sich richtig ausdrücken könnte.

Tabea Hässler ist Psychologin und forscht an der Universität Zürich in den Schwerpunkten Sozialer Wandel, Soziales Engagement, Diskriminierung, ethnische Minderheiten und LGBTIQ+ Kontext.

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