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Darum nervt mich das Coachella nur noch

von Sonja Siegenthaler

15 APRIL 2019

Fashion

Dieses Wochenende hat das legendäre Coachella-Festival in Kalifornien begonnen. Den Kultstatus hat der Mega-Event jedoch komplett verloren, findet Modeassistentin Sonja.

Wenn sich Instagram in ein kunterbuntes Album mit aufwendig inszenierten Posts mit Palmen, dem ikonischen Riesenrad und rosaroten Sonnenuntergängen verwandelt, ist klar: Es ist Coachella-Zeit.

Genau, der Musik-Event in der Wüste Kaliforniens, an dem eine Bauchtasche von Chanel zum Festival-Look gehört und Musik sekundär ist. Dieses Wochenende war es wieder so weit, der Mega-Event ging in die zwanzigste Runde. Und mir wurde bewusst, wie uncool das Coachella geworden ist.

Vor einigen Jahren war das Festival noch eine richtige Inspirationsquelle für mich. Coole Filzhüte tief im Gesicht getragen, zerfranste Hot-Pants, süsse Spitzenkleidchen, Cowboyboots und crazy Flechtfrisuren: Was die Model-Cliquen, It-Girls und Stars im April am Coachella trugen, wurde im Sommer fix zum Festival-Trend.

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Vor drei Jahren war noch alles in Butter.

Ein weisses Häkelkleid, dazu eine Fransenweste und ein Choker um den Hals? Coachella-Mama Alessandra Ambrosio hat uns 2016 noch vorgemacht, wie ein heisser Festival-Look aussehen muss. Und ich hab ihn drei Monate später am Gurten getragen. Die Highlights vom Coachella waren definitiv die kreativen, vielfältigen Looks – nicht nur für mich. Influencer traf man damals nur ganz vereinzelnd in der Wüste Kaliforniens an…

#ad, #ad, nichts als #ads

Dieses Wochenende stutze ich bereits bei den ersten Insta-Bildern vom Festival: Die deutsche Influencerin Leonie Hanne in einem Look von Paco Rabanne, Berufskollegin Caro Daur in einem asymmetrischen Maxikleid von Chloé – inklusive Tasche im Wert von 1'500 Franken. Und Xenia Adonts? Komplett eingekleidet in Miu Miu. Dass die Designer-Teile um einiges teurer sind als meine Festival-Pieces, ist an sich nichts Neues. Auch Alessandra trug 2016 wohl kaum H&M. Was aber auffällt, ist, dass kaum ein Post mehr ohne #ads auskommt. Heisst: Alles Werbung.

Sogar meine Coachella-Queen Alessandra Ambrosio markiert ihren Bikini-Kimono-Jeans-Look als #ad – ihre Tasche wurde von Bulgari gesponsert. Und Supermodel Gigi Hadid wirbt sogar in einer bezahlten Partnerschaft für – McDonald's. Wie glaubwürdig!

Dass das Coachella-Festival mittlerweile zu einer reinen Geldmaschine geworden ist, zeigt sich am Beispiel Revolve. Der Online-Shop veranstaltet seit 2014 das Revolve Festival, ein Side-Event vom Coachella Festival. Eingeladen sind alle, die Einfluss auf potenzielle Käuferinnen haben – Kendall Jenner und die Victoria's-Secret-Engel inklusive.

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@revolve #REVOLVEfestival #ad

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So soll der Online-Gigant letztes Jahr etwa 500 internationale Influencer während des gesamten Festivals eingekleidet haben. Klar, dass Revolve mit dieser Marketing-Strategie eine enorme Reichweite erreicht – weltweit. Und die zahlt sich aus: Die Woche zwischen den beiden Coachella-Wochenenden sei gemäss Revolve-CEO die beste Verkaufswoche im ganzen Jahr. Und die von den Influencern getragenen Teile verkaufen sich dabei natürlich aussergewöhnlich gut.

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the angels arrived! 🌟 #REVOLVEfestival

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Coachella ist zu einer Influencer-Hochburg verkommen, die einen gigantischen Werbemarkt bedient. Getragen wird, wofür bezahlt wird. Individualität und Innovation? Fehl am Platz. Aus diesem Grund lässt mich der ganze Trubel um das Festival dieses Jahr kalt – die Inspiration ist für mich verloren gegangen.

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