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Wie gesund ist Chlorophyll-Wasser wirklich?

von Gina Buhl

21 AUGUST 2019

Health

Halb Hollywood füllt die Kühlschränke gerade mit Wasser, das mit dem angeblich supergesunden Pflanzenstoff Chlorophyll angereichert ist. Aber kann es wirklich so viel, wie alle behaupten?

Es ist grün, very instagrammable – und das angebliche Wundermittel gegen alles, worauf in Hollywood gerne verzichtet wird: Chlorophyll-Wasser soll gegen Alterserscheinungen, Speckröllchen und Workout-Flauten wirken und erobert gerade die Kühlschränke von Stars wie Kourtney Kardashian, Reese Witherspoon oder Mandy Moore. Aber was steckt hinter dem smaragdgrünen Lieblingsdrink der Celebs? Und kann er seine Versprechen einhalten?

Was den Pflanzen hilft, kann auch uns helfen

Die Bestandteile des Gesundheitsdrinks sind simpel: Wasser und einige Tropfen Chlorophyll. "Dieser sekundäre Pflanzenstoff verleiht etwa Brokkoli oder Spinat ihre grüne Farbe und ermöglicht, dass sie Photosynthese betreiben und wachsen können", erklärt Ernährungstherapeutin Beatrice Liechti. Ausserdem ähnelt der grüne Pflanzenfarbstoff unserem körpereigenen roten Blutfarbstoff, dem Hämoglobin, der für den Sauerstofftransport in unserem Blut zuständig ist. "Deshalb geht auch die Wissenschaft immer mehr davon aus, dass die positiven Eigenschaften von Chlorophyll für das Pflanzenwachstum auch wertvoll für unseren Stoffwechsel sein können", so die Expertin weiter. So weit, so gut.

Doch jetzt kommt der Haken: Tatsächlich gibt es nämlich bisher nur sehr wenige Studien, die sich mit den gesundheitlichen Vorteilen von natürlichem Chlorophyll aus grünem Gemüse für unseren Body auseinandersetzen. Und leider ist auch noch niemand auf die Idee gekommen, die Wirksamkeit der synthetisch hergestellten Tropfen zu untersuchen.

Für die Hersteller der Tropfen kein Grund tief zu stapeln: Viele von ihnen versprechen mit dem Chlorophyll-Wasser ein "revolutionäres Anti-Aging-Mittel" zu vertreiben, das "bessere Leistung beim Sport", "weniger Heisshungerattacken, grössere Abnehmerfolge" und ein "besseres Wohlbefinden" beschert.

Chloropyhll gegen Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen?

Alles bloss haltlose Behauptungen? Nicht ganz, so die Expertin: "Schaut man sich die Ergebnisse der bisherigen Studien an, könnte Chlorophyll – wie auch andere Pflanzenstoffe – durchaus eine schützende Rolle bei Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen und auch Krebs einnehmen. Allerdings wird es kaum etwas bewirken, das nicht auch andere Antioxidantien können", so Beatrice Liechti weiter.

Was die Versprechen der Hersteller in Bezug auf die Steigerung der sportlichen Leistung angeht, ist die Ernährungsberaterin allerdings skeptisch: Gerade wenn man Antioxidantien zu hochdosiert ergänzt, macht man Trainingseffekte eigentlich zunichte. Training ist Stress für den Körper – und dieser sorgt dafür, dass wir stärker werden. Wenn man zu viele Antioxidantien zu sich nimmt, minimiert das den Stress und damit auch die Trainingsverbesserung." Ob sporty Kourtney das ahnt?

Grüne Smoothies als gesunder Ersatz

Wer nicht auf die vermeintlich positiven Eigenschaften des grünen Pflanzenstoffs verzichten will, kann übrigens auch auf andere Drinks zurückgreifen: "Ich persönlich würde anstatt dieser künstlichen Tropfen eher für grüne Smoothies plädieren. In ihnen steckt das ganze Gemüse mit natürlich vorkommendem Chlorophyll, anderen Antioxidantien und Pflanzenfasern", so Beatrice Liechti.

Beatrice Liechti ist Ernährungsberaterin BSc und Inhaberin von cleveress in Solothurn (cleveress.ch)

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