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Hört auf, den Buddhismus zu idealisieren!

von Stephanie Vinzens

21 JUNI 2018

Life

Text-Praktikantin Stephanie stört sich am naiven Bild, das Westler vom Buddhismus haben – etwa dem leichtfertigen Umgang mit Buddha-Figuren.

Buddha in Gold, Schwarz oder Pink. Buddha als Vase. Buddha als Lampe. Buddhas Gesicht auf WC-Deckeln – das Angebot an Buddha-Deko ist hierzulande riesig. Indem Westler ihr Haus mit Buddha-Figuren verschönern, wollen sie ihre Faszination für die Religion ausdrücken.


Dass manche im Grunde wenig von ihr wissen, merkt man spätestens dann, wenn der Buddha auf ihren Esstischen oder Gartenböden landet. Ein Akt der Respektlosigkeit, wie ich als Tochter einer Buddhistin aus Thailand früh (und etwas genervt) lernen musste. Denn egal ob Bilder, Figuren oder Halsketten – Gegenstände die den Erleuchteten abbilden, sind ihnen heilig. Sie werden mit kleinlicher Sorgfalt behandelt und an einem erhöhten Ort aufgestellt. Mindestens auf Augenhöhe.

Buddhismus als Feel-Good-Religion

Dass man sich hier leichtfertig an buddhistischen Symbolen bedient, liegt wohl am klischeehaften Bild der asiatischen Religion. So ist der naive Gedanke, im Buddhismus gehe es nur darum, möglichst nett und friedfertig zu sein, im Westen weit verbreitet. Die aktuelle Schweizer Bachelorette Adela meinte mal in der Sendung: "Ich bin eher so chli buddhistisch ahghucht und probier möglichst en guete Mensch z sii." Buddha wurde ganz in diesem Sinne zum Inbegriff von Güte und Frieden – und soll uns mit Harmonie erfüllen, während wir in der Badewanne liegen und unseren sanft lächelnden Buddha-Teelichthalter anschauen.

So hat sich der Buddhismus im Westen zu einer Art Feel-Good-Religion entwickelt, einer Wellness-Kur für kleine Lebenskrisen. Ein bisschen Meditation zu Regenwald-Klängen hier, ein wenig Achtsamkeit und Räucherstäbli dort und schon sollen Stress, Ängste und Unzufriedenheit sich in Luft auflösen. Diese Idealisierung des Buddhismus geht so weit, dass man ihm gar den religiösen Charakter abspricht. Er sei vielmehr eine Philosophie, eine Lebensweise. Ein Weg sich selbst zu finden, zu optimieren. Die Seele baumeln zu lassen. Die Welt zu verbessern.

Dass Buddhisten das Leben als einen leidvollen, unendlichen Kreislauf begreifen, dem man nur entfliehen und somit ins Nirwana kommen kann, wenn man sein Ego und die Begierde nach materiellen sowie immateriellen Dingen überwindet, blenden solche Hobby-Buddhisten gern aus. Zu schön ist die Vorstellung dieser fernöstlichen Religion, die nichts als Frieden und Selbstliebe will.

Jede Religion hat Leichen im Keller

Hinter jeder Religion steckt aber immer auch ein politisches System und das Streben nach Macht. Die Vertreibung der muslimischen Rohingyas aus dem buddhistischen Burma zeigt aktuell, dass auch Buddhisten sehr wohl Gewalt anwenden. Und nicht zu vergessen: Jede Religion trägt gesellschaftliche Vorstellungen, die Jahrtausende alt sind, mit sich herum – und die sind selten im Sinne der Frau.

So ist in vielen buddhistischen Schriften zu lesen, dass die Wiedergeburt als Frau minderwertig ist. Würde ich einem Mönchen eine Spende überreichen wollen, müsste das übrigens durch einen Mann geschehen. Denn ihnen ist es nicht erlaubt, Frauen anzufassen: Sie müssten sich danach einem komplizierten Reinigungsritual unterziehen.

Wer sich also überlegt, einen Buddha ins Haus zu holen, weil er so schön Harmonie versprüht und an die letzte Asien-Reise erinnert, sollte zumindest wissen, dass er sich nicht bloss ein hübsches Accessoire mit guten Vibes, sondern eben auch eine religiöse Figur, mit einer religiösen Botschaft und einer religiösen Geschichte ins Haus holt.

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