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Bravo Girl

"Bravo Girl" sorgt für Shitstorm

von Anaïs Rufer

26 NOVEMBER 2019

Life

In einem Artikel über sexuelle Gewalt zeigt die Zeitschrift "Bravo Girl" ein weisses Mädchen, das von einem dunkelhäutigen Mann angegriffen wird.

Seit 1988 gibt es die "Bravo Girl" schon – ihre Dr.-Sommer-Artikel haben uns in unserer Kindheit und Jugend begleitet. Noch heute ist die "Bravo Girl" eine beliebte Zeitschrift bei jungen Mädchen. Kürzlich ist darin ein doppelseitiger Artikel über sexuellen Missbrauch erschienen. Darin zu sehen: eine junge, weisse Frau, die von hinten von einem gesichtslosen, dunkelhäutigen Mannes angefasst wird. Say what? Wie kann es sein, dass sich ein professionelles Magazin mit jahrzehntelanger Erfahrung eines solch rassistischen Klischees bedient?

Sexueller Missbrauch ist ein strukturelles Problem

Fakt ist: sexueller Missbrauch ist ein reales Problem. Dass "Bravo Girl" aufzeigen möchte, wie sich Jugendliche vor sexuellen Übergriffen schützen können, ist löblich. Mit dem Abbilden eines dunkelhäutigen Mannes als Sexualstraftäter wird das veraltete, rassistische und kolonialistische Vorurteil des bösen, schwarzen Mannes gefördert und aufrechterhalten.

Weiterhin wird dabei der Fokus der gesamten Diskussion über sexuellen Missbrauch in ein völlig falsches Licht gebracht. Die "Bravo Girl" schreibt im Artikel nämlich: "Ein Täter, so denken viele, ist ein böser, fremder Mensch, der plötzlich auftaucht und jemandem etwas antut. Aber in der Realität ist der Täter nämlich meist ein Bekannter des Opfers." In der Schweiz etwa wurden 2018 28 Frauen getötet, 24 im Kontext von häuslicher Gewalt. Diese Zahlen zeigen, dass es sich bei Gewalt an Frauen um ein strukturelles Problem handelt und nicht um eines, das per se schwarze Männer ausüben.

Vergangene Woche hat die Initiative "Schwarze Menschen in Deutschland" (ISD) auf Twitter auf den Artikel in der "Bravo" aufmerksam gemacht:

Der Post des ISD hat viel Unterstützung erhalten. Eine Userin schreibt: "Ich rate eindringlich, ein Sensibiliserungsseminar für Rassismus zu belegen."

Der Post des ISD hat auch zu Diskussionen unter den Twitter-Nutzern geführt. User Peter schreibt: "Wäre es die Hand eines weissen, alten Mannes gewesen, dann wäre ebenfalls ein Stereotyp bestätigt worden, aber es hätte sich niemand beschwert." Daraufhin antwortet ein anderer User, dass Klischees über Minderheiten nicht mit Klischees über Mehrheiten zu vergleichen seien.

"Wir haben einen Fehler gemacht"

Auf Anfrage des Online-Magazins "Très Click" hat die "Bravo Girl" ein Statement zu ihrem Fauxpas abgegeben: „Wir haben das Bild unbedacht gewählt und einen Fehler gemacht. Wir entschuldigen uns hierfür und werden in Zukunft noch stärker darauf achten, auch durch unsere Bildsprache zu zeigen: Bravo steht für Toleranz und Offenheit, wir lehnen Rassismus und Diskriminierung jeglicher Art ab.“

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