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Blutiger Binden-Spot sorgt für Hunderte Beschwerden

von Anaïs Rufer

20 SEPTEMBER 2019

Life

Ein australischer Binden-Hersteller zeigt in seinem neuen Werbespot das erste Mal rotes statt blaues Blut – und wird mit Hunderten Beschwerden bombardiert.

Bestimmt ist euch das auch schon aufgefallen: In Werbespots für Binden sah Menstruationsblut bis jetzt immer gleich aus: hellblau. Die australische Firma Libra, die Monatshygiene-Artikel herstellt, wollte das jetzt aber ändern. In ihrem neuen Werbespot ist deshalb erstmals rotes Blut auf einer Binde zu sehen. Im Jahr 2019 ein Wagnis? Oh ja.

Im Spot ist eine Frau in der Dusche zu sehen: An ihrem Oberschenkel läuft Blut runter. In einer anderen Szene sitzt eine andere Frau auf der Toilette, um ihre Binde auszuwechseln. In dem Moment, in dem sie ihren Slip runterzieht, stoppt das Bild und verpixelt. Dann erscheint die Frage: "Warum ist es immer noch inakzeptabel, Menstruationsblut zu zeigen?"

Die Kampagne des Werbespots trägt den Titel #bloodisnormal (also: Blut ist normal) – doch das sehen anscheinend nicht alle Zuschauerinnen und Zuschauer so. Beim australischen Werberat sind seit dem Erscheinen des Spots vergangenen Monat nämlich über 600 Beschwerden eingegangen. Wie die Regulierungsbehörde der "BBC" mitteilte, seien es 2019 noch nie so viele gewesen.

"Perioden sind Privatangelegenheiten"

Die Werbung sei deplatziert, geschmacklos und beschämend, so die Zuschauerinnen und Zuschauer in ihren Beschwerdeschreiben. "Der Versuch, die Periode zu normalisieren, sei unnötig", schrieb eine Person. "Sie sind kein Geheimnis, sondern Privatangelegenheiten der Körperpflege." Eine andere meinte: "Die Diskussion über weibliche Menstruationszyklen anzuregen und grafische Inhalte zu zeigen, ist beleidigend und zwingt Eltern, mit ihren Kindern zu diskutieren." Eine weitere gab an, dass es zu jeder Tageszeit falsch sei, Mädchen bluten zu lassen. Wow.

Beschwerden nicht anerkannt

Die Beschwerden wurden vom Werberat zum Glück nicht stattgegeben. Der Rat würde zwar verstehen, dass die Gesellschaft es vorziehe, keine Körperflüssigkeiten im Fernsehen zu sehen, aber die Abbildung verstosse nicht gegen den Kodex. Somit sei die Darstellung, die von einem breiten Publikum – auch Kindern – gesehen wird, nicht unangemessen.

Dass dieser Spot derartige Reaktionen ausgelöst hat zeigt, dass die Mens seit Jahrhunderten tabuisiert wird und bis heute als Zeichen der Unreinheit angesehen wird. Im Internet und in der Werbung werden unrealistische Frauenbilder reproduziert, die gezielt auf Menstruationsblut verzichten und somit weiterhin Tabus schaffen.

Das zeigt auch die Umfrage, die Libra im Zuge der Kampagne durchgeführt hat: Für 75 Prozent der Australierinnen ist die Periode ein grösseres Tabu als Drogen, psychische Probleme und Geschlechtskrankheiten. Ausserdem würden 70 Prozent lieber ein Fach in der Schule nicht bestehen, als ihren Altersgenossinnen und Altersgenossen mitzuteilen, dass sie gerade ihre Periode haben. Crazy!

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