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Bitte schickt mir keine Sprachmemos!

von Luise Philine Pomykaj

14 FEBRUAR 2019

Life

Beauty-Assistentin Luise hat ein grosses Problem mit Whatsapp-Sprachmemos und fragt sich, ob sie damit eigentlich die Einzige ist.

Vor ein paar Tagen musste ich meine Teilnahme an einem Polterabend absagen. Als Antwort erhielt ich eine 8-minütige Sprachmemo. Ich bekam etwas Angst – acht Minuten, das ist lang. Ob die Veranstalterin, die Schwester der Braut, mir wohl vorwerfen würde, was für eine schlechte Freundin ich sei?

Tat sie nicht. Dafür musste ich aber einem nicht enden wollenden Gerede über dies und jenes lauschen, das gar nichts mit meiner Absage zu tun hatte. Ganz viele "Eeehms" und "Joooaa's" waren dazwischen. Dann folgte eine mündliche Zusammenfassung aller Nachrichten aus der Polterabend-Whatsapp-Gruppe, in der auch ich drin bin. Dass ich alle Infos schon kenne, konnte ich ihr aber nicht sagen, es war schliesslich ein Sprachmemo. Meine einzige Aufgabe bestand darin, geduldig zuzuhören.

Ich erkannte an den Geräuschen im Hintergrund, dass sie nebenbei die Spülmaschine ausräumte. Dann klang es, als würde sie sich aufs Sofa fallen lassen und ich fürchtete, sie würde nun erst richtig in Fahrt kommen und endlos weiterreden. Als das Memo mit einem zweiminütigen Abschied endete – "Na jaaaaa, schade, dass du nicht dabei bist. Tschüss, machs gut, Tschüss, schönen Abend, bis bald, Ciao, bis dann", war ich sehr erschöpft und fühlte mich, als hätte man mir etwas gestohlen: Meine kostbare Zeit.

Ich muss Zettel und Stift zur Hand nehmen

Ich bin nicht vollkommen anti, was Sprachmemos angeht. Schleppt man in der einen Hand eine Einkaufstüte, kann nicht tippen und will nur kurz mitteilen, wann man beim Treffpunkt ist, können sie superpraktisch sein. Auch finde ich es schön, die Stimme einer lieben Person zu hören. Das geht aber auch beim Telefonieren, und da kann man dann eine richtige Unterhaltung führen und auch aufs Gesagte eingehen. Schwierig wird es für mich nämlich, wenn das Memo eine Minute übersteigt und ich Zettel und Stift zur Hand nehmen muss, um nichts zu vergessen.

Am schlimmsten finde ich, wenn Sprachmemo-Fans gar kein Anliegen haben, sondern sich scheinbar langweilen, während sie auf den Bus warten: "Jaaaa und sonst ... also ich fahre grad zum Yoga. Oh, hier läuft grad voll der süsse Hund. Na ja, also ich fahre grad zum Yoga ... hab ich das schon gesagt?". Wieso führen manche so gerne Monologe über Sprachmemo? Ist es wie eine Art Therapie? Oder geht es schlichtweg darum, mal in Ruhe reden zu können, ohne dass jemand einen unterbrechen kann?

Ich überlege, in meine Whatsapp-Bio zu schreiben, dass ich nur Sprachmemos unter einer Minute erhalten möchte. Ich setze mich mit euch auf die Trottoir-Kante oder an den Küchentisch und höre gerne stundenlang zu. Aber bitte schickt mir keine Sprachmemos.

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  • Ich komme nie dazu, die in Ruhe anzuhören und drauf einzugehen. 18%
  • Furchtbar! Alle meine Freunde wissen, dass sie mir keine schicken sollen. 49%
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