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"Eine Beziehungspause bedeutet nicht immer das Ende"

von Anaïs Rufer

4 OKTOBER 2019

Life

Kylie Jenner und Travis Scott haben sich nach einer Beziehungspause getrennt. Wir haben bei einer Paartherapeutin nachgefragt, ob solche Pausen auch gut ausgehen können.

Nach zwei Jahren Beziehung haben Kylie Jenner und Travis Scott eine Pause eingelegt – das wurde diese Woche bekannt. Am Donnerstagabend hat die 22-Jährige nun auf Twitter die Trennung bekanntgegeben. Sie und Travis seien im Guten auseinander und die gemeinsame Tochter Stormi stehe momentan im Fokus.

Nach der mehrwöchigen Pause haben die zwei also nicht mehr zusammengefunden. Das hätte durchaus auch anders enden können, wie die Zürcher Paartherapeutin Maximiliane Uhlich uns im Interview erklärt.

Frau Uhlich, Kylie und Travis hatten vor der Trennung eine Pause eingelegt. Eine blöde Idee? Viele Paare legen einmal eine Pause ein. Sie ist auf jeden Fall ein Zeichen für eine schwierige Zeit und viele vorhandene Konflikte. Wenn man nicht die emotionalen Ressourcen hat, sich auf die andere Person einzulassen, dann ist es besser, sich einmal zu trennen und einander die Chance auf einen Neuanfang zu geben.

Ist eine Pause der Anfang vom Ende? Eine Pause kann helfen, um erstmal etwas Abstand zu bekommen. Beziehungspausen bedeuten nicht immer, dass Schluss ist.

Maximiliane Uhlich

Paartherapeutin

Es ist wichtig, währenddessen an sich selbst zu arbeiten und sich mit den Beziehungsproblemen auseinanderzusetzen.

Wieso legen Pärchen Pausen ein? Oft passierts, wenn der Schmerz relativ gross ist. Die Paare sind verzweifelt und haben das Gefühl, der einzige Ausweg ist gerade, sich räumlich zu trennen und eine emotionale Distanz herzustellen.

Wie kann so eine Beziehungspause generell funktionieren? Es ist wichtig, währenddessen an sich selbst zu arbeiten und sich mit den Beziehungsproblemen auseinanderzusetzen. Man sollte sich darüber klar werden, was einem wichtig ist. Weshalb ist man an diesen Punkt gekommen? Was kann man in Zukunft anders machen? Es kann auch helfen, Tagebuch zu schreiben, einen Beziehungsratgeber zu lesen, mit engen Freunden, Verwandten oder einem Psychologen oder einer Psychologin zu reden.

Kylie und Travis haben mehrere Wochen pausiert. Gibts eine ideale Länge dafür? Das ist sehr individuell. Es ist nicht besonders sinnvoll, monatelang Pause zu machen. Schliesslich gehts nicht darum, sich völlig zu entfremden, sondern einen neuen Blick auf die Dinge zu gewinnen. Durch den Abstand fängt man oft an, den anderen zu vermissen. Dieses Gefühl tritt aber erst nach zwei bis vier Wochen ein. Es hilft einem auch, wieder positiver an die Beziehung ranzugehen.

Was sind die häufigsten Fehler, die Paare machen? Keine klaren Regeln festzulegen. Und in einer monogamen Beziehung sollte man keine Drittperson einbeziehen. Das macht alles nur noch komplizierter. Mit anderen etwas anzufangen ist eine Vermeidungsstrategie. Dabei lenkt man sich von den eigentlichen Problemen ab, statt sich mit der Beziehung zu beschäftigen. Das gleiche gilt für Partys und viel Alkohol.

Maximiliane Uhlich

Paartherapeutin

Kindern gegenüber sollte man ehrlich sein – sie merken meistens eh, dass etwas nicht in Ordnung ist.

Wie wirkt sich so eine Situation auf gemeinsame Kinder wie Stormi aus? Mit Kindern wird natürlich alles etwas komplizierter. Ihnen gegenüber sollte man ehrlich sein – sie merken meistens eh, dass etwas nicht in Ordnung ist. Für Kinder ist es wichtig, eine Routine beizubehalten, auch wenn vielleicht nicht mehr beide Elternteile zu Hause wohnen.

Falls die beiden doch wieder zusammenfinden: Was gibt es zu beachten? Man sollte für die Aussprache ein gutes Setting schaffen, genügend Zeit einplanen und einen neutralen Ort ohne negative Erinnerungen wählen. Paare müssen ihre Erkenntnisse mitteilen und ihre Wünsche für die Zukunft besprechen.

Wie macht man das am besten? Wichtig ist, dass man ehrlich ist, sich verletzlich zeigt und auch sagt, dass die andere Person einem wichtig ist und man vielleicht Angst hat, etwas kaputt zu machen. Wenn man merkt, dass man die Beziehung nicht alleine retten kann, kann es auch hilfreich sein, eventuell eine Paartherapie zu machen.

Maximiliane Uhlich ist Paarforscherin und Psychologin, sie praktiziert emotionsfokussierte Paartherapie in Zürich.

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